Grafenrheinfeld

Brandschutz im AKW Grafenrheinfeld: Ehrenamtliche gefordert

AKW-Betreiber Preussen-Elektra will seine Werkfeuerwehr deutlich verkleinern. Dann wären die Freiwilligen Feuerwehren aus Grafenrheinfeld und Umgebung nachts alleine für den Brandschutz im stillgelegten Atommeiler zuständig. Das Archivbild stammt von einer öffentlichen Schauübung... Foto: Anand Anders

Spätestens 2021 will Preussen-Elektra als Betreiber des stillgelegten AKW Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt), das derzeit zurückgebaut wird, seine Werkfeuerwehr deutlich verkleinern. Dann bekämen die ehrenamtlichen Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden mehr Verantwortung. Die Sorge um die Sicherheit von Einsatzkräften und Bevölkerung hatte eine lange politische Debatte entflammt, die ihren ersten Höhepunkt im Herbst 2016 beim Erörterungstermin für die Abbaugenehmigung gefunden hatte.

Unter anderem forderte der Gemeinderat von Grafenrheinfeld, dass die Werkfeuerwehr bis zum Ende der Abbauarbeiten bestehen bleibt. Die Grünen scheiterten im April mit einem Antrag im Umweltausschuss des Landtages, die Feuerwehr zu erhalten, bis stillgelegte AKW aus der atomrechtlichen Überwachung genommen werden. Das ist für Grafenrheinfeld 2027 vorgesehen, wenn sämtliches Inventar aus den Gebäuden entfernt sein wird.

Brandlasten nehmen ab

Preussen-Elektra hat aber beim Umweltministerium beantragt, den Brandschutz deutlich früher neu zu organisieren. Nämlich "frühestens Mitte 2021", wie Werksleiter Bernd Kaiser auf Anfrage der Redaktion sagte. Zum Jahresende 2020 werden die letzten hochradioaktiven Brennelemente ins benachbarte Zwischenlager transportiert werden. Damit, so Kaiser, sei dann das Gefährdungspotenzial durch strahlende Substanzen deutlich reduziert. Zudem minimiere man bereits jetzt Brandlasten wie Öle, die aus Pumpen und anderen Maschinen entfernt werden. Sie machten aus Brandschutzsicht das größte Risiko aus.

Laut einer Sprecherin von Preussen-Elektra besteht die Werkfeuerwehr, die ein externer Dienstleiter im Auftrag des Unternehmens betreibt, aus 43 Personen, die abwechselnd als Gruppen rund um die Uhr vor Ort bereitstehen. Unterstützt werden sie von einem neunköpfigen Team nebenberuflicher Wehrleute. Das Unternehmen möchte die Werkfeuerwehr zu einer Betriebsfeuerwehr umgestalten. Vereinfacht formuliert wäre dies eine Art Freiwillige Feuerwehr innerhalb des Betriebs, die aus ausgebildeten Mitarbeitern besteht, die im Ernst- und Übungsfall ihre sonstige Arbeit ruhen lassen und Einsatzgruppen bilden. Ansonsten greift man auf die Wehren der umliegenden Gemeinden zurück. Das wäre bereits heute schon der Fall, wenn die Kapazität der Werkfeuerwehr bei einem Einsatz nicht ausreichen sollte.

Kompromiss mit den Ehrenamtlichen

Die öffentliche Debatte habe zu einem Entgegenkommen des Unternehmens gegenüber den Freiwilligen Feuerwehren beigetragen, wie Kaiser sagte. Bei einem Treffen konnten  Kommunalpolitiker, Wehrleute und Behördenvertreter ihre Einschätzungen und Bedenken vortragen. Es habe sich herauskristallisiert, dass die ehrenamtlichen Wehren vor allem tagsüber, wenn die Feurerwehrleute ihren Berufen nachgehen, die notwendige Einsatzgröße nicht problemlos garantieren könnten. Deswegen habe sich Preussen-Elektra entschieden, tagsüber eine eigene permanente Löschgruppe mit neun Personen vorzuhalten. Die anderen Zeiten sollen die Gemeinde-Feuerwehren absichern.

Werksleiter Bernd Kaiser hält dies für ausreichend, da ab 2021 nachts keine Arbeiten in der Anlage vorgenommen würden. Strahlendes Material sei dann nur noch in geringem Umfang vorhanden; die Ausrüstung von Atemschutzträgern würde beim Einsatz verhindern, dass Partikel in die Körper von Wehrleuten eindringen können. Zudem würden die Grenzwerte für ABC-Einsätze der Feuerwehren unterschritten und die werkseigenen Strahlenschützer würden weiterhin Einsatzbereiche für Feuerwehrleute freigeben oder sperren.

