GEROLZHOFEN

Bürgermeister als Presse-Fuzzi und der untätige Eismeister

Sie bewegten sich alle in ihren Berufen, doch Zusammenstöße gab es keine. Die acht Frauenbundlerinnen beim Tanzsketch „Wenn ich nicht...“ auf der Bühne. Foto: Norbert Finster

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Frauenbund-Fasching

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Man merkt es immer noch, Bürgermeister Thorsten Wozniak kommt aus dem Presse-Milieu. Dafür sprechen seine ellenlangen Facebook-Kommentare. Beim Frauenbund klingt das etwas deftiger: „Der Wozi ist halt immer noch ein Presse-Fuzzi“, sagte Beate Glotzmann als eine der Moderatorinnen über den Bürgermeister, der im wirklichen Leben ihr Chef ist.

Ansonsten aber kamen die Promis aus Gerolzhofen im Frauenbund-Fasching 2017 weitgehend glimpflich davon. Es gab einfach zu wenige Skandale und Pannen, begründete Rathaus–Housekeeperin Beate Glotzmann die Zurückhaltung der Frauen.

Monatelang trainiert

Monatelang hatten sich die Damen vorbereitet, um in der letzten verbliebenen größeren, öffentlichen und hausgemachten Faschingsveranstaltung in Gerolzhofen dem Publikum wieder ein vierstündiges heiter-buntes Programm zu präsentieren.

Der Lohn dafür: Die zwei Abendveranstaltungen waren bis auf den letzten Platz besetzt, nur in der Nachmittagssitzung blieben einige Stühle leer.

Durchaus ernsten Hintergrund hatte der einführende Prolog von Petra Zink über die aktuelle Lage der Frauen. Die Zeit läuft ihnen davon durch Hausarbeit, Beruf, Ehrenamt und Pflegearbeit „Wir drehen uns im Kreis oder treten auf der Stelle.“

In dieser Lage sei es schwer, Lorbeeren zu ernten.

Sabine Sahlender und Beate Glotzmann wussten, dass der Bürgermeister freitags beim Frühschwimmen im Geomaris leider fast immer alleine seine Bahnen zieht (Das Stadtoberhaupt war übrigens zur Freitagssitzung mit Frau Anita als

Elvis und Priscilla Presley gekommen).

Drei Wochen war es richtig kalt, doch erst ganz am Ende habe der FC gemerkt, dass die Zeit reif ist für eine Eisbahn. „Wo blieb da der selbst ernannte Eismeister, der in den letzten Jahren immer bei plus 15 Grad seine Eisbahn-Pläne schmiedete“, spielten die Frauen auf Heinz Lorz an.

Der Sprachfehler

Welche Verwechslungen auftreten, wenn jemand ein „A“ nicht sprechen kann, zeigte der Sketch „Der Sprachfehler“. Da wird aus einem Zapfhahn schnell mal ein Zupfhuhn. Am Ende hatte sich der behandelnde Arzt selbst mit dem Sprachfehler infiziert.

„Geoxit“ vorgeschlagen

Einen „Geoxit“ schlugen Beate Glotzmann und Ingrid Feil vor, weil mit den Dingolshäusern im Streit um die Besetzung der Zweckverbandsversammlung einfach keine Einigung zu erzielen ist. Vom „Geoxit“ kamen sie dann schnell zum Brexit.

„Zehn Jahre Schulenglisch für die Katz“, wetterten die beiden, die jetzt Chinesisch lernen. Die Volkshochschule jedenfalls braucht in dieser Lage keine Englischkurse mehr anzubieten.

Computerchaos

Ins Innenleben eines Computers versetzte der Sketch „Computerchaos“ das immer ausgelassener werdende

Publikum. Hochfahren, Antivirenprogramm starten, Briefkopf aufmachen, einen gut geordneten Papierkorb vorhalten – köstlich wie sich beidseits überforderte Software und User über die Computerwelt austauschten und dabei analoge Requisiten, zum Beispiel einen echten Papierkorb, benutzten.

Das „Müll-Potpourri“ zeigte, auf was es heute bei der Mülltrennung ankommt.

