SCHWEINFURT

Badeunfälle: Im Wasser lauert auch Gefahr

Baden ist nicht ungefährlich: Die Rettungskräfte von DLRG und Wasserwacht üben, um bei Unfällen helfen zu können.Foto: Fuchs-Mauder

Laut einer Statistik der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) sind in Deutschland im vergangenen Jahr 383 Menschen ertrunken, die meisten davon in Seen und Teichen. Angesichts des heißen Sommers 2013 dürfte sich diese Zahl für heuer leicht erhöhen. Am Baggersee in Schweinfurt ertrank am 10. August ein 26-Jähriger. Wenig später war es nur dem beherzten Eingreifen von drei jungen Männern zu verdanken, dass es nicht zu einem weiteren tödlichen Badeunfall kam. „Die Leute unterschätzen die Gefahren“, meint der Vorsitzende des Ortsverbandes der DLRG Gochsheim, Georg Löhner.

Dies unterstreicht auch eine Pressemitteilung der DLRG, in der „Leichtsinn, Übermut, schlechte Schwimmfähigkeit, Selbstüberschätzung und Unkenntnis über mögliche Gefahren sowie Alkohol“ als die häufigsten Ursachen für Badeunfälle benannt werden.

Während die DLRG an den Sommerwochenenden den Grafenrheinfelder Badesee bewacht, übernimmt die Wasserwacht diesen Dienst am Schweinfurter Baggersee. Immer wieder wird bemängelt, dass eine solche Bewachung nur an den Wochenenden stattfindet. Aber, so Eva Warmuth, die Vorsitzende der Wasserwacht Schweinfurt, man mache das doch ehrenamtlich. „Unter der Woche geht das nicht, da müssen unsere Leute ja arbeiten“, erklärt sie.

Warmuth weist auch darauf hin, dass Todesfälle im Wasser völlig unterschiedliche Ursachen haben können. „Wenn jemand am Ertrinken ist, bekommt das jeder mit; der schlägt um sich und sucht Halt“, erklärt sie. Aber es gibt auch den sogenannten Badetod: Jemand wird bewusstlos und geht unter. So geschehen am 10. August am Schweinfurter Baggersee. Auch wenn die DLRG-Statistik feststellt, dass über die Hälfte der Ertrunkenen älter als 50 Jahre war, kann ein tödlicher Badeunfall ebenso junge Menschen treffen.

Warnung vor Alkoholgenuss

Durch die Anstrengung beim Schwimmen wird vermehrt Sauerstoff verbraucht, so geschieht im Kreislauf eine Umverteilung, erklärt Notarzt Dr. Anton Götschl. Das sei ein Grund, der zur Bewusstlosigkeit führen könne, erklärt der Arzt. Deswegen solle man ja auch nicht mit vollem Bauch ins Wasser, weil dann der Verdauungstrakt zu viel Blut vom Kreislauf nimmt. Auch Alkohol führe durch seine gefäßerweiternde Wirkung zu einer Umverteilung des Blutvolumens, weshalb die Rettungsdienste nicht müde würden, vor dem Schwimmen nach Alkoholkonsum zu warnen. Aber auch Herzrhythmusstörungen oder oft lange unerkannte Vorerkrankungen des Herzens führen zu Ohnmacht und Bewusstlosigkeit. Das geschieht nicht nur im Wasser, weiß Götschl, aber wer im Wasser bewusstlos wird, der geht unter wie ein Stein.

Götschl erinnert sich an zwei Badeunfälle, zu denen er gerufen wurde. Einmal ertrank ein vierjähriges Kind, ein andermal reanimierte er einen 40-Jährigen, der aber dann nicht mehr aus dem Koma erwachte. „Drei Minuten Sauerstoffmangel im Gehirn genügen, um bleibende Schäden zu hinterlassen“, erklärt der Notarzt. Das macht die Rettung bei einem Badeunfall extrem schwer. „Was sind schon drei Minuten im Freien?“, fragt Götschl. Bis die Rettungsleitstelle die Wasserrettungszüge alarmiert und diese angerückt sind, vergehen in der Regel jedenfalls mehr als drei Minuten. Wenn man vor Ort sei, wisse man häufig, dass es sich nicht mehr um eine Rettung, sondern um eine Totenbergung handle, sagt Löhner. Das ist auch für die Rettungskräfte kein leichter Job. Thomas Stadler, lange hauptberuflich als Rettungsassistent bei der Wasserwacht, weiß aber, dass man als Profi entsprechend vorbereitet ist und im Einsatz einen Schritt nach dem anderen tut. Erst hinterher geht einem dann doch manches an die Nieren, aber auch hier sei man gut aufgefangen. Es gebe immer Fachleute, die man ansprechen könne, und auch im Team werde vieles aufgearbeitet.

Bei den Ehrenamtlichen werde seit Jahren versucht, ein flächendeckendes Betreuungssystem für solche Fälle einzuführen, erklärt Löhner; in der DLRG gebe es Stellen, die unterstützen, betont er. Dennoch ist es ihm wichtig, vor Ort die jungen Leute erst einmal aus dem direkten Kontakt mit den Verunfallten rauszuhalten. „Die können das Ufer absuchen und Leute befragen“, meint er. Der Notfalleinsatz hänge ja auch von der Qualifikation ab und die sei meist auch altersabhängig, erklärt er.

Alte Regeln ernst nehmen

Was jetzt aber tun, wenn wirklich etwas passiert? „Vor allem Ruhe bewahren“ rät Löhner, wenn möglich den anderen auf dem Wasser treiben lassen und nach Hilfe rufen. Auf sich aufmerksam machen und möglichst schnell Hilfe holen ist auch für Warmuth die erste Reaktion. Gute Schwimmer könnten auch abtauchen und den Ertrinkenden nach oben holen. Alle aber sollten sich die Unfallstelle gut einprägen, um so den Rettungskräften die Arbeit zu erleichtern.

In einem sind sich alle Befragten einig: Man sollte die guten alten Baderegeln wieder ernst nehmen, damit es gar nicht so weit kommt.

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