SCHWEINFURT

Bündnis setzt weiter auf die Bürger

Die Überreste der Gegendemo vor einer Woche zur Kundgebung von „Schweinfurt wehrt sich“: ein Absperrband der DGB-Jugend angebracht an einem Stromverteilerkasten. Das Bündnis „Schweinfurt ist bunt“ will den rechtsgerichteten Aktionen weiter entgegentreten. Foto: Katja Beringer

Als sich das Schweinfurter Bündnis für Demokratie und Toleranz „Schweinfurt ist bunt“ 2010 wegen eines ausgerechnet am 1. Mai veranstalteten Nazi-Aufmarsches gründete, hat man drei Hauptziele formuliert: Gefahrenabwehr von Rechtsextremen, über rechtsradikale Strömungen aufklären und Hilfe denen geben, die von Rechtsaußen attackiert werden. „Das ist uns gelungen“, sagte Sprecher Frank Firsching bei der Vollversammlung des Bündnisses in der Christuskirche.

Nach weiteren Eintritten gehören dem Bündnis aktuell 71 Parteien, Vereine, Verbände, Organisationen und Gruppen an. Auch die katholischen und evangelischen Dekanate, und die Alevitische Gemeinde sind längst Mitglied. Die Ditib-Moschee wird bald hinzukommen. Ein buntes Bündnis in jeder Hinsicht also.

Firsching zeigte sich insbesondere über die Bereitschaft so vieler Demokraten erfreut, sich nach Aufrufen des Bündnisses in stets großer Zahl den Rechtsradikalen entgegenzustellen. Vor wenigen Tagen erst zeigten über 600 Bürger aus Stadt und Landkreis den 45 großteils auswärtigen Rechtsaußen unter anderem der NPD, dass Flüchtlingsfeindlichkeit, Hetze und Hassparolen im weltoffenen Schweinfurt nichts verloren haben.

„Es ist erfreulich, dass es den Anmeldern erneut nicht gelungen ist, die breite Masse der Bevölkerung anzusprechen“, resümierte Firsching.

Aber auch nach Stammheim hatten sich beim Protest gegen die Parteizentale von „Die Rechte“ über 100 Bündnisangehörige aufgemacht. Erfreulich auch die Resonanz in Sachen Aufklärung. Die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ 2015 im Rathaus Schweinfurt besuchten über 800 Menschen. Aufklärungsarbeit geschieht auch in Schulen.

"Wir müssen wachsam bleiben"

Evi Pohl von Bündnispartner Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt berichtete von einer solchen Information in der Alfons-Goppel-Berufsschule. Vier Tage nach dem Termin für die sehr interessierten Schüler seien an der Schule Nazisymbole entdeckt worden. „Wir müssen wachsam bleiben“, appellierte Evi Pohl.

Zur Ruhe kommt das Bündnis tatsächlich nicht. Für den 28. April, ein Donnerstag, hat der Kreisverband Schweinfurt/Kitzingen der Alternative für Deutschland (AfD) eine Kundgebung und einen Demonstrationszug durch die Stadt angekündigt. „Schweinfurt ist bunt“ wird reagieren. In welcher Form, steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig bekanntgegeben. Man setzt auch hier wegen der eindeutig fremdenfeindlichen Einstellung der AfD auf ein erneut breites Mitwirken der in den 71 Mitgliedsverbänden organisierten Bürgerschaft.

Das Ziel: eine demonstrative Willkommensstruktur

Dass das bunte Schweinfurter Bündnis 2015 mit dem Würzburger Friedenspreis ausgezeichnet worden sei, nannte der Sprecher „eine große Ehre und Ansporn, kraftvoll am Thema weiterzuarbeiten“. Das Bündnis will das insbesondere beim Thema Flüchtlinge tun. Als neues und damit viertes Hauptziel ist letztes Jahr eine „demonstrative Willkommenskultur“ beschlossen worden.

Es ist eine Plakataktion mit Aussagen namhafter Persönlichkeiten geplant, die Sven Schröter (Agentur Gerryland) fürs Bündnis ehrenamtlich erarbeitet hat und bei der Vollversammlung präsentierte. Um auch jüngere Generationen zu erreichen, wird über Kino- und Radiospots nachgedacht. Ein ebenso angedachtes Willkommensfest für Flüchtlinge wird das Bündnis nicht veranstalten, sich aber wahrscheinlich mit einem Projekt beim Kultival des Stadtjugendrings im Juli einbringen. Eine Arbeitsgruppe kümmert sich.

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