SCHWEINFURT

Betreuung für an Diabetes erkrankte Kinder

Vertragsunterschrift: Die AOK bezahlt die Hausbesuche in den Familien mit am Typ 1 Diabetes erkrankter Kinder und Jugendlicher. Unser Bild von links: AOK-Direktor Frank Dünisch, Sozialpädagogin Birgit Hahn und Diabetesberaterin Sabine Kessler (beide Leopoldina-Krankenhaus), Leopoldina-Geschäftsführer Adrian Schmuker, Dr. Reinhard Koch, Norbert Mohr von der Selbsthilfegruppe und Chefarzt Dr. Johannes Herrmann. Foto: 'Waltraud Fuchs-Mauder

Das Modellprojekt zahlt sich für alle Seiten aus – vielleicht sogar für die AOK, die vor einem neuen Weg nicht zurückschreckt. Die Betreuung an Diabetes erkrankter Kinder in der Familie durch Personal aus dem Leopoldina-Krankenhaus könnte teure stationäre Aufenthalte überflüssig machen.

Die Erkrankung mit Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen erfordert eine strukturierte Behandlung nach klaren Regeln. Dem Elternhaus fällt eine entscheidende Rolle zu. Bei der Erstfeststellung der Erkrankung, die immer unter stationären Bedingungen stattfindet, wird im Leopoldina das Elternhaus durch das Diabetesteam der Kinderklinik, Chefarzt Dr. Johannes Herrmann und Dr. Reinhard Koch, geschult. In der Zusammenarbeit über zehn bis 14 Tage entwickelt sich dabei ein Vertrauensverhältnis. Auch gilt es, die Stärken und Schwächen der Familien zu erkennen.

Anschließend stellen sich Fragen. Wie ist eine intensive, professionelle Betreuung nach dem Krankenhausaufenthalt zu organisieren? Wie ist sie zu finanzieren? Klar ist, dass die Betreuung und Unterstützung der Kinder zu Hause in der Familie entscheidend für eine gute Stoffwechseleinstellung und somit für einen positiven Krankheitsverlauf ist. Öffentliche Gelder, eine gesetzliche Leistungsverpflichtung gibt es nicht. Bislang hat in Schweinfurt die „Selbsthilfegruppe diabetischer Kinder und Jugendlicher“ Hausbesuche in den Familien nach ihren Möglichkeiten bezahlt.

Um die Betreuung auf professioneller Ebene zu verankern, haben Krankenhaus und Selbsthilfegruppe nach einem Kooperationspartner gesucht und ihn in der AOK gefunden. Die drei Partner haben am Dienstag mit ihrer Unterschrift unter den Kooperationsvertrag ein Modellprojekt angeschoben, das eine Versorgungslücke schließen soll.

Dr. Herrmann sprach beim Pressetermin von einem deutschlandweit einzigartigen Schritt. Oberarzt Dr. Koch informierte über Erfahrungen mit den Familien, die den Aufgaben bei der Versorgung eines erkrankten Kindes unterschiedlich gewachsen seien. Das Leopoldina-Krankenhaus ist in Unterfranken das einzige Diabetes-Zentrum für den Patientenkreis im Kindesalter. Besonders wichtig ist eine Betreuung im ersten Jahr. Ärzte und die Diabetesberater gehen also vor allem in den ersten Monaten in die Familien.

Norbert Mohr von der Selbsthilfegruppe berichtete von 110 Familien in der Region, die sich gegenseitig helfen. Seit 22 Jahren funktioniere die Kooperation mit dem Leopoldina-Krankenhaus. Auch die Zusammenarbeit mit der AOK habe sich bewährt. Die Anzahl der Erkrankungen mit Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen ist seit geraumer Zeit leicht steigend. Das Diabetes-Zentrum am Leopoldina-Krankenhaus betreut aktuell 120 Kinder. Jährlich kommt es zu etwa 15 Neuaufnahmen. In der Region Main-Rhön geht Dr. Koch von insgesamt 150 betroffenen Kindern aus. Bei Patienten anderer Krankenkassen als der AOK wird weiterhin die Selbsthilfegruppe die Betreuung in der Familie finanziell ermöglichen.

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