GEROLZHOFEN

Berlin fördert das Wandeltheater

Bei der Übergabe des Förderbescheids: (von links) Sabine Wolf (Vorsitzende des Historischen Vereins), Silvia Kirchhof (Kleines Stadttheater), Bürgermeister Thorsten Wozniak, MdB Anja Weisgerber und Beate Glotzmann (Touristinformation). Foto: Klaus Vogt

Das Wandeltheater unter dem Motto „Du musst dran glauben“, das seine Uraufführung am 24. Mai 2017 erleben wird, wird unstrittig der kulturelle Höhepunkt des laufenden Jahres. Allerdings hat Qualität auch ihren Preis. Man gehe momentan von Produktionskosten in einer Größenordnung von rund 220 000 Euro aus, sagte Bürgermeister Thorsten Wozniak am Samstagvormittag bei einer Pressekonferenz. Das Projekt werde aber aus einer Vielzahl von Fördertöpfen wohlwollend bedacht.

Die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) konnte am Samstag eine erfreuliche Nachricht überbringen: Das Gerolzhöfer Theaterprojekt kommt in den Genuss einer Förderung aus einem Sonderfonds, das die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, zum Reformationsjubiläum aufgelegt hat. „Gerolzhofen bekommt 70 000 Euro als nicht rückzahlbare Förderung“, sagte Weisgerber. Damit gehöre das Wandeltheater zu den national und international bedeutenden Projekten, die von der Bundesregierung gefördert werden. Sie freue sich, so Weisgerber, dass ihr persönlicher Einsatz bei Monika Grütters nun vom Erfolg gekrönt sei.

Die Förderung durch die Kulturstaatsministerin sei eine tolle Anerkennung für die hervorragende Vorarbeit, die schon in Gerolzhofen geleistet wurde, sagte die Abgeordnete. Das Gerolzhöfer Projekt zeichne sich durch ein hohes ehrenamtliches Engagement zahlreicher Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen aus. Es sei zu begrüßen, dass die Sonderfördermittel nicht nur in die großen Städte fließen, sondern dass auch die Kultur im ländlichen Raum berücksichtigt wird.

Bürgermeister Wozniak nahm aus den Händen von Weisgerber den offiziellen Förderbescheid des Bundesverwaltungsamtes entgegen und dankte der „Fürsprecherin in Berlin“ für ihren intensiven Einsatz. Außer der hohen Förderung des Bundes, so Wozniak, erhalte die Stadt weitere Gelder aus den unterschiedlichsten Quellen, unter anderem von beiden großen Kirchen, vom Bezirk, vom Landkreis, von der Sparkasse und der VR-Bank Gerolzhofen sowie aus der Dr.-Ottmar-Wolf-Kulturstiftung.

Ideales Innenmarketing

Unter dem Strich verbleibe bei der Stadt noch ein Eigenanteil von rund 50 000 Euro, sagte der Bürgermeister. Ein vergleichbares Theaterprojekt würde in Großstädten aber sicherlich das Doppelte kosten, betonte Wozniak. In Gerolzhofen könne durch den hohen Einsatz zahlreicher Freiwilliger und Ehrenamtlicher die Kosten gedrückt werden. „Keiner verdient sich eine goldene Nase“, sagte er. Das Geld sei für das Innenmarketing der Stadt bestens angelegt, denn Hunderte würden sich schon jetzt auf das Großereignis freuen und seien stolz auf ihre Stadt.

Silvia Kirchhof, die Leiterin des Kleinen Stadttheaters und Regisseurin des Wandeltheater-Projekts, schlüsselte die Fixkosten auf, die sich momentan auf 220 000 Euro summieren: So wurde im Vorfeld der Themenkomplex von Prof. Rainer Leng im Auftrag der Stadt wissenschaftlich recherchiert. Seine Ergebnisse waren Grundlage für die Berufsautoren, die das Theaterstück dann zu Papier brachten. Bei der jetzt anstehenden Umsetzung des Stücks ist die professionelle Bühnentechnik natürlich der größte Ausgabenposten. Fünf Bühnen werden benötigt in der Stadtpfarrkirche, Erlöserkirche, Spitalkirche, Amtsvogtei und im Spitalgarten.

Hinzu kommt der Aufbau in der Stadthalle für die einmalige, barrierefreie Vorführung. Große LED-Bildwände, auf denen bereits professionell produzierte Videos während der Aufführung als Einspieler gezeigt werden, kosten auch Geld.

Hohe Kosten verursachen die Kostüme. „Zumindest die 52 Hauptakteure müssen im Stil der Renaissance eingekleidet werden“, sagt Kirchhof. Etwa die Hälfte der benötigten Kostüme werde man sich bei Spezialfirmen ausleihen. Die Leihgebühr betrage pro Kostüm rund 250 Euro. Die andere Hälfte der Kleider werde man, weil es kostengünstiger sei, selbst schneidern und nähen lassen. Kosten verursachen auch die mindestens drei professionellen Maskenbildnerinnen, die die Theaterspieler vor den Aufführungen optisch zurecht machen werden. Und die zwei Hauptdarsteller von Echter und Luther seien Profi-Schauspieler, die dafür Gage bekommen.

Zahlreiche Ehrenamtliche

Um die Aufführungen an den verschiedenen Spielorten in der Altstadt überhaupt stemmen zu können, sei ein Heer von Ehrenamtlichen nötig. Da seien zunächst die 50 Laienschauspieler, die schon mitten in der zeitraubenden Probenarbeit sind. Hinzu kämen die Mitglieder des Posaunenchors, die Organisten, die Ministranten, die Chorknaben und weitere Statisten ohne Sprechrolle. Für die Verpflegung der Gäste in der Pause der Aufführungen oder für den Dienst in den Kassenhäuschen seien ebenfalls Dutzende Freiwillige nötig.

Die Freiwillige Feuerwehr Gerolzhofen werde während den Aufführungen mit großem Personalaufwand die Verkehrsregelung in der Altstadt übernehmen.

„Es zeichnet unser Gerolzhofen aus, dass wir eine so hohe Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement haben“, brachte es Bürgermeister Thorsten Wozniak schließlich auf den Punkt. „Da sind wir stolz drauf.“

Die Vorbereitungen und Proben für das Gerolzhöfer Wandeltheater laufen auf Hochtouren. Abgeschlossen sind inzwischen die... Foto: Klaus Vogt

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