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„Bau für die Ewigkeit“ wird nach weniger als 40 Jahren abgerissen

Kleiner Betonblock – großer Aufwand: Als größere Operation erwies sich beim Abriss des Kindergartens St. Regiswind jetzt die Bergung des Grundsteins mit dem dahinterliegenden Dokumenten-Fach.
Kleiner Betonblock – großer Aufwand: Als größere Operation erwies sich beim Abriss des Kindergartens St. Regiswind jetzt die Bergung des Grundsteins mit dem dahinterliegenden Dokumenten-Fach. Foto: Norbert Vollmann

Kleiner Betonblock, große Operation – so könnte man die Bergung des Grundsteins und dem dahinter befindlichen Fach für den Kindergarten St. Regiswind mit den darin seinerzeit hinterlegten verschiedenen Dokumenten im Zuge der Abrissarbeiten umschreiben. Denn das Unternehmen gestaltete sich trotz der für das Sägen des Betons hinzugezogenen Spezialfirma dann doch nicht ganz so einfach und zieht sich länger hin als angenommen.

Noch weitere Einschnitte

Vor allem musste darauf geachtet werden, die Dokumente nicht der Gefahr der Beschädigung durch das zur Kühlung des riesigen Diamant-Schneideblatts als auch zur Bindung des Staubs eingesetzten Wassers auszusetzen. Als dann schließlich der Block mit dem Grundstein vom Rest getrennt war, konnte das ausgesparte Fach mit der darin vermuteten Metallschatulle immer noch nicht geöffnet werden. Hier bedarf es buchstäblich noch weiterer Einschnitte mit der Betonsäge oder zumindest mit der Flex
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Grundsteinbergung am Kindergarten St. Regiswind

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In der Metallhülse sollen sich Tageszeitungen, die damals noch gültigen Mark- und Pfennigmünzen, Urkunden und auch eine Ausgabe des Gotteslobs befinden. Letztendlich Aufschluss darüber wird die nun bevorstehende Öffnung geben. Für Walter Frico und Franz Stephan war die Bergung des Grundsteins ein ganz besonderer, mit einer gewissen Wehmut verbundener Moment. Beide gehörten damals schon der Kirchenverwaltung an, als der Grundstein 1974 gelegt und das Fach mit den für die Nachwelt zusammengestellten Dokumenten aus jener Zeit verschlossen wurde.

Franz Stephan: „Es ist schon ein komisches Gefühl, noch beim Bau dabei gewesen zu sein und jetzt den Abriss mitzuerleben. Da haucht einen schon in gewisser Weise die Kurzlebigkeit der Dinge an.“ Damals hatte natürlich niemand daran gedacht, dass der niegelnagelneue Kindergarten zwischen Wilhelm-Busch- und Rot-Kreuz-Weg, keine 40 Jahre später schon wieder einem neuen Neubau weichen könnte.

Und auch die Baufirma, die damals die Fundamente legte, sparte nicht mit Beton und baute eher „für die Ewigkeit“, wie der Chef der gleichnamigen Bergrheinfelder Abbruchfirma, Klaus Fleischhauer, bestätigte. Statt der angenommenen 80 Zentimeter seien die Fundamente bis zu zwei Meter tief und noch dazu sehr massiv gebaut gewesen. „Echt deutsche Wertarbeit“, bescheinigte Fleischhauer der damaligen Firma.

Inzwischen sind vom Betonbunker aber nur noch Reste übrig geblieben und auch der Kellerraum, in dem Generationen von Krabbelgruppen buchstäblich groß geworden sind, ist bis auf die inneren Außenmauern freigelegt. Ansonsten ist das komplette Gebäude inzwischen weitgehend dem Erdboden gleich gemacht. Während der Bauarbeiten besuchten übrigens die Kindergartenkinder immer wieder mal ihren „alten“ Kindergarten, um festzustellen zu müssen, dass hier mal die Mäuschen- und dort die Käfer-Gruppe verschwunden ist. Gemeint war damit natürlich nicht die ganze Gruppe, sondern der entsprechende abgerissene Gruppenraum.

1974 als der Grundstein für den Kindergarten St. Regiswind gelegt wurde, konnte Deutschland übrigens den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land feiern. In Deutschland trat Bundeskanzler Willy Brandt wegen der Guillaume-Affäre zurück, in den Vereinigten Staaten von Amerika Präsident Richard Nixon wegen der Watergate-Affäre. Die schwedische Popgruppe „Abba“ gewann mit dem Song „Waterloo“ den Gand Prix d'Eurovision de la Chanson.

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