WAIGOLSHAUSEN

Blumenschönheit und Süßkartoffel

Mit üppiger Blütenpracht füllen bereits die Sommerblumen die Gewächshäuser der hiesigen Gärtnereien. Zum Start der Gartensaison laden die bayerischen Gärtnereibetriebe deshalb an diesem Samstag, 23. April, wieder zum Tag der offenen Gärtnerei ein, um die Pflanzentrends dieses Sommers zu präsentieren. Im Mittelpunkt der Pflanzenvielfalt stehen werden „Bee- Dance“ und „Batata Bavaria“, die diesjährigen Lieblinge der Gärtner. Unter Beteiligung von rund 300 bayerischen Gärtnereibetrieben wurden sie zur Pflanze und zum Gemüse des Jahres gewählt.

Als solche mit einer kräftigen Sekttaufe offiziell gekürt wurden die orangerote Blumenschönheit und die Süßkartoffel der Sorte Evangeline bei einer unterfrankenweiten Auftaktveranstaltung in der Gärtnerei Benkert von ihrer „Patin“ MdB Anja Weisgerber, Regierungspräsident Paul Beinhofer und Landrat Florian Töpper. Während es die vom Bayerischen Gärtnerei-Verband (BGV) organisierte Aktion der Pflanze des Jahres seit 2001 gibt, kam das Gemüse des Jahres erst 2015 neu hinzu. Was, wie Beinhofer sagte, dem Trend Rechnung trägt, dass „kulinarische Genüsse immer wichtiger werden“.

Besonderheit der dauerhaft blühenden „BeeDance“ mit der Sortenbezeichnung Painted Red ist, dass ihre Blütenspitzen je nach Witterung in verschiedenen Rottönen leuchten. Doch wie der Name, für dessen Findung es laut Bezirksobermeister Friedrich Reim beim verantwortlichen Gremium einiger Bocksbeutel bedurfte, andeutet, ist die dauerhaft blühende Pflanze auch bei Haus- und Wildbienen sehr beliebt. Ein Kriterium, das den Gärtnern bei ihrer Wahl diesmal sehr am Herzen lag, wie Reim hervorhob.

Besser als mit der Kür dieser bienenfreundlichen Pflanze hätte es nicht kommen können, schwärmte Angelika Imgrund, Leiterin des Natur- und Umweltgarten Reichelshof, wo seit einem Jahr mit Aktionen das Bewusstsein für die bedrohten Bienen geschärft werde. Dass „BeeDance“ zudem unter dem Slogan „Willis Bienenparty“ mit einer Auswahl von ebenfalls bienenfreundlichen Begleitpflanzen beworben wird, wertete sie als „ganz tolles Signal“.

Mit den schönen Blühpflanzen könne nun jeder im Garten oder auf dem Balkon den als Blütenbestäuber unverzichtbaren Helfern etwas Gutes tun, sagte Weisgerber, die auch Schirmherrin der Aktion „Schweinfurt summt“ ist. Schließlich sei es in den letzten Jahren „um die Bienen dramatisch schlecht bestellt gewesen“, so Beinhofer. Von Reim kam die Anregung, das Netzwerk der Gärtner zu nutzen, damit ganz „Unterfranken summt“.

Gärtnereiinhaber Rupert Benkert nutzte die Veranstaltung, um auch auf die Situation der Gärtnereibetriebe aufmerksam zu machen, die in einem immer härter werdenden Wettbewerb zur oft ausländischen Billigware aus den Supermärkten und Discountern stünden. Kundennähe, Qualität, Service und handwerkliche Produktion als großes Plus der regionalen Endverkaufsbetriebe werden vom Verbraucher oftmals nicht honoriert, wie das Einkaufsverhalten zeige, sagte Benkert. Meist zähle nur der Geldbeutel, weshalb die Gärtnereibetriebe auch bei Aufträgen der öffentlichen Hand oft „in die Röhre schauen“.

Zudem kämen von Berlin mehr, statt weniger Hürden, kritisierte BGV-Vizepräsident Jürgen Herrmannsdörfer und nannte das Stichwort „Verpackungsordnung für Blumentöpfe“. Deshalb wären die Gärtnereibetriebe schon froh, „wenn sie für uns nichts Negatives machen und uns in Ruhe arbeiten lassen“, stellte er in Richtung der Politik fest.

Zwei Themen sprach er direkt an. Zum einen den „nur noch negativ belegten“ Pflanzenschutz. Unverständnis zeigte er dafür, dass die Gärtnereien mit ihren „geschlossenen Systemen“ vielfach mit der Landwirtschaft in einen Topf geworfen würden. In der Vergangenheit seien so gute Mittel vom Markt genommen worden. Bei Verboten sollten deshalb auch mal Alternativen aufgezeigt werden, forderte Herrmannsdörfer.

Kritik äußerte er auch darüber, dass keine „funktionierenden Kassen“ mehr eingesetzt werden dürfen: „Wir leben in Bayern und nicht in Griechenland.“ So mussten erst vor wenigen Jahren wegen drei verschiedener Mehrwertsteuersätze neue Registrierkassen angeschafft werden. Nun stehe schon wieder eine neue Umstellung auf digitale und speicherfähige Kassen an.

Der Landkreis weiß, was er an seinen Gärtnern hat, versicherte Landrat Töpper. Beinhofer lobte das nachhaltige und ressourcenschonende Wirtschaften der hiesigen Betriebe, mit dem sie ihrer Verantwortung für die Umwelt gerecht würden. Zum Hintergrund der Tauf-Aktion gehören deshalb auch die regionalen Betriebe und ihre Vorzüge gegenüber der starken Konkurrenz ins Bild zu setzen.

Im Anschluss an den Tag der offenen Tür veranstaltet die Gärtnerei Benkert am Sonntag ab 17 Uhr ein Konzert mit dem „Rhönquartett“. Spenden und Verkaufserlöse aus der Bewirtung kommen einem Wiederaufbau-Projekt in Nepal zugute.

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