Üchtelhausen

Bürgermeister-Stichwahl Üchtelhausen: Wahlkampf in Coronazeiten

Am 29. März entscheidet sich, wer Bürgermeister der Gemeinde wird: Thomas Pfister oder Johannes Grebner. Doch wie wirbt man um Wähler in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen?
Das gab es noch nie: Die Stichwahlen zur Kommunalwahl am 29. März sind eine reine Briefwahl. In Üchtelhausen scheint die Wahlbeteiligung hoch zu werden. Bis 25. März gingen bei der Gemeinde von 3200 Wahlunterlagen schon über 1485 ein. Foto: Sven Hoppe/DPA

Es ist eine Ausnahmesituation – auch für Bürgermeisterkandidaten und die Gemeinden, in denen die zweite Runde der Kommunalwahl entscheiden wird. Wie überall in Bayern, ist die Stichwahl in Üchtelhausen eine reine Briefwahl. Am vergangenen Samstag hat die Gemeinde die Briefwahlunterlagen an ihre 3200 Wähler verteilt. Gleichzeitig informierte die Feuerwehr in den Ortschaften über die nun geltenden Ausgangsbeschränkungen – und viele waren verunsichert. Bei der amtierenden Bürgermeisterin Birgit Göbhard liefen die Telefone heiß – darf man noch die Unterlagen zum Rathaus bringen oder zur Post? Ja, man darf, beruhigte Göbhardt und richtete sich mit einer offiziellen Information an die Wähler. Verbunden mit dem Hinweis, die Unterlagen entweder selbst am Rathaus in den Briefkasten einzuwerfen oder spätestens bis zum 26. März zur Post zu bringen, wenn man sie verschicken möchte.

Wie ist die Resonanz, wie groß das Interesse an der Stichwahl in Zeiten, in denen das Coronavirus und die Krise das Leben der Menschen weitgehend bestimmen? Groß, hat Birgit Göbhardt den Eindruck. 1485 Wahlbriefe sind bisher zurückgekommen. Stand: Mittwoch, 25. März, 12 Uhr. Einen Tag zuvor lag man noch bei 880. In der Gemeinde rechne man erneut mit einer hohen Wahlbeteiligung. Im ersten Wahlgang, der bereits von der Corona-Krise überschattet war, lag sie bei 75 Prozent. Vier Kandidaten hatten sich um den Bürgermeisterposten beworben – in die Stichwahl schafften es der amtierende stellvertretende Bürgermeister Thomas Pfister (35,8 %) und der politische Newcomer Johannes Grebner (33,4 %).

Alles online: Wahlkampf in Coronazeiten

Wie sieht ihr Wahlkampf aus, wie kann man in Corona-Zeiten überhaupt noch um Stimmen werben? Das, sagt Johannes Grebner, geht "nur noch online". Der 37-Jährige, der für die BaG/SPD ins Rennen gegangen ist, hat auf seine Homepage www.johannes-grebner.de Videos hochgeladen, in denen er sich zu den verschiedensten Themen positioniert. Von Jugend, lokaler Wirtschaft bis hin zu einer Antwort auf die Frage, was er für den Bürgermeisterposten mitbringt. Auch ein Video zur Briefwahl, darüber, was jetzt wichtig ist, hat Grebner gedreht; nutzt außerdem die sozialen Medien.

Am Steuer des Feuerwehrautos fühlt sich Johannes Grebner wohl. Die Freiwillige Feuerwehr ist von Kindesbeinen an seine zweite Heimat. Foto: Ursula Lux

Sein zweites Angebot an die Bürger brachte der Kreisbrandinspektor kurz vor in Kraft treten der Ausgangsbeschränkungen noch unter die Leute: Auf einem Flyer und im Amtsblatt rief er die Wähler auf, ihn anzurufen. Genutzt haben das nicht viele, sagt Grebner. Er hofft nun auf eine hohe Wahlbeteiligung und darauf, dass die Menschen überzeugt, was er mitbringt. Unter anderem sei das auch ein "gutes Netzwerk von Firmen und Fachleuten", um das umsetzen zu können, was er sich für die Gemeinde Üchtelhausen vorstellt.

In den neuen Medien breit aufgestellt

Genau das ist es auch, mit dem sein Kontrahent Thomas Pfister auf seiner Homepage wirbt: Das Netzwerk, das er in 18 Jahren kommunalpolitischer Erfahrung geknüpft hat. Seit sechs Jahren ist der 55-Jährige stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Üchtelhausen. Von Anfang an hat er sich im Wahlkampf auch online breit aufgestellt, wie er sagt, das komme ihm jetzt zugute. Auch er präsentiert sich und seine Themen auf seiner Homepage www.thomas-pfister.com, unter anderem ebenfalls in Videos. 

Und auch Pfister ist in den sozialen Medien unterwegs, schon vor der Corona-Krise. Vor allem, um die Jugend zu erreichen. Dass der direkte, der persönliche Kontakt zu den Wählern, jetzt nicht mehr möglich sei, wäre natürlich schade, aber nicht zu ändern. Auch ihn können die Bürger jederzeit anrufen, was auch einige nutzen, so Pfister.

Auf der Höhe über Hesselbach, unter dem Wegkreuz ist der Platz, an dem Thomas Pfister Kraft schöpft und seinen Blick ins Weite schweifen lässt. Foto: Ursula Lux

Mit 35,84 Prozent hatte der Bürgermeisterkandidat der Wählergemeinschaft Hoppachshof/Ottenhausen/Thomashof am 15. März die meisten Stimmen geholt. Ein "sehr gutes Ergebnis", auf das er nun baue. Aber, das ist Pfister bewusst: Bei einer Stichwahl sei alles "wieder komplett offen". Den Wahlabend wird er im Kreis der engsten Familie verbringen. Leider, sagt Pfister, er hätte gerne im Rathaus mit den Bürgern mitgefiebert.

"Es ist eine seltsame Situation für uns alle."
Bürgermeisterin Birgit Göbhardt

Wie er wird auch sein Kontrahent Johannes Grebner auf den Anruf der Gemeinde warten. Wie die Stichwahl ausgegangen ist, werden sie am Telefon oder via Mail erfahren. Mit den ersten Ergebnissen ist laut Bürgermeisterin Göbhardt gegen 19 Uhr zu rechnen. Auch im Rathaus wird am Wahlabend alles anders sein. Zwei Mitarbeiter der Verwaltung sind vor Ort, daneben zwölf statt wie üblich 16 Wahlhelfer. Verteilt werden sie so, dass nur jeweils sechs Personen in einem Raum sind, weit genug voneinander entfernt.

"Es ist eine seltsame Situation für uns alle", sagt Göbhardt. "Keine öffentliche Gratulation, keine Blaskapelle und auch keine Wahlparty – schade! Vielleicht können wir den neuen Bürgermeister in ein paar Wochen doch noch mit einer feierlichen Übergabe würdig feiern."

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