Üchtelhausen

Brönnhof: Wo einst die Panzer rollten, weiden heute Pferde

Sommertour mit dem Landrat zum Brönnhof, der größten Narturerbe-Fläche Bayerns. Wie sich die Natur knapp 1300 Hektar von den Militärs zurückerobert.
So fühlt sich Freiheit an. Die Konik-Pferde, polnische Robustpferde, wie sie auch charakterisiert werden, fühlen sich auf den weitläufigen Offenflächen des Brönnhofs wohl. Rund zwei Dutzend Pferde leben dort in großen Koppeln. Wer als Spaziergänger oder Radfahrer den Koppelweg nutzt (6 oder mit Schleife 7,3 Kilometer lang), wird ihnen begegnen. Foto: Helmut Glauch

"Früher war das Niemandsland und gesperrt für die Bevölkerung. Wenn man mal etwas gehört hat aus diesem Gebiet, dann waren es Schüsse." Landrat Florian Töpper, der als Ziel seiner Sommertour den ehemaligen Truppenübungsplatz Brönnhof gewählt hatte, sprach damit aus, was viele Bürger aus Stadt und Land Schweinfurt mit diesem - ja fast schon legendären - Stück Land verbinden. Der Doppeldeckerbus war bis auf den letzten Platz gefüllt, als er sich auf schmalen Straßen, die bestimmt nicht für Busse gemacht sind, dieser größten Naturerbe-Fläche Bayerns näherte.  

Fast 80 Jahre militärische Nutzung

Nationales Naturerbe ist die mehr als 1250 Hektar umfassende Fläche, seit sich die Militärs endgültig aus diesem Gebiet zurückgezogen haben. Von 1936 bis 2014, zunächst durch die Wehrmacht der Nationalsozialisten, einige Jahre nach dem Krieg dann durch die US-Amerikaner,  wurde die Ganerbenschaft Brönnhof militärisch genutzt. Jahre, ja Jahrzehnte, die im wahrsten Sinn des Wortes tiefe Spuren in der Landschaft hinterlassen haben und in denen der Boden durch schweres militärisches Gerät nicht nur förmlich umgepflügt, sondern auch enorm verdichtet wurde. Munitionsrückstände sind allerdings heute nicht mehr zu befürchten, denn es wurde nur mit Übungsmunition geschossen, wie zu hören war.

Ein Plätzchen im Schatten wissen auch diese Angus-Rinder zu schätzen. Die Weiden wären indes für jeden Tropfen Regen dankbar. Im Hintergrund die Gebäude aus den Tagen der militärischen Nutzung.  Foto: Helmut Glauch

Der Bundesforst Reußenberg (Hammelburg), der auch schon zu Zeiten der militärischen Nutzung für das Gebiet – alleine 300 Hektar sind Offenland – zuständig war, begleitet seit 2014 den Prozess, in dessen Rahmen die biologische Vielfalt gesichert und zukunftsfähig gemacht werden soll. Man setzt dabei vornehmlich auf die eigenständige Dynamik der Natur, greift behutsam, wenn es sein muss auch regulierend ein. Godfried Schwartz, Leiter des Bundesforstbetriebs Reußenberg, Revierleiter Stefan Fritsche, Naturschutzbeauftragter Egon Schleyer und weitere Bundesforstbetriebsmitarbeiter informierten die mehr als 60 Landkreisbürger, die mit dem Landrat auf Sommertour gingen, auf der Aussichtsplattform "Feldherrenhalle" über die Arbeit mit und im Brönnhof.    

Die Natur denkt langfristig

Nationales Naturerbe erhalten und entwickeln, das ist nichts Kurzfristiges, sondern "auf Ewigkeit angelegt". Im kommenden Frühjahr soll der Plan fertig sein, der dieses Anliegen transparent macht. "Wir sind auf der Zielgeraden", betonte Schwartz. Die Trägerschaft für den Brönnhof liegt übrigens in den Händen einer Eigentümergemeinschaft. 99 Prozent der Fläche gehören der Bundesanstalt für  Immobilienaufgaben, das restliche Prozent teilen sich die Hospitalstiftung Schweinfurt und die Schweinfurter Waldschutzgemeinschaft.   

Der Brönnhof ist Geschichte. Der Naturschutzbeauftragte des Bundesforsts Reußenberg, Egon Schleyer, hatte Bilder des Gebäudes mitgebracht, das dem Areal seinen Namen gab, aber heute nicht mehr existiert. Foto: Helmut Glauch

Das Konstrukt der Ganerbenschaft zu entschlüsseln, würde eigene Bücher füllen, beim Brönnhof ist es aber gelungen, alle Beteiligten nicht nur an einen Tisch, sondern unter einen Hut zu bekommen. Für Naturerbeflächen müssen in den meisten Fälle neue Trägervereine gegründet werden, nicht einmal dies war hier nötig. Auch die Zusammenarbeit mit Landwirten und denjenigen, die die Brönnhof-Flächen für Beweidung nutzen, sei weitgehend reibungsfrei. Probleme oder Handlungsbedarf tun sich auf anderen Gebieten auf, und die haben auch wesentlich mit dem Klimawandel zu tun, so die Forstexperten.  

