Breitenbach: „Die Legionäre Christi gehören aufgelöst“

Die Pfarrmission in Wasserlosen, zu der die Pfarreiengemeinschaft Maria Hilf und ihr Pfarrer Christoph Dörringer in der Karwoche die Legionäre Christi eingeladen hat (wir berichteten), „hat bei vielen Missbrauchsopfern alte Wunden wieder aufgerissen“, sagt Roland Breitenbach (Foto). Betroffene haben sich beim Seelsorger von St. Michael Schweinfurt gemeldet, bei denen allein der Name Legionäre Christi „Ängste und Wut ausgelöst haben“, schildert Breitenbach.

Er hat wegen des „sogar bejubelten Auftreten“ des Ordens im Landkreis in einem Schreiben an das Generalvikariat Würzburg die dringende Bitte formuliert, „diese Art von Volksmission nicht mehr zuzulassen“. Eine Antwort hat er nicht erhalten, „wie erwartet“, sagt Breitenbach, der nach 14 Tagen auch mit keiner Antwort mehr rechnet.

Die Legionäre Christi wurden 1941 von Marcial Maciel in Mexiko gegründet. Sie sind in 22 Ländern aktiv, der Orden gilt als sehr konservativ, mit militärischer Disziplin sollte der Dienst an der Kirche verrichtet werden, heißt es. Ihr Laienbereich nennt sich Regnum Christi. Kritik um den Orden gab es nicht nur wegen der Skandale um den Gründer, der Seminaristen missbrauchte und trotz Zölibats Kinder zeugte. Kritisiert wurde die Einschränkung der persönlichen Freiheit der Seminaristen. Dem Orden wurden sektenartige Merkmale attestiert. Auch die undurchsichtige Finanzstruktur des Ordens, der in Lateinamerika „Millionäre Gottes“ bezeichnet wird, sorgte für Kritik innerhalb der Kirche.

All das listete Breitenbach als weitere Reaktion in seinem im Anzeigenblatt dieser Zeitung „Der Markt“ regelmäßig veröffentlichten „Ortsgespräch“ auf. Darauf gab es viel Zustimmung. In einem Gespräch mit dieser Zeitung forderte Breitenbach nun die Auflösung des Ordens als „beste Lösung“. Nur so sei das ein wirklicher Neuanfang, weil immer noch mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder „aus der alten Schule sind“.

Bis Ostersonntag weilten vier Gastpriester der Legionäre Christi in Wasserlosen mit Pater Martin Baranowski an der Spitze. Sie hatten auch jugendliche Mitglieder mitgebracht, die in ihren Ferien die Lehre verbreiten. Baranowski hielt auch einen Vortrag, das Thema war Internet. Ein öffentliches Gespräch über die unrühmliche Vergangenheit des Ordens gab es nicht.

Während sich Pfarrer Dörringer mit der Mission zufrieden zeigte, gab es auch in der Pfarreiengemeinschaft und durch die Bewegung „Wir sind Kirche“ Kritik am Auftritt. Breitenbach zeigt sich – auch wegen der Anrufe von Opfern bei ihm – entsetzt. Was Papst Franziskus an Freiheit in die Kirche gebracht habe, das wollen die Legionäre „am liebsten sofort stornieren. Freiheit passt nicht in ihr militärisches System. Nur absoluter Gehorsam ist gefragt“, sagt er.

Der Klerikalismus dieses Ordens, den der Michael-Pfarrer eine Sekte nennt, besage, dass der Priester alles sei, „der einfache Christ aber nichts“. Unter diesem Tarnanzug sei der „massenhafte Missbrauch von Kindern doch ein frommes Kinderspiel“ gewesen.

Breitenbach äußerte sich erneut auch zum „immensen Kapital, das den Orden am Leben hält“. Weltweit sollen es Milliarden sein. Bei seinem Besuch kürzlich in Israel habe er am See Genezareth ein Millionenprojekt der Legionäre aus Kirche, Tagungszentrum und Gästehäusern gesehen, „um verstärkt Mission betreiben zu können“, sagt er. Nur mit dem Evangelium Jesu, der Frohen Botschaft, habe das nichts mehr zu tun. Er zweifelt auch nicht an, dass viele in den Orden eingetretene junge Männer charismatisch begabt sind. „Aber was nützt alle spirituelle Begabung, wenn sie im Machtmissbrauch über Menschen endet?“, fragt er.

Der Schweinfurter Seelsorger bedauerte, dass der Vatikan bisher bestenfalls von Schuld, nicht aber von Verbrechen gesprochen habe. „Die Leiden der Opfer bleiben nach wie vor nicht im Blick, von Entschädigung kann keine Rede sein“, sagt Breitenbach. Es sei ihm jedenfalls schleierhaft, warum deutsche Bischöfe, die gerade die bitteren Erfahrungen des Kindesmissbrauchs überstanden hätten, „bei diesem Orden wegsehen und ihn sogar in ihren Bistümern missionieren lassen“.

Auf Breitenbachs jüngstes „Ortsgespräch“ hat Baranowski reagiert und in einem Schreiben erklärt, dass es „an den traurigen Ereignissen der Ordensgeschichte nichts zu beschönigen gibt“. Allerdings nennt der Legionär Christi die vielfachen Missetaten des Gründers, sogar an den eigenen Kindern, nur ein „Fehlverhalten“. Die Leiden und der Skandal, welche dies bei vielen Menschen ausgelöst habe, „tun mir aufrichtig leid“, schreibt Baranowski, der danach ausführlich auf die Missbrauchsfälle und den fast vierjährigen Erneuerungsprozess eingeht.

Es seien 35 der über 1100 Priester des Ordens des Missbrauchs verdächtigt, aber nur neun schuldig gesprochen und mit kirchenrechtlichen Sanktionen belegt worden. Am Ende drückt Baranowski seine Hoffnung aus, dass es „auch eine Chance zu einem Neuanfang gibt“.

Breitenbach schreibt in seiner prompten Erwiderung, dass Baranowskis Schilderung zum Fehlverhalten „sehr beschönigend klingt, wie so manches andere aus Ihrer Gemeinschaft“. Das richtige Wort sei „Verbrechen des Gründers, und das alles unter dem Schutz eines Papstes“. Dass eine Organisation, die laut Breitenbach nahe am Konkurs sei, sich in Israel ein Millionenprojekt leisten könne, glaube er nicht. Breitenbach wiederholt, dass der „einzige richtige Weg die Auflösung des Ordens ist, um einen wirklichen Neuanfang zu starten, ohne einen Kinderschänder als Symbolfigur.“

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