Bergrheinfeld

Bergrheinfeld will nicht zum Umschlagzentrum für Strom werden

Strommasten und kein Ende: Bergrheinfeld hat seine Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan Strom 2035 abgegeben. Foto: Horst Fröhling

Suedlink und Folgen ohne Ende: Die Gemeinde Bergrheinfeld hat erneut eine Stellungnahme bei der Bundesnetzagentur abgegeben, dieses Mal zum Szenariorahmen für den  Netzentwicklungsplan Strom 2021 bis 2035.

Dort haben die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) vier mögliche Szenarien der wahrscheinlichen Entwicklung des Stromsektors bis zu den Jahren 2035 und 2040 beschrieben. Dabei wird die Energiewende mit unterschiedlich starken Ausprägungen der Sektorenkopplung und mit einer unterschiedlichen Netzorientierung von Erzeuger- und Verbraucherverhalten begründet.

Ausbauzielen für erneuerbare Energien

Diese Szenarien orientieren sich laut ÜNB an den aktuell geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und den energiepolitischen Zielen der Bundesregierung. Die notwendige Weiterentwicklung begründen sie mit den Ausbauzielen für erneuerbare Energien des Bundesklimaschutzgesetzes und die Kohlenstoffdioxid-Reduktionsziele des Klimaschutzprogramms 2030.

In ihrer Stellungnahme verweist die Gemeinde auf eine vorangegangene Stellungnahme zum Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2030 vom Februar 2019 und hält an den dort festgelegten Begründungen und dargelegten Bedenken fest. Nach ihrer Auffassung und den bisher gemachten Erfahrungen haben sich die dort erläuterten Vorbehalte weiter verfestigt und wurden bisher nicht entkräftet.

Die Gemeinde stellt weiter fest: Der Szenariorahmen ist maßgeblich durch gesetzgeberische Maßnahmen beeinflussbar, dies wird an mehreren Stellen des Dokuments angemerkt. Es fehlt eine Zusammenfassung der politischen Maßnahmen, welche erforderlich sind, um sicher zu stellen, dass die in den Szenarien entwickelten Ergebnisse auch erreicht werden.

Zweifel an optimierter Prognose

Es sei nicht nachvollziehbar, dass nun eine angeblich optimierte Prognose, das Aufkommen, die Verteilung und das Einsatzverhalten neuer Stromanwendungen wie Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und Power-to-Gas in diesen Berechnungen tatsächlich und ausreichend berücksichtigt wurde. Hier fehlten die entsprechenden Nachweise und wissenschaftlich begründete Erkenntnisse.

Außerdem wurden bei der Erstellung des Szenariorahmens neue Entwicklungen bei der Flexibilisierung von Stromanwendungen und neue Speichertechniken nicht ausreichend berücksichtigt. Hierzu zählen die Steuerung des Verbrauchsverhaltens, die Flexibilisierung des Betriebs von KWK-Anlagen und Batteriespeicher unterschiedlicher Leistungsklassen.

"Für uns ist der Ausbau der erneuerbaren Energie elementar. Die CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung können mit dem bisher geplanten Ausbaukorridor nicht erreicht werden. Notwendig hierzu wäre eine Vervielfachung des Zubaus. Der Kohleausstieg verschärft diese Dringlichkeit", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Ausbau der Erneuerbaren

Die Position der Gemeinde: Ausbau der Erneuerbaren ist dringlicher als Netzausbau und muss davon entkoppelt werden. Es ist bekannt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien zu signifikanten Ersparnissen der Verbraucher führte.

Man sei überzeugt, dass nur durch die Einbeziehung weiterer Regionen in Bayern, die politischen Klimaziele 2030 zu erreichen sind. Menschen vor Ort seien willens und bereit, zur Erreichung der Klimaziele einen erheblichen Beitrag auch in Form von einer Vervielfachung der erneuerbaren Anlagen zu leisten. Dazu seien transparente, nachvollziehbare und eine gerechte Verteilung in die Regionen unabdingbar.

Der Netzausbau diene überwiegend für den Stromexport von Leistungsüberschüssen und ist für Leistungsdefizite nicht erforderlich. Sein Ausbau von ca. 18.000 km kosten aktuell ca. 95 Mrd. Euro, Investitionen in Blindleistungskompensation weitere fünf Mrd. Euro. Dezentrale Ansätze werden systematisch benachteiligt. Die durch Bayern geplanten Leitungen sind ausschließlich für die ostdeutschen Kohlekraftwerke notwendig.

Transite durch Deutschland

In der aktuellen Diskussion werde immer deutlicher, dass der Ausbau des Übertragungsnetzes das Ziel hat, die Liberalisierung des EU-Energiebinnenmarkts möglichst reibungslos zu ermöglichen sowie die dafür notwendigen Transportkapazitäten für Transite durch Deutschland zu den Nachbarländern zu schaffen.

"Wir werden uns mit allen Mitteln gegen eine Planung stellen, die unsere Heimat zu einem allgemeinen Umschlagzentrum oder Verteilerzentrum der Stromversorgung entwickelt und dabei Alternativen außer Acht lässt bzw. keine objektiven und einheitlichen Kriterien in der Entscheidungsfindung anwendet", so die Stellungnahme der Gemeinde.

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