POPPENHAUSEN

Bremst Abstandsregel Genossenschaft aus?

Der Landkreis Schweinfurt zählt zu den unterfränkischen Regionen, wo sich derzeit sehr viele Windräder drehen: 19 sind am Netz; die gleiche Anzahl ist schon genehmigt, manche sind schon in Bau. Nimmt man laufende Antragsverfahren und lose Anfragen hinzu, könnte die Zahl in den nächsten Jahren auf etwa 90 steigen. 20 Areale werden derzeit im Regionalplan definiert, über den seit Jahren debattiert wird. Gegenwind kommt allerdings nicht nur von Kritikern vor Ort, sondern auch aus der bayerischen Staatskanzlei. Das Windpark-Projekt bei Maibach, hat dies um etwa ein Vierteljahr zurückgeworfen, sagt Werner Göbel von der Energiegenossenschaft Oberes Werntal mit Sitz in Poppenhausen.

Seit August kursiert ein Schreiben dreier Ministerien an die Kreisverwaltungsbehörden, die den Bau von Windkraftanlagen genehmigen. Darin findet sich eine Art Handlungsempfehlung, welche Kriterien neben den gesetzlichen Vorgaben bei der Entscheidung zu berücksichtigen sind. Unter anderem soll die Wirtschaftlichkeit von Projekten sondiert werden.

Auch auf Abstände zu Wohnhäusern, die in begründeten Fällen größer sein können als die erforderlichen Mindestabstände zur Wohnbebauung, und auf Höhenbeschränkung geht das Schreiben ein. Es erinnert an den H10-Vorschlag von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der derzeit im Bundesrat behandelt wird. Demnach sollen Windräder den zehnfachen Abstand ihrer Höhe zu Wohnhäusern einhalten: Das wären etwa 2000 Meter. „Dann würden im Landkreis drei minimale Teilstücke“ für die Windkraft übrig bleiben, vermutet Werner Göbel von der Energiegenossenschaft Oberes Werntal.

Dann wäre auch das Gebiet WK 34 bei Maibach obsolet. Dort aber möchten die Poppenhausener Genossen ihren Windpark realisieren. Nach ausgiebiger Überzeugungsarbeit, wie Göbel sagt, habe man sich nun 50 Prozent der Flächen in Vorverträgen gesichert. Sechs Anlagen sollen dort stehen, zwölf wären planerisch möglich. Doch von der Reduzierung erhofft sich die Genossenschaft eine verbesserte Optik am Standort und eine gesteigerte Wirtschaftlichkeit, weil sich zu viele Windräder gegenseitig stören würden.

„Es geht nur mit den Bürgern zusammen“, ist Göbel überzeugt, weswegen er froh ist, dass kein auswärtiger Investor die „Goldgräberstimmung“ ausgenutzt und Zugriff auf das Gebiet hat. Denn hinter dem Genossenschaftsgedanken steht die Idee, die Stromerzeugung in den eigenen Händen und damit in der Region zu halten. Auch wenn die Grundstückseigentümer mit weniger Pacht rechnen müssen als wenn große Windkraft-Unternehmen einstiegen. Der Grundgedanke der Initiatoren geht noch viel weiter: zu einer eigenen Stromversorgung mit eigenem Netz. Poppenhausens Bürger zahlten derzeit geschätzte fünf Millionen Euro pro Jahr für ihren Strom. Mit einer Eigenversorgung könne die Hälfte dieses Kapitals vor Ort bleiben, rechnet Göbel vor.

Bis Jahresende 2014 soll der Maibacher Windpark am Netz sein. Ein ehrgeiziges Ziel für Göbel und die über 100 Genossen. Die Diskussion um den Seehofer-Vorschlag habe nicht nur für Verunsicherung und Blockaden andernorts geführt, sagt Göbel, sondern auch das Projekt bei Maibach um ein Vierteljahr verzögert. Inklusive des Wartens auf einen Förderantrag. Jener sei nötig, um Windmessungen zu ermöglichen. 100 000 Euro muss die Genossenschaft darin investieren. Erst wenn sich herausstellt, ob der Standort tatsächlich wirtschaftlich betrieben werden kann, ist es der Genossenschaft möglich, das Kapital für den Bau aufzunehmen. Das Risiko der Genossen: Fehlt genügend Wind, ist das Projekt tot.

Oder eben neue Abstandsregeln a la Seehofer machen dem Windpark den Garaus. Das ministerielle Schreiben an die Landratsämter „entbehrt jeder Grundlage“, sagt Göbel daher. Es widerspreche Bundes- und EU-Recht. In seinen Augen habe die Politik die Verantwortung einfach auf die unterste Verwaltungsebene abgeschoben.

Das Landratsamt ist allerdings gehalten, sich an den Empfehlungen zu orientieren, heißt es aus der Behörde gegenüber dieser Zeitung. Somit würden „die neu aufgeworfenen Fragen – soweit rechtlich möglich – berücksichtigt“. Insbesondere werde versucht, möglichst konsensuale Lösungen zu finden. An Spekulationen, welche Auswirkungen vor allem die H10-Regel auf die 20 Windkraftareale im Landkreis Schweinfurt haben könnten, will sich das Landratsamt nicht beteiligen.

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