Schweinfurt

Auf Diebestour für die Hochzeit der Schwester?

Ein 42-Jähriger klaut innerhalb weniger Tage 18 hochwertige Jacken in sechs bayerischen Filialen desselben Modehauses. Sein Motiv? Angeblich eine Hochzeit.
Ein Dieb hat in sechs bayerischen Filialen eines Modehauses 18 teure Jacken im Wert von 4800 Euro gestohlen oder dies versucht. Dreimal wurde er dabei ertappt. Sein angebliches Motiv: Um für die bevorstehende Hochzeit (Symbolbild) seiner Schwester Geld und Geschenke zu haben, Foto: Steffen Standke

Am 15. Februar dieses Jahres betritt der 42-Jährige das große Modehaus in der Schweinfurter Fußgängerzone - ohne Jacke. Als er es wieder verlässt, trägt er eine. Insgesamt fehlen drei Jacken im Verkaufswert von 680 Euro. Der Verkaufsleiter hatte den Mann im Blick. Die Polizei hatte ihn vorgewarnt, dass an diesem Tag ein solcher Diebstahl bevorstehen könnte. Sie hatte das Auto, in dem er saß, zuvor auf Autobahn kontrolliert und darin verschiedene neue Jacken sowie im Türfach einen Seitenschneider vorgefunden.

In Schweinfurt schlägt die Polizei zu

Den Wagen mit bulgarischem Kennzeichen hatten die Beamten im Rahmen einer Fahndung wegen mehrerer Jackendiebstähle in ganz Bayern in Läden ein und desselben Bekleidungshauses  herausgeholt. Als Fahrtziel gab der Mann Schweinfurt an - und in der dortigen Niederlassung wurde er schon erwartet. Als sich der Dieb von seinem 22-jährigen Fahrer aus der Tiefgarage unter dem Georg-Wichtermann-Platz herauschauffieren ließ, stoppten Polizisten das Auto. Die geklauten Jacken wurden sichergestellt, auch die fünf aus der Würzburger Filiale, der er kurz davor gestohlen hatte. Seither sitzt der Dieb in Schweinfurt in Untersuchungshaft im Gefängnis in der Hadergasse.

Die hiesige Polizei beendet damit einen Diebeszug, bei dem der gelernte medizinische Assistent innerhalb von elf Tagen in Kaufhäusern in Landshut, Augsburg, Ingolstadt, Würzburg und Schweinfurt 18 hochpreisige Herren- wie auch Damenjacken erfolgreich entwendet hatte oder dabei ertappt wurde. Gesamtverkaufswert: 4800 Euro. Dabei entfernte er regelmäßig die Diebstahlsicherung mit einem Seitenschneider sowie die Preisetiketten, zog teils mehrere  Kleidungsstücke übereinander an und verließ den Laden. Aus allen südbayerischen Kaufhaus-Filialen sind Verkäuferinnen und Geschäftsführer als Zeugen angereist. 

"Druck, Geld zu beschaffen"

Vor dem Jugendschöffengericht Schweinfurt räumt der 42-Jährige am Mittwochmorgen alle Taten ein. Das Verfahren wegen Beihilfe zum Diebstahl in einem der sechs Fälle gegen einen 19-jährigen Angeklagten stellt das Gericht gegen 25 Arbeitsstunden ein. Der junge Mann hatte den Dieb, der gerade keinen Führerschein hatte, gegen 50 Euro plus Benzingeld ins Fränkische gefahren, offenbar ohne zu wissen, dass dieser hier zum Stehlen in bestimmten Modehäusern unterwegs war. Wegen des 19-Jährigen wird die Sache vor dem Jugendschöffengericht verhandelt.

Als Motiv für die konzentrierte Diebestour nennt der Angeklagte ein ungewöhnliches: Er sei wegen der bevorstehenden Hochzeit seiner Schwester in der rumänischen Heimat unter enormen Druck gestanden. Familie und Verwandte hätten von ihm, der seit 2014 in Deutschland arbeitet, Geld und Geschenke erwartet: "Ich hatte Druck, Geld zu beschaffen", wegen der Hochzeit sei er in Versuchung geraten, zu stehlen und die Ware zu Geld zu machen. Er bitte um Vergebung.  

Geklaut hat der Mann aus Blaubeuren bei Ulm aber zuvor schon, auch ohne Hochzeitsdruck. Von bayerischen Gerichten in Rosenheim, Fürth und Memmingen gibt es Urteile wegen schweren Bandendiebstahls und Diebstahls, ebenso von norditalienischen Gerichten in Mailand, Brescia und Bergamo, gibt der Gerichtsvorsitzende bekannt. Haftstrafen saß er deswegen schon ab.      

Besonders dreist oder dämlich?

Nach dreieinhalb Stunden Verhandlung wird das Urteil gesprochen: Schuldig des Diebstahls sowie versuchten Diebstahls in jeweils drei Fällen. In einem kommt eine Beleidigung hinzu. Einen Geschäftsleiter hatte der Dieb mehrfach als "Nazi" beleidigt. Zwei Jahre Haft gibt's dafür, "natürlich ohne Bewährung". Angesichts der Vorstrafen sei eine günstige Sozialprognose nicht zu erkennen, sagt der Vorsitzende. Mit dem Strafmaß liegt er drei Monate unter dem Antrag des Staatsanwaltes und ein halbes Jahr über dem der Verteidigerin.

Dass der 42-Jährige, auch nachdem er mehrfach ertappt worden war, trotzdem weitergemacht hatte, dafür sieht er Richter drei Möglichkeiten: "Hohe kriminelle Energie" sei die eine, oder der Dieb sei besonders dreist oder besonders dämlich." Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.   

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