SCHWEINFURT

Barmherzigkeit fordern Koran und Bibel gleichermaßen

Im Dialog: Beim Tag der offenen Moscheen (von links) die Prodialogbeauftragte Inayer Azgin, Imam Ömer Dumrul und Martin ... Foto: Laszlo Ruppert

Am Montag, dem Tag der deutschen Einheit, haben die Schweinfurter Muslime zum Besuch ihrer Moscheen eingeladen. Seit 1997 ist dieser Feiertag auch der „Tag der offenen Moscheen“. Nicht-Muslime können sich über die Grundlagen des Islam informieren lassen und mit ihren muslimischen Nachbarn und Mitbürgern – die in Schweinfurt meist türkischer Herkunft sind – ins Gespräch kommen.

Mit ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft haben diese ihre deutschen Gäste empfangen, Tee serviert und ihre Fragen beantwortet. Über etwas mehr Interessenten hätten sich die Gastgeber wohl gefreut, denn je mehr sich informieren, um so kleiner können Schranken und Vorurteile werden. Die größte Moschee der Stadt – Ditib in der Wirsingstraße – besuchten gut 100 Deutsche. Einige von ihnen konnten auch eines der fünf Gebete, die ein gläubiger Moslem jeden Tag verrichten soll, beobachten.

Die Gäste fragen, was immer sie interessiert hat: Warum Frauen und Männer in getrennten Räumen beten – weil das Gebet nicht durch sexuelle Reize gestört werden soll; ob es wie im Christentum Beichte und Taufe gibt – gibt es nicht; ob der Koran das Kopftuch vorschreibt – an zwei Stellen befehle es der Koran, heißt es in der Ditib-Moschee, dies sei eine Frage der persönlichen Einstellung in der Milli-Görüs-Moschee; ob ein islamischer Geistlicher heiraten darf – er darf. Imam Ömer Dumrul (Ditib) ist verheiratet.

Dann: „Jihad“ – der Begriff, den Nicht-Muslime meist mit „heiligem Krieg“ gegen „Ungläubige“ gleichsetzen. Jihad, sagt Mustafa Akin (Milli Görüs), bedeutet vor allem Anstrengung bis zur Überanstrengung, Kampf des Gläubigen gegen schlechte innere Triebe, das schlechte Ego. Die Lehre Mohammeds stelle die guten Taten eines Menschen in den Vordergrund; je mehr er anderen hilft und Gutes tut, ums so gottgefälliger lebt er. Nächstenliebe und -hilfe ist auch ein Pfeiler des Christentums.

„Der Islam dient dem Frieden“, sagt Imam Ömer Dumrul, er kenne nur einen Schöpfer. Und: Mord könne mit dem islamischen Glauben ie gerechtfertigt werden. „Wer einen Menschen umbringt, tötet die ganze Welt“, heiße es im Koran.

Vor nur vier Interessenten erläutert Mustafa Akin am Nachmittag in der Milli-Görüs-Moschee die Funktion des Gebets: Der Mensch kann sich dabei dem Alltag entziehen und nach dem Gebet, mit geöffneten Händen Gott auch seine ganz persönlichen Sorgen, Nöte und Wünsche mitteilen. Ramadan – das Fasten, der Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr – diene der Bewusstwerdung der Gläubigen, dass es nicht selbstverständlich sei, zu jeder Zeit etwas zum essen und trinken zu haben. Wesentlich sei im Islam aber die innere Haltung, der Charakter: „Ein Mensch kann fasten, beten, nach Mekka pilgern, so oft er will – wenn seine Taten dem geist des Korans nicht entsprechen, wird ihm dies alles nichts helfen.“

Das Motto des diesjährigen Tages der offenen Moscheen – es ist bereits der 15. – lautete „Mohammed – Prophet der Barmherzigkeit“. Diese geforderte Eigenschaft stellt den Altruismus in der Vordergrund und schlägt sich in einer einfachen Regel nieder: „Allah wird sich desjenigen nicht erbarmen, bei dem die Menschen kein Erbarmen finden.“

Die Ditib-Moschee hat dem Moscheen-Tag traditionelle mit einem Fest verbunden. Draußen waren Essensstände aufgebaut, eine Hüpfburg, es wurde ausgiebig gefeiert – auch zum Wohle der Moschee. Eine Kirchensteuer kennt der Islam nicht, die Gläubigen müssen für ihre religiösen Stätten selbst aufkommen, und der Erlös der Veranstaltung kommt der Gemeinde zugute.

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