Kreis Schweinfurt

Bitte der Apotheker: Ruhe bewahren

Auch der Apotheken-Großhandel hat extrem viel zu tun. Es werden vor allem Fiebermittel gekauft.
Mit viel Abstand warten die Kunden der Rathaus Apotheke Euerbach außerhalb des Gebäudes darauf, bedient zu werden.
Mit viel Abstand warten die Kunden der Rathaus Apotheke Euerbach außerhalb des Gebäudes darauf, bedient zu werden. Foto: Silvia Eidel

Ruhe bewahren, nicht in Panik verfallen, aber die Lage ernst nehmen und die WHO-Maßnahmen befolgen wie Hände waschen, Abstand halten und Kontakte meiden: So appelliert der Ansprechpartner der Bayerischen Apothekerkammer im Landkreis Schweinfurt, Heiko Zimny von der Rückert-Apotheke in Stadtlauringen, in Corona-Zeiten an die Bevölkerung im Kreis.

Zwar war auch in seinen Apotheken in Stadtlauringen und Maßbach in den vergangenen Tagen die Nachfrage vor allem nach Erkältungsmitteln groß. "Fiebermittel werden mehr gekauft", sagt er. Aber wenn jemand zu viel davon möchte, "würde ich die Abgabe beschränken". Zumal auch das Verfallsdatum zu beachten sei. Auch der Hang zur Bevorratung von Medikamenten chronisch Kranker sei bei Patienten hoch.

Grundsätzlich laufe aber alles "deutsch geordnet": "Die Leute sind vernünftig", halten Abstand. Dafür sorgt in seiner Rückert-Apotheke ganz banal ein aufgestellter Stuhl. Und die Fläche für den Handverkauf werde viel häufiger als sonst desinfiziert, weil noch immer Kunden, entgegen der Bitte, ihre Utensilien dort ablegen würden. Eher weniger Beratung als sonst sei gefragt, meint Apotheker Zimny. "Die Leute holen ihre Ware und setzen sich heim", hat er den Eindruck.

Auch der Apotheken-Großhandel hat extrem viel zu tun, erklärt in Werneck Peter Vanselow, Delegierter der Bayerischen Landesapothekerkammer. "Ein Beispiel: Sie bitten darum, die Liefer-Kisten zurückzugeben", sagt er. Aber das Lieferauto sei immer voller neuer Medikamente, so dass dafür kein Platz sei.

Die bekannten Nachschubprobleme bei manchen Medikamenten würden "jetzt nicht besser, wenn gebunkert wird", bekennt Vanselow. Zusätzlich mache auch die Bürokratie Probleme: "Wir müssen jetzt eine Notstandsnummer aufs Rezept drucken, wenn die Vertragsmedizin der jeweiligen Krankenkasse nicht lieferbar ist." Normalerweise müsse die Apotheke in so einem Fall den verordnenden Arzt anrufen, das Rezept an ihn zur Änderung zurückschicken. "Aber rufen Sie jetzt mal einen Arzt deswegen an!" Erst in einem dreiviertel Jahr könne die Apotheke dann sehen, ob die Krankenkasse das andere Medikament auch zahlt. "Wir wissen nicht, was hinterher daraus wird".

Natürlich habe er engen Kontakt zur Kammer und jeder bemühe sich auch in dieser Situation. "Aber stündlich kommt was neues ‚rein", sagt Vanselow. Auch er bittet die Bevölkerung, so zu handeln wie sonst auch. "Wir fahren die Medikamente auch aus, auch kontaktlos bekommen die Patienten ihre Medizin", beruhigt er.

Von längeren Öffnungszeiten der Vanselow-Apotheke, deren Inhaberin Martina Keller ist, hält er nichts. "Wir haben lange genug geöffnet und wenn jemand etwas braucht, kann er anrufen". Auch Heiko Zimny ist dagegen. "So etwas ist auch ein Zeichen, das dann entsprechend interpretiert wird".

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