Bischof bei Podiumsdiskussion

Albrecht Garsky: „An der Basis lässt sich mit der eigenen Haltung ganz, ganz viel verändern.“ Foto: mATHIAS WiedemANN

Unter dem Titel „Zukunft hat begonnen – Visionen für eine Kirche von morgen“ lädt die Katholische Erwachsenenbildung am Donnerstag, 15. März, 19.30 Uhr, ins Dekanatszentrum in der Schultesstraße zu einer ungewöhnlichen Veranstaltung: Im Rahmen der Visitation wird sich Bischof Friedhelm Hofmann in einer Podiumsdiskussion den Fragen der Besucher stellen. Albrecht Garsky, Leiter der Erwachsenenbildung, zitiert in seiner Ankündigung Erich Fried: „Wer will, dass die Welt bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.“ Der Satz Erich Frieds treffe auch auf die Kirche zu. Doch was solle sich in welche Richtung verändern? Die Podiumsgäste stellen ihre Visionen vor und laden die Zuhörenden zum Dialog ein. Rede und Antwort stehen: Bischof Friedhelm Hofmann, Weihbischof Ulrich Boom, Werner May, Dekanatsratsvorsitzender, Dekan Reiner Fries, Sieglinde Schramm, Seniorenforum, und eine Vertreterin der Jugend. Moderation: Albrecht Garsky. Im Interview berichtet Garsky über Entstehung und Zielsetzung der Veranstaltung.

Frage: Man nimmt einen Bischof ja eher als Instanz wahr, eingebettet in ein Zeremoniell. Ist es ungewöhnlich, dass sich ein Bischof einer Podiumsdiskussion stellt?

Albrecht Garsky: Ja und nein. Anlass ist ja die Visitation von Bischof Hofmann in Schweinfurt. Und dabei wird er auch die Erwachsenenbildung besuchen. Und die präsentiert sich am besten mit einer Veranstaltung, das ist unser Hauptformat. Und da war die Frage, was machen wir – es gab den Vorschlag, dass wir ihm einen Vortrag halten oder er uns. Beide Alternativen waren mir zu platt. Und dann ist eben diese Form entstanden, die ich nicht so ungewöhnlich finde, das ist täglich Brot der Erwachsenenbildung – Horizonte erweitern, die Leute zum miteinander reden motivieren. Ich glaube, das müssen wir in der Kirche lernen: das nicht verletzende Sprechen, aber auch das Zuhören. Dass jetzt der Bischof dabei ist, das ist allerdings schon ungewöhnlich.

Wie hat man sich das vorzustellen: Sie haben einfach angefragt, ob er Lust hat, da mitzumachen?

Garsky: Ich habe überlegt, worüber die Leute ins Gespräch kommen sollten – ihre Visionen vielleicht oder ihre Träume, wie Martin Luther-King gesagt hat. Und das musste dann eben mit dem Bischof abgesprochen werden. Die Schweinfurter waren sofort einverstanden, also Dekan und Laienvertretung. Der Bischof macht mit.

Die katholische Kirche ist kein demokratisch verfasstes Gemeinwesen – wie groß sind denn die Möglichkeiten, von unten etwas zu bewirken?

Garsky: Das ist sicher Einschätzungssache. Da gibt es die Leute, die sagen, ich kann gar nichts machen, die Themen, die mir wichtig sind, entscheiden andere. Meine persönliche Sicht ists eine andere. Ich sage: An der Basis lässt sich mit der eigenen Haltung ganz, ganz viel verändern. Aber ändere ich damit die Weltkirche? Ich glaube schon – zwar nicht im Großen, wohl aber im Kleinen. Wo nehmen wir Kirche wahr? Natürlich über die Medien. Aber wichtiger ist doch die emotionale Ebene, die ich vor Ort in meinem Umfeld erfahre. Im Judentum heißt es, verändere einen Menschen und du veränderst die ganze Welt.

Was glauben Sie, was an brennenden Themen auf den Tisch kommen wird?

Garsky: Dass der Umgang der Weltkirche mit Themen wie Zölibat der Priester und Priestertum der Frau an der Basis als Mangel wahrgenommen wird, ist klar. Und dass da Emotionen sind, ist auch klar. Daran lässt sich an dem Abend de facto nichts ändern. Das kann auch der Bischof nicht, selbst, wenn er wollte. Wer erwartet, dass an dem Abend die großen Themen entschieden werden, der wird enttäuscht nach Hause gehen. Aber, wie gesagt, im Kleinen, da lässt sich viel ändern. Themen müssen nicht unter den Tisch gekehrt werden. Das sind brennende Anliegen, und wenn das an dem Abend dem Bischof einmal mehr klargemacht wird, dann wäre das meiner Meinung nach schon ein Erfolg. Dass er vielleicht merkt: Mit wegducken kriegen wir das nicht hin. Allerdings müssen die Leute ihrerseits verstehen, dass der Bischof auch in einem Boot sitzt, einem anderen zwar, aber eben einem Boot, aus dem er nicht kann. Wenn also an dem Abend Verständnis für die jeweils andere Seite entstehen würde, wäre ich hochzufrieden.

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