Schraudenbach

Biodiversität gibt es nicht zum Nulltarif

Der Landwirt Michael Vierheilig aus Schraudenbach baut seit vier Jahren eine besondere Pflanze an: die durchwachsene Silphie. Sie bietet ihm mehrere Vorteile.
Michael Vierheilig vor einem Bestand durchwachsener Silphie - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach
Michael Vierheilig vor einem Bestand durchwachsener Silphie - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach Foto: Dr. Reinhard Bischoff

Im grellen Licht der Sonne schauen sie aus wie kleine Blüten von Sonnenblumen. Wenig bekannte Pflanzen, mit goldgelben Blüten, jedoch höher wachsend als Sonnenblumen. Es handelt sich um die "durchwachsene Silphie", die im Landkreis nur selten zu finden ist. Sie steht jetzt dicht an dicht und in voller Blüte. Gold wert ist sie vor allem für Bienen und andere Insekten. Sie gibt ihnen die Nahrung, die Insekten im August nur noch an wenigen Blüh-Kulturen finden.

Michael Vierheilig, konventioneller Landwirt aus Schraudenbach, baut die Pflanze seit vier Jahren an. „Ich hatte mich schon davor für die Silphie interessiert. Aber erst als diese mit der eigenen Technik ausgesät werden konnte, wagte ich diesen Schritt“, sagt er dazu. Die Silphie ist eine Dauerkultur, die bis vier Meter hoch wird und aus Nordamerika stammt. Wegen ihrer hohen Biomasseproduktion wird sie von Landwirten als Energiepflanze genutzt und kann als Alternative zu Silomais für Biogasanlagen gesehen werden. Im ersten Jahr erreicht die Dauerkultur das Rosettenstadium, die Ernte ist erst ab dem zweiten Jahr möglich.

Mit heißen und trockenen Jahren kommt die Silphie gut zurecht

Vierheilig hatte laut einer Mitteilung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bisher drei Ernten. In zwei Jahren war der Ertrag höher als der vom im eigenen Betrieb geernteten  Silomais, denn mit heißen und trockenen Jahren kommt die Silphie besser zurecht. Für die Mitte August einsetzende Ernte erwartet der Landwirt auch heuer einen höheren Ertrag als beim Silomais. Da Mais in der Biogasanlage aber eine höhere Methanausbeute bringt, wird der beim Verkauf an Biogasanlagen besser bezahlt. Höhere Erträge in den trockenen Jahren konnten diesen Nachteil der Silphie aber auch finanziell mehr als ausgleichen.

durchwachsene Silphie in voller Blüte - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach
durchwachsene Silphie in voller Blüte - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach Foto: Dr. Reinhard Bischoff

Die Vorteile der durchwachsenen Silphie sieht Michael Vierheilig auch darin, dass deren Anbau weniger zeitaufwendig ist. Als Dauerkultur, von der er sich mindestens 15 Ernten verspricht, muss er in dieser Zeit den Boden nur einmal bearbeiten und nur einmal aussäen, was geringere Kosten für Diesel und Dünger bedeutet. Auf Pflanzenschutzmittel kann komplett verzichtet werden. Darüber hinaus schützt die Silphie den Boden. Die Kultur schützt mit ihrem dichten Bestand den Boden vor allem an Hanglagen vor Starkregen. Selbst im Winter, wo sie nach der Ernte abgefroren dasteht, halten die Stoppeln und die im Boden verbliebenen tiefen Wurzeln das Erdreich fest.

Michael Vierheilig baut auf zehn Hektar seines Betriebes diese neue Kultur an und ist von ihren positiven Eigenschaften überzeugt. Ein großes Anliegen ist dem konventionell wirtschaftenden Landwirt der Einklang seines Wirtschaftens mit der Natur. Auch hier hat die Silphie nur positive Eigenschaften. Obwohl Bienen sehr wohl auch vom Pollen der Maispflanze leben können, benötigen sie für eine optimale Ernährung mindestens ein Drittel Mischpollen, schreibt das AELF. Hier sei die Silphie der optimale Partner zum Maisanbau in der Flur.

Vier Hektar Erosions- und Gewässerschutzstreifen angesät

Nicht nur mit dem Anbau der durchwachsenen Silphie tut der engagierte Landwirt etwas für die Natur. In seinem Betrieb sind auf 14 Feldstücken insgesamt vier Hektar Erosions- und Gewässerschutzstreifen angesät. Da er auf diesen Flächen nicht ernten kann, wird ihm der entstandene Verlust im Rahmen des bayerischen Kulturlandschaftsprogrammes finanziell ausgeglichen. Vierheilig tut jedoch mehr als im Programm von ihm gefordert wird und sät auf den acht bis zwölf Meter breiten Grasstreifen zusätzlich Blumen an, um obendrein noch etwas für die biologische Vielfalt zu tun.

Erosions- und Gewässerrandstreifen mit Blumen - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach
Erosions- und Gewässerrandstreifen mit Blumen - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach Foto: Dr. Reinhard Bischoff

Für immer mehr Landwirte ist dies im Landkreis mittlerweile ein Anliegen, informiert Reinhard Bischoff, vom AELF Schweinfurt. So werden 2019 auf insgesamt 85 Hektar Erosions- und Gewässerschutzstreifen angesät. Diese Streifen schützen vor Bodenerosion und leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Oberflächengewässer. Indem diese Ansaaten oft Hecken, Gräben und Waldränder miteinander verbinden, bilden sie so ein Verbundsystem zwischen unterschiedlichen Biotopen, welches Rückzugsräume für unterschiedliche Tierarten entstehen lässt, erklärt Bischoff die biologischen Funktionen.

Blühfläche "Bienenweide" - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach
Blühfläche "Bienenweide" - landwirtschaftlicher Betrieb Vierheilig in Schraudenbach Foto: Dr. Reinhard Bischoff

Dass der Erhalt der biologischen Vielfalt einer immer größeren Anzahl von Landwirten wichtig ist, zeige auch der Anstieg an Blühflächen im Landkreis. Bischoff teilt mit, dass 2019 auf 396 Hektar sogenannte Bienenweiden angesät sind. Eine Steigerung um 23 Prozent im Vergleich zu 2018. Dabei sind mit 54 Hektar die Landwirte in der Gemeinde Schonungen besonders aktiv.

Michael Vierheilig baut auf fast sechs Hektar ein- und mehrjährige Blühflächen an. Hier blüht, grünt und krabbelt es sehr. Auf einem Quadratmeter hat der Landwirt bereits zehn Hummeln zählen können. Vierheilig würde gerne noch mehr Blühflächen ansäen. Aber die hier im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes je Betrieb geförderte Fläche ist auf jeweils drei Hektar Blühfläche für einjährige und mehrjährige Blühpflanzen beschränkt. Die Kosten für die teure Ansaat und der Verzicht auf eine Ernte können jedoch seiner Meinung nach nicht allein vom Landwirt getragen werden. „Den Erhalt der Biodiversität kann es nicht zum Nulltarif geben.“

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