WERNECK

Beruf: Balloon Twister

Mit dem Blumenstrauß aus Luftballons haben Anja und Peter Sersch beim Fotografieren im Wernecker Schlosspark viele vergnügte Blicke geerntet. Foto: Nike Bodenbach

Ein kleines Hündchen, gebastelt aus einem wurmartig langen Luftballon, das kennt man von Kinderfesten. Vielleicht noch einen Ballon-Hasen oder einen Ballon-Elefanten. Aber einen lebensgroßen Lkw aus Luftballons, eine Schneewittchen-Figur oder ein luftig-leichter Obelix? Eher nicht. Die Serschs aus Werneck knüpfen echte Kunstwerke. „Balloon Twister“ – ein ungewöhnlicher Beruf, zumal für ehemalige IT-Spezialisten.

„Ich bin dazu eigentlich gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, sagt Peter Sersch. Auf einer Feier lernte er den Weltmeister im Ballonblumen-Knoten kennen. Solch einen Titel gibt es wirklich und zwar, das ist eigentlich keine Überraschung, in den USA.

Sersch war gleich fasziniert, ließ sich von dem Mann ein paar Grundlagen beibringen – und schulte um. Ein Wagnis, aber das liegt den Serschs. Als ganz junge Erwachsene waren sie schon einmal ein Paar, dann nicht mehr, seit zehn Jahren sind die beiden Anfang 50-Jährigen jetzt wieder zusammen.

„Deutschland ist ballontechnisch noch Entwicklungsland“

Ihr Geschäft haben sie in Frankfurt aufgebaut, seit kurzem wohnen sie jetzt in Werneck. Ganz am Anfang standen richtige Ballon-Lehrgänge in den Vereinigten Staaten. „Deutschland ist ballontechnisch noch Entwicklungsland“, sagen sie grinsend. Wenn Peter Sersch irgendwo erzählt, dass er beruflich Luftballons verknotet, können es die Leute kaum glauben.

Einfach drauflos knoten geht aber auch hierzulande nicht. Den riesigen Laster haben die Serschs zum Beispiel zusammen mit anderen Ballonkünstlern und unter der Regie einer echten Branchengröße für einen Lkw-Hersteller realisiert. „Wir waren mit neun Mann vier Tage dran“, sagt Anja Sersch. Ballonkunst ist Handarbeit, nur das Aufpusten übernehmen spezielle Maschinen, bei denen man die exakte Luftmenge programmieren kann. Der Lkw sei richtig schwer gewesen, mit sechs Leuten habe man ihn anheben müssen, sagt Anja Sersch – und lacht dann selbst, weil das bei einem echten Laster ein Ding der Unmöglichkeit wäre.

Los geht es bei einem großen Projekt immer mit Zeichnungen, mal per Hand oder am Computer, ähnlich wie bei Architektenprogrammen. Aufgrund dessen berechnen die Serschs dann, welche Sorten und wie viele Ballons sie brauchen.

7000 goldene Ballons für eine 45 Meter lange Wand aus Luft

Einmal haben sie für eine türkische Hochzeit eine 45 Meter lange Wand aus goldfarbenen Luftballons gebaut. 7000 Stück mussten sie da ordern, der deutsche Hersteller konnte gar nicht so viele liefern, sodass es am Ende wieder auf die USA hinauslief. Die richtige Anzahl zu kennen ist natürlich auch wichtig, um für den Kunden das Angebot zu kalkulieren. „Die Leute wundern sich immer, dass das was kostet“, erzählt Anja Sersch. Aber Ballons sind eben nicht nur aus Luft.

„Die Rückmeldungen, wenn die Leute unsere Sachen sehen, sind einfach toll“, sagt Peter Sersch. Dieser Aha-Effekt, die leuchtenden Augen, das macht ihm Freude. Wenn er als Ballonkünstler auf Festen oder bei Promotion-Aktionen für Firmen auftritt, versucht er die Kinder – aber nicht nur die Kinder – mit besonderen Entwürfen zu überraschen.

Ein Dinosaurier zum Anziehen zum Beispiel oder einen Marienkäfer, den man ums Handgelenk binden kann. Einen Hulk mit leuchtenden LED-Augen haben sie schon gebaut und einen Riesenballon auf einem Fallrohr, den man immer wieder aufpusten konnte. Anja Sersch lacht: „Wir gehen seitdem mit ganz anderen Augen durch den Baumarkt.“

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