Schraudenbach

Begeisterte Badegäste

Besucherboom: Die meisten Besucher wurden am vorletzten Wochenende gezählt.
Besucherboom: Die meisten Besucher wurden am vorletzten Wochenende gezählt. Foto: Uwe Eichler

Sie leuchtet, schimmert in einem hellen Karibikblau, das man nicht unbedingt mitten in fränkischen Fluren erwarten würde: Die „Wellnessoase“ der Marktgemeinde Werneck, am Ortsausgang von Schraudenbach Richtung Schwebenried. Fast zehn Jahre ist es nun her, dass das einzige Freibad einer Schweinfurter Landkreisgemeinde (mit Ausnahme des Geomaris) vor der Schließung gerettet und von Grund auf saniert worden ist.

Im Hitzesommer 2015 gab es nun einen rekordverdächtigen Ansturm aufs „Freibad 2.0“, mit dessen Umbau 2006 begonnen worden ist. Im Jahr zuvor hatte der Fortbestand des Schraudenbacher „Swimming Pools für Jedermann“ noch auf der Kippe gestanden, aufgrund von Beschwerden des Gesundheitsamts: „Halogenmethane haben da eine Rolle gespielt“, erinnert sich Ewald Öftring, der als ehemaliger Gemeinderat seine schützende Hand über das Freizeit-Angebot gehalten hat und immer noch hält. Seinerzeit ging es um chemische Nebenprodukte des gechlorten Wassers, die als gesundheitsschädlich gelten. Filter und Umwälzpumpe gab es ebenfalls nicht, auch die schrägen Betonwände wurden als gefährlich moniert.

Kommunalpolitische Wasserschlacht

Kreisrat Öftring, heute Freier Wähler, erinnert sich an die daraufhin folgende, heftige kommunalpolitische Wasserschlacht. Die Marktgemeinde hatte die teure Sanierung zunächst nicht übernehmen wollen, unter Verweis auf ein geplantes Museum. Öftring initiierte ein Bürgerbegehren, das mit 76 Prozent pro Freibad-Erhalt ziemlich eindeutig ausging: „Eigentlich stand ganz Schraudenbach dahinter.“ Rund 650 000 Euro flossen in die Erneuerung, 2007 öffnete der Nachfolgebau seine Pforten, allerdings, zum Bedauern Öftrings, deutlich verkleinert: „Da, wo heute gepflastert ist, war einmal das Becken.“ Ein Naturbadesee wäre ebenfalls möglich gewesen.

Bürger haben viel selbst gemacht

Der ehemalige Hauptschullehrer hat die Verantwortung für das lokale Alleinstellungsmerkmal bereits 1996 übernommen, vorher war ein Bäckermeister zuständig gewesen. Seitdem kümmert Öftring sich um das Gelände, inklusive Liegewiese, mit Unterstützung aus dem Gemeinde-Hallenbad Werneck und dem Fußballverein (nicht zuletzt, wenn es ums Rasenmähen geht). „Wir haben viel selbst gemacht“, erinnert sich der Pensionär an den Umbau: Gepflastert, gegraben, den Zaun gezogen, den sattgrünen Rollrasen gelegt. Dreißig Leute gehören heute zum festen Unterstützerkreis, die auch den Kiosk betreiben, offiziell als eine GbR, eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“.