Experte braucht man nicht mal zu sein, um zu sehen, dass die Weiden, auf denen zum Beispiel Schafe, Angus-Rinder oder die quirligen polnischen Konik-Pferde unterwegs sind, viel zu trocken sind für die Jahreszeit. Dennoch gilt: "Futter zugekauft wird nicht, und auch die Besucher sollten die Tiere nicht füttern." Zu groß ist die Gefahr, dass die Tiere zum Beispiel durch schimmeliges Brot krank werden. Die weiten Flächen innerhalb des Brönnhofes geben genügend Futter her, die Tiere zu ernähren.

Hinauf zur Feldherrenhalle. Die offene Halle ist so etwas wie der Mittelpunkt des Geländes. Dort wurde den Gästen die Vorgehensweise und die Arbeit in und mit der Naturerbe-Fläche erklärt. Foto: Helmut Glauch

Auch die Eichen (rund 40 Prozent des Baumbestandes), Buchen (22 Prozent) und Fichten (22 Prozent) leiden unter der extremen Trockenheit. In den Fichtenbeständen  treibt der Borkenkäfer sein Unwesen, die Eichen werden vom Schwammspinner heimgesucht. "Alle Baumarten haben Probleme. Niemand kann seriös sagen, welche am besten mit der Trockenheit klarkommen und wie der Wald in seiner Gesamtheit auf die Klimaveränderungen reagiert", sind sich Egon Schleyer und Stefan Fritsche einig.  

Eichenbestände nicht nur stabilisieren, sondern ausbauen 

Abgesehen von den Problemen mit der Trockenheit ist das Ziel, die Eichenbestände auszubauen, die Fichtenbestände zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass der Buchenanteil zumindest nicht weiter ansteigt. "Wenn man nichts macht, würde die Buche die Eiche, die im Mittelalter nicht nur als Bauholzlieferant sehr begehrt war und deren Bestände deshalb unterstützt wurden, mittelfristig von der Buche verdrängt", sind sich die Experten sicher. Schon jetzt läge der Anteil der nachwachsenden Buche bei 70 Prozent, wenn man nicht eingreifen würde. Ein Prozess für den man nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten denken müsse. 

Godfried Schwartz, der Leiter des Bundesforstbetriebs Reußenberg (Mitte), informierte im Kreise seiner Mitarbeiter Landrat Florian Töpper (Zweiter von links) und die Sommertour-Gäste aus dem gesamten Landkreis über die Naturerbe-Fläche Brönnhof. Foto: Helmut Glauch

Ansonsten gilt eher das Prinzip, die Natur zu begleiten und auf die eigenständige Dynamik der Landschaft zu vertrauen. Erstaunlich genug, zu welchem ökologischem Schatzkästlein sich das Gebiet entwickelt hat, waren doch die offenen Flächen des Brönnhofs zu ihren Militärzeiten nicht viel mehr als eine offene Fläche, auf der sich Panzer durch den Matsch wühlten. 

Naturschutz ohne Gewinnerwartung

Ohne Gewinnerwartung, immer im Dienst des Naturschutzes und der ökologischen Entwicklung des Gebietes, wird der Brönnhof unter Federführung des Bundesforsts Reußenberg mehr und mehr zum Rückzugsgebiet biologischer Vielfalt, so die Botschaft des Nachmittages. Gut genutzt von Wanderern und Radfahrern genießt der Brönnhof einen wachsenden Stellenwert als Naherholungsgebiet. Auf den viel diskutierten Aussichtsturm für den Brönnhof legen die Verantwortlichen vom Bundesforst übrigens nicht viel Wert. Die Feldherrenhalle biete Aussicht genug, ein Turm müsste auch aus Sicherheitsgründen betreut werden, sei nicht nur teuer im Bau, sondern auch im Unterhalt, den der Bundesforst nicht leisten könne.   

Zum Ausklang der Sommertour bewirtete das Pfarrhaus-Team Pfändhausen die Ausflügler mit Kaffee und Kuchen. 

Ein herzliches Willkommen bereitete das Pfarrhaus-Team Pfändhausen (in grünen T-Shirts), den Gästen, die sich mit dem Landrat auf Sommertour begeben hatten, nach dem Besuch des Brönnhofes. Auch Dittelbrunns Bürgermeister Willi Warmuth war mit auf der Exkursion. Foto: Helmut Glauch

Schlagworte

  • Üchtelhausen
  • Dittelbrunn
  • Helmut Glauch
  • Bevölkerung
  • Biodiversität
  • Biologie
  • Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
  • Bürger
  • Florian Töpper
  • Forstexperten
  • Jahreszeiten
  • Militär
  • Natur
  • Radfahrer
  • Tiere und Tierwelt
  • Wehrmacht
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!