SCHWEINFURT

Blacky und die Russen-Mafia

Neuer Schweinfurt-Krimi: Christian „Blacky“ Schwarz und Lothar Reichel (rechts) bei einer Lesung: Ihre Roman-Beziehung geht jetzt mit „Raunachtgrauen – Blacky in der Unterwelt“ in die neunte Runde. Foto: Josef Lamber

Abgründe, verborgene Welten: Lothar Reichel, Vater der Schweinfurt-Krimis, fühlt sich davon angezogen. Der Blick hinter bürgerliche Fassaden, das Entlarven von Menschen, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein: Reichel macht das ebenso gekonnt wie gerne in seinen Kriminalromanen um Christian Blacky Schwarz, den real existierenden Rundfunkreporter, der in den Krimis so gerne Detektiv spielt.

Ein Aspekt, der die Schweinfurt-Krimis so besonders macht: Hier trifft Fantasie auf Realität. Denn die sonore Stimme des Krimihelden kann man im echten Leben tatsächlich im Radio hören. Das bringt dem Leser die Buchwelt doch ziemlich nahe. Lothar Reichel lässt Blacky jetzt zum neunten Mal ermitteln: „Rauhnachtgrauen – Blacky in der Unterwelt“ heißt das Buch, das in den Schweinfurter Buchhandlungen liegt.

Inspiriert von TV-Serien

Das strebsame, industriegeprägte, nüchterne Schweinfurt als Schauplatz eines Mafia-Krieges? Gewalt, Bandenkrieg zwischen Rückert-Denkmal und Hafen? Dazu ein Verbrecherboss mit dem schönen Namen Zar, der als Vertrauensbeweis von seinen Mitarbeitern ein Stück eines ihrer Finger fordert? „Ja, es geht ganz schön zur Sache“, meint Reichel. Er habe sich schließlich von Serien inspirieren lassen. Die Kapitel des Buches, alles einzelne Tage, sind entsprechend wie Episoden einer TV-Serie aufgebaut. Figuren und Themen in Serienmanier wieder aufleben lassen: Eine nette Idee, findet Reichel.

Deswegen hat es ihm wohl auch besonderen Spaß gemacht, dass seine Heldin, die Polizistin Kerstin Weiß, etwas dämlich dasteht, als sie zugeben muss, die Serie „Homeland“ nicht zu kennen. Auf der anderen Seite Blacky Schwarz, der zu dem Schluss kommt, dass die Mafia-Serie „Die Sopranos“ ein Kinderfilm ist im Vergleich zu dem, was in Schweinfurt passiert. Und warum gerade Russenmafia? „Die waren einfach mal dran“, sagt Reichel. Der Gedanke, dass es in einer Stadt wie Schweinfurt unzählige Communities gibt, hat ihn fasziniert. „Ich spiele mit der Idee, Schweinfurts verborgene Welten zu zeigen.“

Strickt er an einer Saga? Reichel gefällt der Gedanke. Einen Kosmos will er entwerfen, Milieus entdecken und beschreiben. Oder,wie er sagt: Keinen Bratwurstkrimi, keine „Erzählerles“ schreiben. So will er einen Kriminalroman, der in Unterfranken spielt, nämlich nicht anlegen. Er will nicht möglichst viel fränkeln, viel Lokalkolorit unterbringen und darüber vergessen, was ihm am wichtigsten ist: die Sprache. Die Frage, wer der Mörder war, ist schon wichtig. Auch die Psychologie der Figuren. Aber wichtiger als das Ziel ist für Lothar Reichel der Weg, die Sprache. „Man kann auch in solchen Krimis sorgfältig mit der Sprache arbeiten.“

2011 ließ Reichel Blacky Schwarz das erste Mal in ein Verbrechen tappen. Acht Bände sind gefolgt. Die Fangemeinde wartet seitdem jedes Jahr auf ein neues Buch. Für Blacky und Kerstin ist aber erst ein knappes Jahr vergangen. Band eins, „Kindertotenlieder“ spielt im Fasching, „Rauhnachtgrauen“ in der Weihnachtszeit. Deswegen kann Reichel auch nicht die Frage beantworten, ob aus den beiden was Ernstes wird , immerhin wollen sie im neunten Band mal zusammen wegfahren. Das Thema scheint die Leser aber zu beschäftigen. „Diese Kerstin ist keine Frau für Blacky, der braucht eine andere“, hat ihm jüngst eine Frau beim Einkaufen gesagt. Es wird also ein spannendes, neues Jahr für Blacky und Kerstin und ihre Schweinfurter Welt. Zumal sich bei Buch-Blacky eine dramatische Entwicklung abzeichnet. Er wird alt. Schäkern, den Charmeur geben? Das ging acht Bände lang. Jetzt ist aus dem Frauenschwarm ein Radio-Onkel geworden. Wenn das nicht neugierig auf den nächsten Band macht...

„Rauhnachtgrauen“, Krimi, im Buchverlag Lothar Reichel erschienen, 11 Euro.

Rückblick

  1. Schülerwettbewerb in Schweinfurt: Kreatives rund um Friedrich Rückert
  2. Berührend und witzig zugleich
  3. Die Bedeutung von Immigration
  4. Ein „Tiger“ im offenen Hemd
  5. Ursina Maria Braun spielt Bach
  6. Eine tragische Familienchronik
  7. Rossini, Donizetti, Verdi und Puccini
  8. Musicalerlebnis von David Bowie
  9. Neue Sicht auf den alten „König Lear“
  10. Eine Geschichte um Freundschaft und Liebe
  11. Kammermusik mit Querflöte und Harfe
  12. Der Kampf um ein neues Südafrika
  13. Eine wunderbare Freundschaft
  14. Vom Konflikt zwischen Aberglaube und Vernunft
  15. Wie der Schweinfurter Alltag lebendig wird
  16. Talent kennt kein Geschlecht
  17. Zurück aus der Vergangenheit
  18. Irland – Zauber der grünen Insel
  19. Blitzgscheid und sümbaddisch
  20. Laut, energiegeladen und wild
  21. Mit Bauernschläue und Witz
  22. Die Vielfalt des Poetry-Slam
  23. Whiskykunde und ägyptische Märchen
  24. Helene Köppel übergibt zwei komplette Bände
  25. Schwerkraft - Fliehkraft noch bis 8. März
  26. Gitarristen aus der ganzen Welt zeigen ihr Können
  27. Ein Schlüssel zur emotionalen Welt
  28. Rund 60 internationale und deutsche Produktionen
  29. Auf der Suche nach Heimat
  30. Hip Hop, Theater und Gitarrenkurs
  31. Rhythmus und Klang
  32. „Kunst bewegt uns alle!“
  33. Work-Life-Balance im Workshop erlernen
  34. Unterwegs zu Lieblingsplätzen
  35. Kirchenmusik in St. Johannis
  36. Die eigene Lebensgeschichte
  37. Poetry Slam Saisonfinale
  38. Führung mit dem Nachtwächter
  39. Vorleseaktionen für Kinder von 4 bis 6 Jahren
  40. Der Weg in ein eigenes Leben
  41. Mit Leichtigkeit und Transparenz
  42. Die hohe Kunst des Tanzes
  43. Getanzte Leidenschaft in Vollendung
  44. Hommage an Bach
  45. Freies Spiel der Hormone
  46. Die Experten in Sachen Informel
  47. Ein lebendiger Ort der Kunst
  48. In der prachtvollen Welt des russischen Zirkus
  49. Violine, Klarinette und Klavier
  50. Eine anrührende Liebe mit tragischem Ende

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