Schweinfurt

Bäuerin oder Unternehmerin? Wie sich das Leben verändert hat

Über das Leben der Bäuerinnen früher und heute unterhielten sich von links Franziska Klenkert, Erna Böhm, Beate Loos, Gerlinde Seifert und Moderatorin Renate Käser. Foto: Ursula Lux

Mit den Lebenserinnerungen der Bäuerin Anna Wimschneider, die diese in ihrer autobiographischen Erzählung Herbstmilch aufgeschrieben hat, begann ein Gesprächsabend im Schweinfurter Landratsamt. Und: "Das Leben einer Bäuerin gestern und heute" hätte man nicht eindrucksvoller eröffnen können als mit der Verfilmung dieser Lebensgeschichte.

Herbstmilch sei "ein Buch, das an Authentizität kaum zu übertreffen ist", erklärte Landrat Florian Töpper in seiner Begrüßung. Mit diesem Gesprächsabend wolle man zeigen, wie wichtig die Landwirtschaft heute ist und vor allem, welche wichtige Rolle gerade die Frauen in den Betrieben spielten. Es war die Gleichstellungsstelle mit Ute Suckfüll an der Spitze, die diesen gut besuchten Abend im Sitzungssaal des Landratsamtes initiierte.

Anna Wimschneider wurde als viertes von neun Kindern in Niederbayern geboren. Sie war acht Jahre alt, als die Mutter im Kindbett starb und ihre Kindheit endete. Schonungslos offen, aber ohne Groll, beschreibt sie die schwere Arbeit am Hof, ebenso wie ihre Liebe zu Albert Wimschneider, den sie mit 20 Jahren geheiratet hat, nur um auf dessen Hof noch schwerer zu arbeiten und von einer eifersüchtigen Schwiegermutter tyrannisiert zu werden. Ihr Mann musste kurz nach der Hochzeit in den Krieg ziehen. Der Film fing dieses harte Leben in eindrucksvollen Bildern ein.

Frauen erzählen aus ihrem Leben – und von ganz unterschiedlichen Erfahrungen

Renate Käser stellte anschließend ihre Diskussionsteilnehmerinnen vor. Gerlinde Seifert (80), die von sich sagte, sie sei "in eine gute Zeit hineingewachsen". Sie kam aus der Landwirtschaft und hat wieder einen Bauern geheiratet –  in einer Zeit, "in der man gut von der Landwirtschaft leben konnte". Erna Böhm (81) hatte da ganz andere Erfahrungen. Die Familie war heimatvertrieben, der Vater verdingte sich als Knecht, bevor ein eigener Hof gepachtet wurde, "um nicht mehr hungern zu müssen". "Wir haben nur fürs Essen gearbeitet", erzählt sie und kann das Leben der Anna Wimschneider in vielen Teilen nachempfinden.

Beate Loos (61) war eigentlich Erzieherin, bevor sie einen Landwirt heiratete. Ihr Mann sei immer stolz darauf gewesen, Bauer zu sein, erzählt sie. Auch als sich die Familie ganz auf den Weinbau spezialisiert hat, habe er sich eher als Weinbauer, denn als Winzer gesehen. Franziska Klenkert (27) dagegen findet den Begriff "Bäuerin" heute nicht mehr zeitgemäß. Sie führt den Hof der Eltern und sieht sich als Unternehmerin, die zwar mit der Natur lebe, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich denken müsse.

Erna Böhm beschreibt den Bauernhof von früher: "Wir hatten alles – Hühner, Hasen, Felder – und waren glücklich, als wir in den 1960er Jahren einen Elektroherd und später eine Waschmaschine bekamen." Der erste Schlepper hatte schon 16 PS. Der kleine Schlepper von Klenkert hat heute 75 PS und der große 220 PS. In den 1960er Jahren  bauten die Seiferts ihren Aussiedlerhof mit Milchwirtschaft und die Frau wurde – ebenso wie Böhm – zur Kreisbäuerin gewählt. "Eine schöne Zeit, auch wenn mein Mann sagte, "ich sei immer draußen und er muss die Arbeit machen", erzählt sie.

Wo steht die Landwirtschaft in 25 Jahren?

Obwohl Beate Loos nach dem dritten von vier Kindern ihren Beruf aufgegeben und ganz in den Hof ihres Mannes eingestiegen ist, kam sie erst durch ihren Auftritt in der Sendereihe "Landfrauen-Küche" wirklich an, wurde "von der Quereinsteigerin zur Ortsbäuerin". Auch wenn Klenkert das Rübenhacken durchaus noch von ihrer Kindheit kennt, hat sie heute durchaus auch einmal die Möglichkeit für freie Tage oder Urlaub. Durch die Unterstützung der Eltern kann sie sich die Zeit einteilen.

Und wo steht die Landwirtschaft in 25 Jahren?, fragt Käser. "Ich hoffe, dass es sie dann überhaupt noch gibt", antwortet Klenkert. Vielleicht hätten die Menschen dann wieder gelernt, mehr aufeinander zu zugehen, hofft Seifert und Böhm wünscht sich, dass Lebensmittel dann wieder mehr wertgeschätzt würden als heute. Für Loos gehört zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft vor allem der bewusste Umgang mit der Ressource Boden und der Landrat meinte zu Abschluss, dass die die Zukunft der Landwirtschaft letztlich "eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung" sei.

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