Zunächst als Löschteich genutzt

Begonnen hat alles 1952, als die Gemeinde Schraudenbach hier, im Rahmen der Flurbereinigung, ein eigenes Gelände erhielt, das zunächst für einen Löschwasserteich genutzt worden ist. Das kühle Nass sorgte bei der Dorfjugend der Umgebung rasch für Begeisterung, als seltene Bademöglichkeit: im Erdbecken und nicht gerade glasklaren Wasser. 1965 kam der dreifach abgestufte Betonboden, mit hellblauem Anstrich: damals ein großer Fortschritt. Mit dem Anschluss des Orts an die Kaistener Wasserversorgung bekam man die Möglichkeit, das Bad aus der bisherige Ortsquelle zu versorgen. In der Einheitsgemeinde folgten 1980 noch Wasserleitung, Kanalisation, Umkleidekabinen, Sanitäranlagen, ein Verkaufsraum ebenso wie der Parkplatz an der Straße. Heute kann sich „Bad Schraudenbach“ über mangelnden Besucherandrang nicht beklagen, was wohl auch an den familienfreundlichen Eintrittspreisen liegt, 2,50 Euro für Erwachsene, 1,50 Euro für Kinder.


60 000 Euro Defizit


Das jährliche Defizit beträgt derzeit rund 60 000 Euro, da sind auch noch die Abschreibungen mit dabei. Seit zwei Jahren gibt es eine Photovoltaikanlage, die zur Energieversorgung beiträgt. Die diesjährige Saison ist rekordverdächtig, zumindest was die Zeit nach der Renovierung angeht: „Nur 2003 war mehr los“. 700, 800 Besucher kamen jetzt in der Woche. Geöffnet hat man in den Sommermonaten, je nach Wetterlage, wochentags von 13 Uhr 30 bis 19 Uhr, am Wochenende, an Feiertagen und in den Ferien bereits ab 11 Uhr.


„Überwiegend ist es ein Kinder- und Jugendbad“, sagt Öftring, der so etwas als „weichen Standortvorteil“ sieht, im Kampf gegen den demographischen Wandel auf dem Land, um mehr junge Familien auf dem Land. Familien wie die von Arben Vishi. Der Gastronom aus dem Kosovo lebt seit sieben Monaten in Deutschland, der Asylbewerber lebt mit seiner Frau Besnike, einer Krankenschwester, die im Wernecker Krankenhaus arbeitet, vor Ort. Die beiden Söhne Oren (11) und Diar (4) spielen mit anderen Wernecker Kindern im Wasser. An diesem Samstag ist sonst eher wenig los, mit dem Schulbeginn wird die Saison wohl enden.


„Für mich war es damals ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Ewald Öftring und meint seine zweite, ehrenamtliche Karriere als Freibad-Verantwortlicher. Zusammen mit Jürgen Kabel, Bademeister des Hallenbads, sieht er hier regelmäßig nach dem Rechten - unter anderem in der computergesteuerten Wasseraufbereitungslage, wo er das Chlorgranulat ins System einfüllt. Im Winter kommt Frostschutzmittel ins Becken. Gelernt hat er den Job durch „learning by doing“, viel passiert ist nicht, nur einmal gab es einen Lieferfehler beim Desinfektionsmittel, mit heftiger Verpuffung: „Das hat dann einen Schlag getan.“

Rettungsschwimmer haben wenig zu tun

Rettungsschwimmer gibt es auch, so wie Hiltrud Aldridge und weitere Ehrenamtliche. Viel zu tun haben die bei einer Wassertiefe zwischen 1,20 und 1,80 Metern aber nicht, ebenso wenig wie im kleinen Nichtschwimmer-Becken: „Wir verteilen eher Pflaster und helfen bei Stichen“, sagt Aldridge. Besondere Attraktion ist die Rutsche, eine gespendete Kletterkrake wurde mittlerweile ins Hallenbad verfrachtet, des Unfallrisikos wegen. Dann gibt es noch ein überraschendes Geständnis, vom Vorkämpfer fürs Schraudenbacher Freibad. „Mit Wasser habs ichs eigentlich gar nicht so“, gesteht Idealist Öftring, der nur einmal selbst im Becken war, um ein Gerät zu bergen.

Ausflug ins Blaue: Die überwiegende Mehrheit der Freibad-Besucher sind Kinder und Jugendliche.
Ausflug ins Blaue: Die überwiegende Mehrheit der Freibad-Besucher sind Kinder und Jugendliche.

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