Sennfeld

Bauherr muss teilweise zurückbauen

Zweiter Bürgermeister Helmut Heimrich spricht von einer "traurigen Angelegenheit"
Um zwei Meter muss das Obergeschoss dieses Rohbaus in Sennfeld an der Seite zum linken Nachbarn hin zurückgebaut werden.
Um zwei Meter muss das Obergeschoss dieses Rohbaus in Sennfeld an der Seite zum linken Nachbarn hin zurückgebaut werden. Foto: Silvia Eidel

Warum muss eine junge Familie den Rohbau ihres kleinen Hauses gut zweieinhalb Jahre ruhen lassen und ihn dann im Obergeschoss um zwei Meter zurückbauen? Zum veränderten Bauplan mit merkwürdiger Ansicht gab der Gemeinderat Sennfeld in der jüngsten Sitzung zwar seinen Segen. Aber zweiter Bürgermeister Helmut Heimrich bezeichnete das Gebäude deutlich als "ein Mahnmal dafür, dass auf nachbarschaftliche Gutmütigkeit keine Rücksicht genommen wird".

Zu Beginn dieses Tagungsordnungspunktes verließ Gemeinderat Holger Merz seinen Platz; er war wegen persönlicher Beteiligung von der Beratung und Abstimmung ausgenommen. Das Bauprojekt ist nach Recherchen dieser Redaktion schon länger Dorfgespräch in Sennfeld. Sichtbar steht der Rohbau an der Straße Am Breiten Rain 94, Fenster und Türen sind eingebaut, ansonsten gibt es keine Bautätigkeit.

Im März 2017 hatten zunächst der Gemeinderat und im Mai dann das Landratsamt dem Bauvorhaben zugestimmt. Denn der Neubau war gemäß des gültigen Bebauungsplanes aufgestellt, der dort eine Grenzbebauung vorsieht. Eine Befreiung davon hatte aber etliche Jahre zuvor der Besitzer des Nachbargrundstücks von der Gemeinde erhalten; er rückte sein Haus weg von der Grenze und baute in seine Giebelseite auch Fenster ein.

Zugestimmt hatte damals auch der Besitzer des zu dieser Zeit noch unbebauten Grundstücks daneben, der Großvater der heutigen Bauherren, im Vertrauen darauf, dass ihm daraus kein Nachteil erwächst, wie Heimrich später auf Nachfrage der Redaktion nach der Bedeutung seiner Worte in der Ratssitzung erklärte.

Nach der Entscheidung der Genehmigungsbehörde hatte der Nachbar des aktuellen Rohbaus den Rechtsweg beschritten. Er war mit dessen Grenzbebauung nicht einverstanden. Inzwischen hatten aber die jungen Bauherren den Rohbau bereits gemäß Bebauungsplan und genehmigtem Bauplan erstellt. Er steht heute wenige Meter vom Haus des Nachbarn entfernt, aber ohne Fenster in der Giebelseite. Der Bau wurde aufgrund der Klage eingestellt.

Wie Bürgermeister Oliver Schulze in der Gemeinderatssitzung darstellte, kam es im Rahmen eines Güterichterverfahrens nach zwei Terminen, an denen auch er teilnahm, im November 2018 zu einer Vereinbarung. Umgesetzt wurde sie von den jungen Bauherren mit dem nun vorliegenden Umbau-Plan, den sie bei der Gemeinde zur Genehmigung einreichten und den sie umsetzen wollen. Kurz zuvor hatten die Anwälte des klagenden Nachbarn dessen Zustimmung dazu beim Verwaltungsgericht Würzburg erklärt.

Laut der Vereinbarung und laut Änderungsplanung bleibt das Gebäude Am Breiten Rain 94 im Erdgeschoss bestehen, so Schulze. Im Obergeschoss muss die nördliche Grenzmauer einschließlich Giebelmauer mit Dachgeschoss und Dach hin zum Anwesen Nummer 96 abgerissen und um zwei Meter Richtung Süden zurückversetzt werden. Was das Raumangebot des knapp zehn Meter tiefen Hauses verkleinert. Kosten dürfte dieser Rückbau nach Recherchen der Redaktion mehrere zehntausend Euro. Die Ansicht auf dem Bauplan ähnelte einem abgeschnittenen, schmalen Haus mit nicht nutzbarem Balkon auf dem Erdgeschoss.

Nach Schulzes Ausführungen herrschte eine Zeitlang absolute Stille im Sennfelder Sitzungssaal. Als einziger bezog dann zweiter Bürgermeister Helmut Heimrich Position. Es sei eine "traurige Angelegenheit" und "sehr bedauerlich". Wäre so ein Bauplan von vorneherein eingereicht worden, wäre er aus städtebaulicher Sicht nicht genehmigungsfähig gewesen. Jetzt aber signalisiere er selbst Zustimmung, "um den Ruin der Bauherren zu verhindern". Diese äußerten auf Nachfrage der Redaktion, dass sie keine Auskunft geben wollen und können.

Die Bauherren, so Heimrich, hätten darauf vertraut, dass die Zustimmung zum früheren Abrücken des klagenden Nachbarn ihnen nicht zum Nachteil werde. "Er hat sich einen Vorteil gesichert, ihr Vertrauen ist ausgenutzt worden", sagte er später auf Nachfrage der Redaktion. "Mir tun die jungen Leute leid." Diese müssen sowieso schon ihr aktuelles Wohnen als auch den Neubau finanzieren und hätten doppelte Belastung.

Auch Bürgermeister Schulze äußerte in der Sitzung, er "hoffe, dass so etwas einmalig bleibt". Auf Nachfrage von Gerold Schömig, jetzt sei aber doch ein Kompromiss erreicht, meinte Schulze: "Es gab zwei Schiedstermine am Verwaltungsgericht. Nennen wir es Kompromiss." Auf spätere Nachfrage der Redaktion sagte er, zu Interna dürfe er keine Auskunft geben.

Einstimmig war der Gemeinderat schließlich mit dem Rückbau des Obergeschosses und Daches einverstanden. Jetzt muss noch das Landratsamt zustimmen.

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