Schweinfurt

Aus Schweinfurter Altbau wurde ein Plus-Energiehaus

Das Haus von Elisabeth Krempl und Manfred Röder in der Leisler Straße im Stadtteil Steinberg erzeugt deutlich mehr Energie als in den drei Wohnungen verbraucht wird.
Nach Süden sind 35 Quadratmeter Solarkollektoren für Warmwasser und Heizung integriert. Foto: Gerd Landgraf

Schöner Wohnen! Diesen Traum haben sich Elisabeth Krempl und Manfred Röder in der Leislerstraße 43 (Stadtteil Steinberg) erfüllt. Das Haus aus dem Jahr 1955 hatten sie 2012 gekauft. Umbau und Sanierung dauerten drei Jahre. Jetzt leben die beiden in einem Plus-Energiehaus, das mehr Energie erzeugt als verbraucht – allerdings nicht zu jeder Zeit, weswegen in das allgemeine Stromnetz eingespeist und daraus auch abgezapft wird. Ist es im Winter trüb und kalt, wird zusätzlich der Kachelofen angeschürt. Für die zwei Parteien im Haus reichen etwa fünf Ster Holz für die Wohlfühlwärme aus erneuerbaren Energiequellen. 

Die Eigenleistung begann bei der Planung

Die Planung stammte aus der eigenen Feder. Berechnungen und Einbauten – insbesondere der Haustechnik – überließ man den Profis. "Etwas teurer als üblich" sei die Realisierung des Plus-Energiehauses zwar gewesen, doch jetzt könne man sich zurücklehnen, sehe keinen weiteren großen Investitionen mehr, sagt Manfred Röder beim Besuch der Redaktion in der Leislerstraße.    

In die Einzelheiten geht Elisabeth Krempl. Ausgewählt wurden ausschließlich ökologisch unbedenkliche Baustoffe. Und: "Um die Seele des Hauses zu bewahren, wurden möglichst viele Details aufgearbeitet", so Krempl. Was an alten Materialien einst vorhandene Schadstoffe bereits ausgedünstet hatte, blieb möglichst erhalten. Alte Kohle- und E-Nachtspeicheröfen wurden ausgemustert. Von den vier Kaminzügen wird für das zentrale Heizen nur noch einer gebraucht. Zwei Züge sind in die Zu- und Abluft integriert. Die vierte Zug ist mit den Kabeln für die zentrale Stromversorgung bestückt.

Drei Jahre Bauzeit

Beim Umbau der Innenbereiche wurde viel Eigenleistung erbracht, etwa beim Versetzen der Wände. Der Fachmann wurde beim Einbau einer Gaube und eines Balkons im Dachgeschoss gebraucht. Außerdem wurden der Keller freigelegt und die dortigen Wände isoliert, die Sanitärinstallationen und die Elektroinstallationen komplett erneuert, die Holzdielenböden wurden abgeschliffen und neu eingeölt, die Holztüren aufgearbeitet, dreifach verglaste Fenster und zwei Wintergärten eingebaut, der Dachstuhl stabilisiert, das Dach gedämmt (30 Zentimeter Zellulose plus sechs Zentimeter Pavatex), die Außenwände gedämmt (18 Zentimeter Zellulose und 6 Zentimeter Pavatex) und eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Bodenwärmetauscher installiert. Die auch in diesen Tagen so behagliche Wohnatmosphäre sei der guten Dämmung und dem atmenden Wandaufbau zu verdanken, erklärt Röder.

Wohnen und die Umwelt schonen 

Besonders auffällig sind die 35 Quadratmeter Solarkollektoren in der Süd-Fassade (optimaler Einfall der Sonnenstrahlen im Winter, im Sommer keine Überhitzung) für die solare Warmwassererwärmung mit Heizungsunterstützung. Die dazu gehörenden Pufferspeicher (3200 Liter) stehen im Keller. Zuschaltbar ist der zentrale Kachelofen mit Wassertasche (Scheitholzfeuerung oder automatische Pelletfeuerung). Die Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 15 KWpeak ist zum Teil auf der Ost- (1/3) und vor allem auf der Westseite des Daches montiert. Das Gießwasser für den Garten kommt vom Dach und wird in einem ehemaligen Gärbehälter (4000 Liter, zuvor für den Weinausbau genutzt) gesammelt. Auch die extensive Dachbegrünung der Doppelgarage sorgt für einen kaum noch wahrnehmbaren ökologischen Fußabdruck der Hausbesitzer.

Der Strom kommt von den nach Osten und nach Westen gerichteten Dachflächen. Foto: Gerd Landgraf

Für das Jahr 2015 hat Manfred Röder die Erträge dem Verbrauch gegenübergestellt. Die Einspeisung aus den Photovoltaikanlagen ins Netz belief sich auf 11 822 Kilowattstunden. Aus dem Netz wurden 1522 kWh entnommen. Den Energieeinsatz aus Scheitholz und Pellets berechnete Röder auf 9400 Kilowattstunden, was unter dem Strich einem Überschuss von 900 Kilowattstunden entspricht.

Nach der Anschaffung eines Plug-In-Hybrid-Elektroautos fällt jetzt die Umweltbilanz noch positiver aus. Von der Einspeisung ins Netz verbleibt immer noch viel "Sonnenstrom" für den Akku des fahrbaren Untersatzes. Damit ist das Haus von Elisabeth Krempl und Manfred Röder auch ein Vorzeigeobjekt für die künftig umzusetzende Kopplung der drei Sektoren Mobilität, Wärme- und Stromerzeugung.     

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