SCHWEINFURT

Auf den Spuren der Großeltern

Geschichtswettbewerb: Die Montage der Initiative gegen das Vergessen mit Fotos aus den Arbeiten gibt einen Überblick.
Geschichtswettbewerb: Die Montage der Initiative gegen das Vergessen mit Fotos aus den Arbeiten gibt einen Überblick. Foto: Anand Anders

„Grabe, wo du stehst.“ Diese Aussage eines schwedischen Literaturhistorikers „ist so etwas wie das Motto der Schweinfurter Initiative gegen das Vergessen“. Ihr Mitglied Johanna Bonengel sagte das am Samstag bei der Preisverleihung für den erstmals ausgeschriebenen Geschichtswettbewerb für junge Menschen in der proppenvollen Rathausdiele. Die fünf Preisträger erhielten Geldpreise der Oskar-Soldmann-Stiftung in Höhe von 1200 Euro.

Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der CSSR am Beispiel seiner Familie war das Thema des Erstplatzierten (500 Euro) Konstantin Schopper (Wettringen) von der BOS/Fischer-Schule. Er sei mit „großer Empathie in die Geschichte seiner Familie eingetaucht“ und habe diese mit dem historischen Hintergrund verknüpft. Den Wert der Arbeit drückt eine weitere Auszeichnung aus: Er hatte sie auch beim Wettbewerb des Bundespräsidenten eingereicht und erhielt einen Förderpreis.

Platz zwei (300 Euro) ging an Destiny Müller (Private Realschule Pelzl). Die erst 14-Jährige recherchierte mit Unterstützung ihrer Tutorin, der Gästeführerin Karla Wiedorfer, die Geschichte des Wohnhauses ihrer Familie „Am Vogelschuss 1.“ Prämiert wurde hier auch die „außergewöhnliche Idee“.

Den dritten Preis teilen sich Kristina Menger und Elena Hofmann (je 150 Euro). Die frischgebackenen Celtis-Abiturientinnen beschäftigten sich mit Briefen. Kristina mit Schriftstücken des Opas während der Zeit als Kriegsgefangener in Russland bis 1948, Elena mit Feldpostbriefen des Uropas Peter, die er an seine Frau Anna nach Hause schrieb. Beide Arbeiten ermöglichen „sensible Einblicke in die Auswirkungen des Krieges auf das einfache Leben der Menschen“, ergänzt durch die historischen Zusammenhänge, so die Jury.

Einen Sonderpreis gab es für die 9 b der Rathenau-Realschule. Die 20 jungen Leute beschäftigte sich in Gruppen mit „Schweinfurt vor 100 Jahren“, beleuchteten dabei unter anderem die Themen Gastarbeiter, Freilaufnabe und Schweinfurter Grün. Alle Preisträger stellten ihre Arbeiten in Kurz-Vorträgen sehr eindrucksvoll selbst vor.

Sprecher Klaus Hofmann erinnerte in seiner Begrüßung an die Entstehung der Initiative 1980, als das Erforschen, Befragen von Zeitzeugen und erste Veröffentlichungen nicht von allen gerne gesehen wurde. „Wir waren Schmuddelkinder, die unbequeme Fragen stellten.“ Für die Forderung, das Willy-Sachs-Stadion umzubenennen, sei man beschimpft, ja verunglimpft worden. Durch die Untersuchungen der Professoren Rott und Dornheim seien aber „alle unsere Argumente bestätigt“.

Die Oskar-Soldmann-Stiftung unterstütze den Geschichtswettbewerb, weil das Projekt „voll und ganz ihren Zielen entspricht“, sagte MdL Kathi Petersen namens der Stiftung. Sie erinnerte auch an Oskars Vater Fritz Soldmann, der 1945 an den Folgen von KZ-Haft gestorben sei. OB Sebastian Remelé merkte in Anspielung auf ein Zitat des einstigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker („Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung“) an, dass dieser Wettbewerb mit den Arbeiten junger Leute einen wichtigen Teil der Erinnerung und Erlösung leiste.

Bonengel zeigte sich von der Zahl und der Qualität der 21 Arbeiten begeistert. Die Auswah fiel der Jury, bestehend aus Alt-OB Kurt Petzold, Uwe Müller (Leiter Stadtarchiv), AvH-Lehrer Philipp Boll und Bonengel, schwer. 111 junge Leute aller Schularten „haben alleine oder im Team gestöbert, geschaut, Spuren gesucht und gefunden“, was Anlass zur Freude sei, so Bonengel.

Es gab für alle eine Urkunde und einen Notizblock samt Stift, um nichts „zu vergessen“. Für die passende Musik sorgten Anton Mangold (Altsaxophon) und Vincent Novacki (Gitarre). Diese Zeitung wird die Preisträger- und einige andere Arbeiten in einer Serie vorstellen.

Die Preisträger: Konstantin Schopper, Johanna Bonengel (Initiative, Projektentwicklung), Kristina Menger, Elena Hofmann, Destiny Müller, Simon Großkopf (9 b Rathenau) und Klaus Hofmann (Initiative).
Die Preisträger: Konstantin Schopper, Johanna Bonengel (Initiative, Projektentwicklung), Kristina Menger, Elena Hofmann, Destiny Müller, Simon Großkopf (9 b Rathenau) und Klaus Hofmann (Initiative). Foto: Anand Anders

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