"Der abwehrende Brandschutz ist voll umfänglich erfüllt."
Preussen-Elektra zur geplanten Verkleinerung der AKW-Feuerwehr

Der Kommandant der Grafenrheinfelder Feuerwehr, Sven Schreiner, hat aufgrund des Wissens und Könnens seiner Mannschaft keine Bedenken vor Einsätzen im stillgelegten AKW. Bereits mehrfach habe man mit der Werkfeuerwehr gemeinsam geübt, Mitglieder der Werkfeuerwehr seien in ihrer Freizeit auch bei der Gemeindewehr aktiv - der Kontakt sei eng. "Es kommt nicht viel Neues hinzu", schätzt Schreiner, selbst als Werk-Feuerwehrmann in der Schweinfurter Großindustrie tätig, das künftige Aufgabengebiet seiner Wehr ein.

Für optimale Rahmenbedingungen will sich Kreisbrandrat Holger Strunk bei den anstehenden Detailverhandlungen einsetzen: "Man muss das mit Maß und Verstand angehen." So soll Preussen-Elektra rund um die Uhr einen Strahlenschutzexperten und Personal mit guter Ortskunde für den Ernstfall vorhalten.

Betreiber soll Fortbildungskosten übernehmen

Strunk und Schreiner plädieren auch dafür, dass der Betreiber Kosten für notwendige Lehrgänge und Lohnausfälle übernimmt. Wohl auch vor dem Hintergrund, dass das Unternehmen einen Teil des Brandschutzes auf die Allgemeinheit überträgt. Aus diesem Grund nennt Grünen-Abgeordneter Paul Knoblach (Bergrheinfeld), der den Brandschutz stillgelegter AKW im Landtag thematisiert hatte, die Brandschutzpläne in Grafenrheinfeld einen "oberfaulen Kompromiss". Der Betreiber stehe in der Pflicht, in der Abbauphase für einen maximalen Schutz der Bevölkerung zu sorgen. 

Wirtschaftliche Betrachtungen seien Teil der Pläne, sagte AKW-Chef Kaiser, auch wenn er keine Zahlen nannte. Die Frage zum Einsparpotenzial ließ auch eine Preussen-Elektra-Sprecherin auf Anfrage offen. Auch die künftige Größe der Wehr stehe derzeit noch nicht fest. Nach den bislang vorliegenden Informationen ist aber davon auszugehen, dass die künftige Betriebsfeuerwehr nur noch halb so groß sein dürfte wie die jetzige Werkfeuerwehr. In Feuerwehrportalen werden Jahreslohnsummen für Werkfeuerwehrler auf 40000 bis 45000 Euro beziffert.

Wehr auch zuständig für Zwischenlager

Derzeit ist die Werkfeuerwehr auch für das atomare Zwischenlager zuständig, das sich auf dem Kraftwerksgelände befindet und dessen Betrieb zu Jahresbeginn auf die staatliche Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übergegangen ist. Man verfolge Pläne, das Lager vom bisherigen Betreiber Preussen-Elektra autark zu machen, sagte Leiter Jürgen Bruder auf Anfrage der Redaktion. Deswegen werde die Anlage, die eine Betriebsgenehmigung zunächst bis 2046 hat, wenn der AKW-Rückbau längst abgeschlossen sein soll, auch feuerwehrtechnisch geprüft.

Das Sicherheitskonzept des Zwischenlagers basiert darauf, dass nicht das Gebäude, sondern die Lagerbehälter, in denen die Brennelemente verpackt sind, den Austritt von Radioaktivität verhindern sollen. Laut GNS, Hersteller der Castor-Behälter, hätten Tests belegt, dass sie mindestens einem halbstündigen Feuer mit 800 Grad Hitze standhalten "ohne Verlust ihrer Sicherheitsfunktion".

Preussen-Elektra sieht mit den Plänen  den Brandschutz auf dem Werksgelände dauerhaft und "voll umfänglich" gesichert. In den vergangenen fünf Jahren hat es laut Kaiser zwei Einsätze gegeben: Es brannten ein Abfalleimer und ein Aschenbecher.

Rückblick

  1. Rückbau im AKW Grafenrheinfeld: Die letzten Brennelemente
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  3. Brandschutz im AKW Grafenrheinfeld: Ehrenamtliche gefordert
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