SCHWEINFURT

Beeindruckende Detailarbeit

Zufrieden nach der Deutschland-Premiere: (v.l.) Henning Kleist (Modelling/Animation), Stephan Mittelstraß (Drehbuch) und Produzent und Autor Jürgen Kaiser aus Schweinfurt freuten sich, dass ihr Star-Trek-Fanfilm in Stop-Motion-Technik beim Publikum ankam. Foto: Oliver Schikora

Den Applaus hatte sich Jürgen Kaiser wahrlich mehr als verdient. Kaum war die letzte Sequenz seines Fanfilms „Star Trek Enterprise II – Der Anfang vom Ende“ bei der Deutschland-Premiere im Weltbio-Kino am Freitagabend vorbei, klatschten die rund 80 Zuschauer. Sie beklatschten den Film, aber auch eine fast schon Lebensleistung zu nennende Aufgabe, die Jürgen Kaiser mit seinem Team gemeistert hat. Denn bis sein Film endlich gezeigt werden konnte, vergingen acht Jahre.

Langwierige Arbeit

Das lag sicher nicht daran, dass es zickige Schauspieler, Finanzierungsprobleme oder andere Schwierigkeiten gegeben hätte. Es lag vor allem daran, dass der 35 Jahre alte Schweinfurter ein Perfektionist ist. Und daran, dass sein Film nicht einfach nur ein Film ist, sondern in Stop-Motion-Technik gedreht und mit beeindruckenden Animationen und visuellen Effekten aufgepeppt wurde. Jürgen Kaiser ließ 18 Zentimeter hohe Star-Trek-Action-Figuren in einem eigens von ihm gebauten Setting zum Leben erwecken und kreierte einen einstündigen Film, der nicht nur Fans der Weltraumserie unterhält. Und vor allem: Es ist weit mehr als ein bisschen Wallace and Gromit, die großen Pioniere der Stop-Motion-Technik ins Weltall zu beamen.

Detailverliebt

In detailverliebter Kleinarbeit bastelte Kaiser unter anderem die Krankenstation, den Maschinenraum und die Brücke des Raumschiffs Enterprise nach. An jedem Modell arbeitete er rund zwei Monate. „Ich bin total penibel und genau“, erklärt Kaiser. „Wenn ich was mache, dann richtig.“ Im Film sieht man das sofort, er ist natürlich nicht realistisch wie die Originale, aber er wirkt auch in keiner Weise provinziell. Mit Schaschlikstäben baute Kaiser zum Beispiel ein Geländer nach, damit die Schatten realistisch fallen. Am schwierigsten waren runde Objekte, wie der Warp-Kern im Maschinenraum. Wegen des „blöden Design“ baute er das Teil mit Gips und schliff es bis es passte.

Bei anderen Projektteilen holte sich Kaiser Hilfe, wie bei den Animationen durch einen Profi, der zu Sonderkonditionen arbeitete. Auch die professionellen Synchronsprecher tun den Figuren gut, ein Komponist erstellte die Filmmusik. Zusammen mit Stefan Mittelstraß schrieb Kaiser das 53-seitige Drehbuch. „Wir wollen ernst genommen werden, das ist keine Parodie“, so der Messfacharbeiter. Ein eingefleischter Star-Trek-Fan ist er im übrigen gar nicht, er fand die Serie gut und fand es schade, als sie 2005 eingestellt wurde.

Damals machte er seinen ersten Fanfilm, „Zeitspiegel“, der 2008 schon gut in der Fanszene ankam. Die damals geäußerte Kritik – sie kann von echten Trekkies durchaus lange, detailverliebt und nachhaltig geäußert werden – nahm sich Kaiser zu Herzen und kreierte nun einen Film in HD-Qualität, bei dem man nur noch staunen kann.

30 Fotos für eine Sekunde Film

Gekostet hat ihn das Projekt den Wert eines Kleinwagens, Spenden darf er aber nicht annehmen, denn nur so wird das Projekt vom Rechteinhaber der Star-Trek-Marke, dem Filmstudio Paramount, geduldet. 220 Drehtage hatte Kaiser, er fotografierte die Szenen mit einer Spiegelreflexkamera. Bei der Stop-Motion-Technik werden bis zu 30 aneinandergereihte Einzelbilder fotografiert und bilden eine Sekunde Film. Millimeter für Millimeter verschiebt Kaiser seine Schauspieler, um daraus eine flüssige Bewegung entstehen zu lassen. Bei Dialogen werden auch die Münder bewegt dank der Bearbeitung am Computer. Eine Sekunde Film verschlang rund eine Stunde Drehzeit.

Die Geschichte des aktuellen Films knüpft an den Vorgänger von 2008 an. Nachdem die Enterprise und ihre Crew ein Abenteuer in einem Paralleluniversum durchstanden, finden sie die Galaxis verwüstet vor. Überall fliegen nach einer großen Schlacht Trümmer umher, die Erde meldet sich nicht auf die Kontaktversuche. Zu viel soll nicht verraten werden, schließlich wird der Film ab 19. Juni auf Youtube zu sehen sein. Doch der Versuch der kybernetischen Lebensform, die Menschheit zu vernichten, scheitert. Es gibt eine kleine Liebesgeschichte, Kapitän Jonathan Archer ist am Ende der Held und wie alle Trekkies schon immer wussten: Ohne Kapitän Kirk und den guten alten Spock wäre die Welt schon längst verloren.

Weltpremiere des einstündigen Werks war übrigens vor wenigen Wochen auf der FedCon in Bonn, laut Veranstalter die größte Star-Trek-Messe Europas. Und auch da gab es, was sich Jürgen Kaiser und sein Team redlich verdient haben: Jede Menge Applaus.

So schauen sie aus: Star-Trek-Fans wissen wie ähnlich die 18 Zentimeter hohen Action-Figuren mit beweglichen Gliedmaßen ... Foto: Jürgen Kaiser

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