SCHWEINFURT

Auf Faustischen Spuren

Eine Radierung von Joachim Greschner, die einen Aspekt aus Goethes Faust darstellt.
Eine Radierung von Joachim Greschner, die einen Aspekt aus Goethes Faust darstellt. Foto: Johanna Bonengel

Ja, der Faust, wer kennt ihn nicht. Die einzige Pflichtlektüre im Deutschunterricht bayerischer Gymnasien. Wer sich mit Goethes Meisterwerk auch nach der Schulzeit intensiver beschäftigt, kommt gleichwohl immer wieder auf es zurück – „Faust ist universal, es klingelt etwas im Kopf, wenn man darüber spricht“, weiß Hanns Peter Zwißler von der Schweinfurter Autorengruppe.

Goethes Drama Faust neu zu entdecken, war der Ausgangspunkt für die Mitglieder der zwei Schweinfurter Künstlergruppen SAG und Radierwerkstatt für ein gemeinsames Projekt, das etwas Besonderes wird und auch vom Kunstvereins-Vorsitzenden Ralf Hofmann – das Projekt läuft im Kunstsalong der Kunsthalle vom 11. April bis 5. Mai – mit Spannung erwartet wird.

Bei einer Vernissage vor über einem Jahr kamen Mitglieder der Schweinfurter Autorengruppe SAG und der Radierwerkstatt ins Gespräch, ob man nicht gemeinsame Sache machen wolle. Mit den Mitteln der Radierung und der literarischen Sprache ließen sich nun neun Schriftsteller der SAG und 15 Künstlerinnen und Künstler der Schweinfurter Radierwerkstatt auf eine aktive Begegnung mit Goethes Drama ein.

Es beteiligen sich Gerda Birken, Felice Casper, Monika Dorband, Joachim Greschner, Christa Grumbach, Hans Haering, Ute Kaisik-Groß, Herbert Hack, Dieter Kraft, Barbara Kuhn, Gabriele Rehberger, Hans-Georg Schmidt, Gabriele Schöpplein, Silvia Pfister-Stanjek, Ursula Weidinger, Renate Eckert, Joachim Engel, Günter Hein, Peter Hub, Manfred Manger, Anika Peter, Anna-Paula Steiner, Linde Unrein und Hanns Peter Zwißler.

Jeder Künstler interpretiert einen ihn persönlich berührenden Vers aus dem Faust mit seinen künstlerischen Mitteln. „Es wird sicher keine Goethe-Weihestunde“, sagt Hanns Peter Zwißler, sondern eine moderne Auseinandersetzung mit einem zeitlosen Klassiker aus der Perspektive eines im 21. Jahrhundert lebenden Menschen.

Jeder hat seine eigene Interpretation

Interessant für den Betrachter zu sehen sein wird die unterschiedliche Herangehensweise. Die Radierer haben jeweils sehr unterschiedliche Illustrations-Stile als auch die Literaten verschiedene Gattungen wählten wie Erzählungen, Essays oder Langgedichte. „Spartenüberschreitend zusammen zu arbeiten ist in Schweinfurt sehr leicht, weil wir uns alle gut verstehen, uns kennen in der Szene“, freut sich SAG-Mitglied Linde Unrein.

Die Schweinfurter Radierwerkstatt gibt es seit 1980, aufgebaut von der iranischen Künstlerin Eschrat Tellert. Die ersten Kurse fanden noch im Rahmen der Volkshochschule in den Räumen des SKF-Freizeitgebäudes in Schweinfurt statt. Nachdem sich die Radiergruppe bald einen Namen machte, suchte man nach größeren Räumlichkeiten. Zunächst waren dies die VHS-Räume des ehemaligen Städtischen Krankenhauses, heute ist man in der Georg-Schäfer-Straße 22. Die Gruppe hatte zahlreiche Ausstellungen, unter anderem im Rückert-Jahr im Museum Otto Schäfer. Leiter der Radierwerkstatt ist Hans-Georg Schmidt.

Die Schweinfurter AutorenGruppe SAG gibt es seit 24 Jahren. Es gibt kein gemeinsames literarisches Programm, die Autorinnen und Autoren verbindet Respekt vor Individualität, Vielstimmigkeit, Vielfalt der Perspektiven und der Anspruch, literarisch Anspruchsvolles zu schreiben. Ein Herzstück der Autorengruppe ist die Offene Lesebühne „Wortrösterei“ an jedem dritten Dienstag im Monat in der „Kleinen Kaffeerösterei“ (Rückertstraße). In den vergangenen Jahren widmete man sich immer wieder gemeinsam einem Thema, so 2016 Friedrich Rückert oder 2018 das Projekt „Und abends tu ich dichten.“ im Museum Georg Schäfer.

„Habe nun, Ach!“ Kunstprojekt um Goethes Faust der Schweinfurter Autorengruppe SAG und der Radierwerkstatt. 12. April bis 5. Mai, Kunstsalong des Kunstvereins in der Kunsthalle. Vernissage: 11. April, 19 Uhr. Johanna Bonengel stellt das Projekt vor. Anika Peter aus der Autorengruppe und der Kontrabassist Theodor Spannagel geben eine Faust-Performance.

Am 28. April, 11 Uhr, lesen Autorinnen und Autoren der SAG ihre Texte im Kunstsalong. Anton Mangold am Saxophon führt mit der Literatur und Goethes Faust ein musikalisches Zwiegespräch. Karten für die Lesung im Vorverkauf bei der Buchhandlung Vogel und an der Tageskasse im Kunstsalong. Öffnungszeiten Kunstsalong: Täglich 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 21 Uhr, Montag geschlossen.

Eine Radierung von Dieter Kraft, die bei dem gemeinsamen Kunstprojekt der Schweinfurter Autorengruppe SAG und 15 Künstlern der Schweinfurter Radierwerkstatt entstanden ist.
Eine Radierung von Dieter Kraft, die bei dem gemeinsamen Kunstprojekt der Schweinfurter Autorengruppe SAG und 15 Künstlern der Schweinfurter Radierwerkstatt entstanden ist. Foto: Johanna Bonengel

Rückblick

  1. Voller Gefühl und mit Seele
  2. Ein angstfreies und virtuoses Spiel
  3. Wie ein Museum zum Verschiebebahnhof wird
  4. Eine ganz besondere Wand
  5. Neue Stücke im kommenden Spielplan
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  10. „Talent kennt kein Geschlecht“ bis 12. Juli im MGS
  11. Tiere und Heilige prägen sein Werk
  12. Ausgrabungen mit neuen Erkenntnissen
  13. Braun sind meine Farben
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  15. Treffen unter dem Nussbaum
  16. Kunst mit allen Sinnen erleben
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  21. Peter Wörfel stellt in Dresden aus
  22. Wegen Corona: Museumsfest ist abgesagt
  23. Schweinfurts Theater in Zeiten der Corona-Krise
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  35. Kunsthalle zeigt Werke von Beuys
  36. Das Museum Georg Schäfer verlängert Sonderausstellung
  37. Die Schätze des Schweinfurter Kunstvereins
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  39. Objekte mit ganz viel Geschichte
  40. Schweinfurts Kultur öffnet sich wieder
  41. „Zwischenräume“ und „Aufbruch“
  42. Franz Xaver Müller ist gestorben
  43. Der Hirnschrittmacher des Kabaretts
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