Schweinfurt

Barbier von Sevilla: Biederer Start, rauschendes Finale

Witzig, rasant, aber zunächst mit Startschwierigkeiten: Der Barbier von Sevilla in der Interpretation der Kammeroper Prag im Schweinfurter Theater. Foto: c: artandartist

„Der Barbier von Sevilla“ gilt in der Operngeschichte als das Meisterwerk des italienischen Komponisten Gioacchino Rossini. Entstanden als Auftragswerk für die Karnevalssaison 1816 in Rom und dort am 20. Februar 1816 unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt war die Premierenvorstellung ein Misserfolg; gleichwohl begann in den folgenden Vorstellungen der Siegeszug dieses unverschämt witzigen und rasanten „dramma comico“. Eine komische Oper, die bis heute fester und beim Publikum beliebter Bestandteil aller Musiktheaterspielpläne ist.

In der Region war „Der Barbier von Sevilla“ nach dem Schweinfurt Gastspiel mit der „Sparversion“ der Kammeroper München im Dezember 2017 zuletzt im Frühjahr 2018 in der Inszenierung von Intendant Markus Trabusch am Würzburger Mainfrankentheater zu sehen, ehe jetzt der Schweinfurter Theaterleiter Christian Kreppel das Werk in der Interpretation der Kammeroper Prag  als Ersatz für das ausgefallene Gastspiel der chinesischen Oper „Monkey King“ kurzfristig auf den Spielplan setzte. Ob es an dieser Kurzfristigkeit oder an unzulänglicher Kommunikation lag, dass das Schweinfurter Theater am Premierenabend höchstens zur Hälfte besetzt war?

Historische Inszenierung

An der historierisierenden Inszenierung, an der musikalischen Leitung und den Künstlern auf der Bühne kann es nicht gelegen haben, auch wenn der Abend etwas verhalten, in den Anfangsmomenten sogar durchaus zäh beginnt.  Das Orchester unter der Leitung von Norbert Baxa sucht zunächst nach dem zu Rossini passenden Tempo, die Sänger gelegentlich den entsprechenden Rhythmus und alle zusammen nach dem Esprit und Witz, den Rossini doch geradezu vorbildlich aus der Tradition der Commedia dell´arte in das Operngenre übertragen hat.

Doch all das, was zunächst bieder, hölzern, mitunter sogar statisch wirkt, wird nach einer halben Stunde, befeuert von Rossinis vorwärtsdrängender Musik zu einem sich mehr und mehr ins Rauschhafte steigernden Abend, der auch das Publikum mitzieht. Denn natürlich sind uns Rossinis Figuren bestens bekannt - als Typen der Stegreifkomödie wie der alte Kaufmann Pantalone (bei Rossini: der Arzt Bartolo), der Strippen-ziehende Diener Arlecchino (Figaro) oder das Liebespaar (Rosina und Graf Almaviva) und auch aus dem echten Leben.

Anarchische Lust am Spiel entwickelt

Ganz allmählich befreien sich alle Mitwirkenden aus ihrer anfänglichen Befangenheit und entwickeln jene anarchische Lust am Spiel und der (gesungenen) Sprache, die Rossinis Oper braucht, um ihre Komik voll entfalten zu können. Am besten gelingt das am Schweinfurter Premierenabend Lucie Silkenová (als Rosina) und Pavel Klecka (als deren liebestoller Vormund Dr. Bartolo), die sowohl darstellerisch als auch gesanglich die tragikomischen Züge ihre Figuren vollkommen zum Klingen bringen.

Spielerisch nicht so ganz mithalten gegenüber den beiden können Robert Remeselnik (als Graf Almaviva, dem man den jugendlichen Liebhaber nur bedingt abnimmt) und Jakub Tolas (als Figaro, der als Strippen-Zieher des verwirrenden Geschehens etwas wenig Präsenz zeigt). Doch im zweiten Akt fügen sich alle Solisten in die unwiderstehlichen Melodien Rossinis ein und führen den „Barbier von Sevilla“ zu einem gelungenen Finale. Eine weitere Vorstellung findet am 25. Oktober statt, dann mit Jiri Kubik als Figaro. Karten: Tel. (09721) 514 955.

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