SÖMMERSDORF

Beim Wandern die Passion erleben

Im Passionsspielort Sömmersdorf ist die Leidens- und Sterbensgeschichte Christi nicht nur alle fünf Jahre als Theaterstück präsent. Auf Spirituellen Passionswegen kann man das ganze Jahr über, gerade auch in der Fasten- und Osterzeit, nachspüren, was das Leid eines Menschen um anderer Menschen willen mit dem eigenen Leben und Handeln zu tun hat.

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Spirituelle Passionswege

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Zwei Wege mit einer Länge von 2,7 und 3,2 Kilometern bieten mit der Bewegung auch Denkanstöße an Innehaltepunkten und Andachtsorten.

Noch sprießt es nicht in den Feldern, durch die die südliche Route vom Dorf aus führt. Noch sind die Bäume im Münsterholz an der nördlichen Tour kahl, fehlen die Blätter für eine heitere Wanderung. Aber die momentane Vegetation in der Natur passt auch zur Intention der Passionswege, zur Anregung, darüber nachzudenken, wohin die Passion Christi den Menschen führen kann.

Als ein Projekt der Gemeinde Euerbach wurden die beiden Spirituellen Passionswege im Jahr 2013, gemeinsam mit der Eröffnung der Passionsgalerie in der Alten Schule, verwirklicht. Hubert Rüth ist der Verantwortliche im Verein Fränkische Passionsspiele für die Passionswege.

Zwar ist er mit der Beschilderung der Route auf meist unbefestigten Feldwegen gerade im südlichen Bereich nicht ganz zufrieden, hat aber Verständnis dafür, dass an den Wegkreuzungen keine Wegweiser aufgestellt werden können, die die landwirtschaftlichen Maschinen behindern würden. Aber dafür gibt es die Wegekarte im Internet auf der Homepage des Passionsspielvereins (www.passionsspiele-soemmersdorf.de), auf Flyern in der Passionsgalerie und im Rathaus Euerbach sowie auf zwei Andachtsorten der südlichen Route: beim Passionstor und am Bildstock an der Kastanie. Ein Verlaufen ist also kaum möglich.

An der Pfarrkirche, am Eingang zur Passionsgalerie, beginnt der erste Passionsweg. „Andacht und Betrachtung“ lautet das Motto für die etwa ein- bis eineinhalbstündige Wanderung. Es ist eher ein leichter Spaziergang in die offene Flur mit einem Höhenunterschied von 35 Metern. An drei Andachtsorten wird der Wanderer konfrontiert mit der Passion. Auf großen, angerosteten Eisenplatten erwarten ihn nachdenkenswerte Texte.

An der Kirche Sankt Johannes der Täufer beispielsweise aus dem Textbuch der Sömmersdorfer Passion 2013, Dialoge zwischen Pilatus, den Hohenpriestern und dem jüdischen Volk. „Seht, welch ein Mensch“, ist dort zu lesen, oder „Ans Kreuz mit ihm“. Die Frage für den Betrachter auf einer kleinen Metallstele lautet: „Wohin lenkst du dein Leben?“

Mit diesen Gedanken geht es südlich hinaus zum Dorf, in Richtung eines Bildstockes mit einer Kreuzigungsszene neben einem Kastanienbaum. „Wer denkt an dich?“, heißt es hier an den Betrachter.

Der 2,7 Kilometer lange Rundweg führt zum großen Passionstor, das der Bildhauer Thomas Reuter am Rand des Waldstücks Bauernschlag aufgestellt hat. Aus vier massiven Muschelkalkblöcken besteht das Tor. Ein Weg aus Steinplatten führt hindurch, mit eingelegten Sätzen aus der Bibel, die die Passion, das Leiden und Sterben nachempfinden. Hier hat der Wanderer einen weiten Blick hinein ins Schweinfurter Becken, hier kann er verweilen. Zurück an der Kirche fängt die westliche und nördliche Route an, die – verbunden mit der südlichen – 5,9 Kilometer lang ist. Das nördliche Stück mit etwa 3,2 Kilometern durch Dorf und Wald ist anspruchsvoller, es geht etwa 1,5 Stunden lang meist auf unbefestigten Fußwegen bergauf und bergab.

Ein Höhenunterschied von 96 Metern ist zu bewältigen. „Andacht und Bewegung“ ist diese Tour überschrieben. Wer sich auf die zehn Innehaltepunkte einlässt, findet viele Denkanstöße.

Es sind im Ort Kreuzschlepper und Bildstöcke, Passionsgarten und das Freilichtgelände, die direkt fragen: „Erkennst du das Leid anderer?“ oder „Was gibst du Anderen?“.

Durch das Münsterholz führt ein breiter Waldweg, es geht wieder hinaus auf die Flur Richtung Rütschenhausen zu einem Holzkreuz am Waldrand Bauernschlag, vor zehn Jahren von einem Privatmann aus Dankbarkeit errichtet.

Zurück Richtung Dorf, an der B 303, stellt ein sandsteinerner Bildstock mit einer Kreuzigungsgruppe von 1598 dem Wanderer die Frage: „Wie begegnest du der Angst?“

Trost finden Gläubige bei der Gottesmutter Maria, ihr ist eine Grotte gewidmet, die am Hohlweg liegt, der hinunter in den Ort führt. Dort wird dem Betrachter nahegelegt, nachzudenken: „Wem stehst Du bei?“

Information: Wer mit einer Führung auf den Passionswegen laufen will oder wer eine Führung mit religiösen und spirituellen Texten wünscht, kann sich bei der Gemeinde Euerbach melden, Tel. (0 97 26) 91 50-0, gemeinde@euerbach.de

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