DITTELBRUNN

Beispielhaft beim Einsatz von Energie

„So was sieht man selten“, meinte Professor Markus Brautsch, bei der Vorstellung des Energiekonzepts der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal. Insgesamt ergebe sich „ein fantastisches Bild“, so der Ingenieur vom „Institut für Energietechnik“ (IfE), der Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Das IfE hat das Gesamtkonzept für acht von zehn Mitgliedsgemeinden erarbeitet, die 90 000 Megawattstunden jährlich Strom verbrauchen – von denen 2012 bereits 99 Prozent regenerativ erzeugt worden sind (aufgrund hoher Abhängigkeit vom Wetter allerdings nur in der Bilanz). Bis 2031 könne das Obere Werntal, vor allem durch Photovoltaik und Biogas, mehr als das Doppelte dieser Strommenge erzeugen, zeigt sich Brautsch überzeugt.

385 000 Megawattstunden werden jährlich zur Wärmversorgung benötigt, rechnete der Experte vor: Davon werden 50 Prozent über Heizöl und 20 Prozent durch Erdgas abgedeckt, nur zwanzig Prozent beruhen hier auf erneuerbaren Energien, wie Biomasse und Solarthermie. „Sehr, sehr gut“ sei man bei der CO2-Bilanz, von gerade mal 2,9 Tonnen pro Einwohner und Jahr, weniger als die Hälfte des Bundesdurchschnitts. Ziel ist es in jeder Kommune zwei bis drei Projekte zu verwirklichen, 15 auf interkommunaler Ebene: Der Projekt-„Wunschzettel“, den Brautsch vorstellte, ist groß und bunt.

Gastgeber Willi Warmuth sprach schon von einem „Projekt 2031“. Der Dittelbrunner Bürgermeister und Allianz-Energiebeauftragte musste zwar feststellen, dass man schon beim Informationsabend Energie gespart hatte, was die Anwesenheitsliste betraf: Nur etwas über 50 Besucher waren gekommen, vor allem der „harte Kern“ von Kommunalpolitikern. Allerdings waren hier echte Experten versammelt: darunter Vertreter der Energiegenossenschaften in Werneck, Poppenhausen, Dittelbrunn und Niederwerrn. Letztere beiden Gemeinden verfügen bereits über eigene Konzepte, weswegen sie federführend am interkommunalen „Masterplan“ mitwirken.

Anne Franz, vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken, lobte das Gemeindebündnis für seine Vorreiterrolle auf Bezirksebene: „Energiewende ist kein 100 Meter-Sprint, sondern ein Marathon. Den Lauf bestreiten Sie aber nicht allein“. Die Energiemanagerin appellierte an die Bürger, mit anzupacken und die Angebote zu nutzen – das Konzept wurde zu 75 Prozent vom ALE gefördert.

Die größte Hebelwirkung erziele man durch Sanierungen in Privathaushalten, sagte Brautsch, ebenso durch Einsparungen bei Unternehmen. Die Gemeinden hätten als Energienutzer eher eine Funktion von Vorbildern und Multiplikatoren. Allein durch privates Energiesparen ließen sich mindestens 20 Prozent des Energiebedarfs decken. Bei Freiflächenphotovoltaik-Anlagen gäbe es im Werntal noch Expansions-Potenzial, allerdings habe deren Wirtschaftlichkeit nachgelassen. Der Anteil der Dachanlagen ließe sich verdoppeln. Bei Wärme aus Biogas sind ebenfalls noch Steigerungen möglich, die Stromerzeugung aus Biomasse leidet unter der EEG-Novellierung.

Der Windkraft-Anteil erscheint dem Dozenten vor Ort als weitgehend ausgereizt, auch wegen der 10 H-Regelung. Bei Nahwärmenetzen sieht der Planer die momentan billigen Heizölpreise als Negativfaktor.

Neues System erproben

Dann gäbe es noch ganz neue Wege der Stromerzeugung: Werner Göbel von der Poppenhäuser Energiegenossenschaft EOW stellte das Projekt DEGREEN vor, Abkürzung für „Dielektrische Elastomergeneratoren“. In dem Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts geht es darum, Strom aus kleineren Wasserläufen zu gewinnen: Ohne dazu, wie bei Turbinen, aufwendige, ertragsschmälernde Fischtreppen anlegen zu müssen: Das neuartige könnte bald in zwei Wern-Mühlen bei Poppenhausen getestet werden.

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