Schweinfurt

Behinderten-WC auf dem Weihnachtsmarkt ist "unter aller Kanone"

Zwischen dem Behindertenbeirat und Baureferent Ralf Brettin sowie Hochbauamtsleiter Markus Sauer knirscht es gewaltig. Der Beirat fühlt sich laufend übergangen.
Dieser Weg ist kein leichter, dieser Weg ist steil und schwierig. Der Zugang zur Behinderten-Toilette auf dem Weihnachtsmarkt. Foto: Gerd Landgraf

"Was soll man da noch sagen?", meinte ein frustrierter Manfred Neder zu Beginn der Sitzung des Beirates für Menschen mit Behinderung. Der Vorsitzende war über den Weihnachtsmarkt zum Rathaus gekommen. Im Norden des Marktplatzes gibt es eine Behindertentoilette, doch keine, die diesen Namen auch verdiene, weil eine viel zu kurze Rampe in einen viel zu kleinen Raum führe. Sie sei weder mit Rollstuhl noch mit Rollator zu bewältigen.

Alle Jahre wieder habe der Beirat vor Weihnachten, aber auch bei anderen Veranstaltungen auf dem Marktplatz, die ungenügende Örtlichkeit kritisiert. Geändert habe dies nichts, führte Neder aus. Trotzdem will der Vorstand des Beirats, der sich nicht nur in diesem Fall vom Bauamt übergangen sieht, am Ball bleiben und auf die Anschaffung einer DIN-gerechten mobilen Toilette drängen.

Beirat muss mitmachen

Über den Sachstand beim Aktionsplan "Schweinfurt barrierefrei 2025" wurde der Beirat von Corina Büttner, Leiterin des Amtes für soziale Leistungen, informiert. Nach zwei Jahren, sieben Workshops, Bürgerwerkstatt und Bürgerbefragungen ist der Plan erstellt und vom Stadtrat akzeptiert. Das Herzstück ist der Maßnahmenkatalog mit folgenden Unterpunkten: Integrierte Orts- und Entwicklungsplanung; Bau und Wohnen; Mobilität, Freizeit Kultur, Sport und gesellschaftliche Teilhabe; Beratung, Information, Bewusstseinsbildung und Vernetzung; Bildung und Erziehung sowie Arbeit und Beschäftigung.

Beim nächsten Schritt wolle die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Senioren- und dem Behindertenbeirat Projekte benennen und angehen, so die Amtsleiterin. "Dafür müssen wir in die Gänge kommen", denn ansonsten tue sich nicht viel, ergänzte Neder.

Dass dies nicht einfach wird, zeigten anschließend die Berichte aus den Arbeitsgruppen des Beirats. Bei den Treffen in den vergangenen Monaten war die Beteiligung äußert mau. Ergebnisse gab es nur bei der Überarbeitung der Satzung. Diese ist auf mehr Mitsprache im Stadtrat ausgerichtet. Gepocht wird nicht nur auf das Einholen von schriftlichen Stellungnahmen, wie sie bei Bauprojekten vorgesehen seien und nach Meinung des Beirats nicht einhalten werden, sondern auf einen Sitz mit Rede-, aber ohne Stimmrecht im Stadtrat.  

Eine Lösung für Stadt und Landkreis

Anschließend sprach Neder nochmals das "Dauerproblem WC" an. Die Toilette auf dem Weihnachtsmarkt sei "unter aller Kanone". Gebraucht werde dringend eine transportable und DIN-gerechte Anlage. Die durchaus stattlichen Kosten von 40 000 und mehr Euro könne sich die Stadt mit dem Landkreis teilen. Profitieren würden davon alle großen Veranstaltungen in Stadt und Land – auch die der Vereine und Verbände. 

Nicht nachvollziehbar ist für Manfred Neder, dass der Beirat bei der Planung des Parkhauses an der Mainberger Straße nicht gefragt worden sei, obwohl die Stadt zugesichert habe, dass dies bei allen für die Behinderten relevanten Themen geschehe. Rausgekommen seien so kaum zu erreichende Behinderten-Parkplätze im Untergeschoss (statt im Erdgeschoss).

Karlheinz Illig neuer Beisitzer

Ein ähnliches Dilemma befürchtet Neder beim neuen Jugendtreff am Bergl und beim Neubau für die Körnerschule an der Bellevue. Bei beiden Planungen habe das Bauamt den Beirat ebenfalls übergangen. Dies müsse man sich nicht gefallen lassen. Schließlich vertrete der Beirat in der Stadt 8900 Bürger mit einem Schwerbehindertenausweis (Dunkelziffer nicht mitgerechnet).     

Bei der Nachwahl für den als Beisitzer im Vorstand ausgeschiedenen Norbert Sandmann setzte sich Karlheinz Illig gegen Matthias Götz durch.

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