Im traditionellen Kirchencafé musste sich die Besucherin sagen lassen, dass ein normaler Kaffee heute out ist. Die Frau von Welt trinkt Aperol-Spritz. Bischof Friedhelm kommt den Tratschweibern vor wie ein Politiker, weil er sich jetzt auch schon medienwirksam mit der Feuerwehrleiter gen Himmel fahren lässt. Auf lokaler Ebene wurde die Frage gestellt, wozu es zwei Bußgottesdienste am Stück braucht, wo es doch in Gerolzhofen nur brave Leute gibt.

Und dann eine makabre Hoffnung: An der Stadtpfarrkirche können nur so lange Steine herunterfallen, bis keine mehr oben sind. Am Ende setzten die redseligen Frauen auch noch Heinrich Bedford-Strohm, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, unter Druck. Er wird es als Schirmherr des Wandeltheaters „Du musst dran glauben“ hoffentlich nicht so machen wie der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder, der sich beim Stück über den Frauenaufstand 1945 nicht in Gerolzhofen sehen ließ.

Morgengymnastik mit dem Radio

Bei der Morgengymnastik befolgten die Darstellerinnen genauestens die Anweisungen aus dem Radio zur Zubereitung eines Backhähnchens, weil sie nicht mitbekamen, dass das Radio das Programm geändert hatte. Erst als das Hähnchen bei 220 Grad in die Röhre geschoben werden sollte, wurden die beiden stutzig.

Nicht weit her war es mit dem Vater, als er seiner lernschwachen Tochter auf die Sprünge helfen wollte. Am Ende zeigte sich, dass der Vater selbst ein notorische Sitzenbleiber gewesen war. „Ohne Worte“ schminkten sich dann zwei Frauen mit diametral entgegengesetzten Ergebnissen.

Natürlich kam auch die Abteilung Tanz zwischen den Nummern nicht zu kurz. Die Schautanzgruppe Gerolzhofen war mit der Kinder- und Schülerklasse zu Gast, ebenso die Schüler-Polka vom TSV Frankenwinheim. Ihren Tanz zu Songs von Abba und Les Humphreys Singers mussten die Damen vom Frauenbund-Ballett noch einmal auf die Bühne legen.

Boxer und Nonne

Eine klasse Choreografie zeigten schließlich die acht Frauen beim Tanzsketch „Wenn ich nicht...“ Als Vertreterinnen ganz verschiedener Berufsbilder vom Polizisten über die Waschfrau bis zum Boxer und zur Nonne bewegten sie sich so geschickt, dass sie niemals zusammenstießen. Der Saal tobte. Damit hatten die Akteurinnen ihr Publikum so weit, um gemeinsam zur traditionell abschließenden Polonaise loszuziehen.

Die Akteure

Energie strotzen: Petra Zink

Schautanzgruppe: Kinderklasse unter Leitung von Anna-Maria Gallet, Schülerklasse unter Véronique Gallet und Cynthia Münch, Majorette Stefanie Gallet

Der Sprachfehler: Ulrike Radler, Irmgard Fröhling

Computerchaos: Christine Piepenbrock, Steffi Lembcke

Schüler-Polka: TSC Frankenwinheim mit Trainerinnen Barbara Helbig-Holzinger und Christine Piepenbrock

Müll-Potpourri: Gesang Anita Vogt, Rita Spiegel, Petra Zink, Mülltüten Silvia Stühler-Geist, Martina Kirchner, Ulrike Radler, Birgitt Stumpf, Doris Röder, Christel Mößlein

Kirchencafé: Ingrid Feil, Irmgard Fröhling, Beate Glotzmann, Amelie Auer

Frauenbund-Ballett: Petra Auer, Ingrid Feil, Sigrid Göb, Martina Kirchner, Sabine Sahlender Margot Schendzielorz, Ute Stahl, Silvia Stühler-Geist, Monika Weinig

Die Morgengymnastik: Rita Spiegel, Sabine Sahlender, Birgitt Stumpf

Sitzen bleiben: Ute Stahl, Silvia Stühler-Geist, Christel Mößlein

Ohne Worte: Anita Vogt, Ulrike Radler

Wenn ich nicht...: Silvia Stühler-Geist, Sabine Sahlender, Doris Röder, Petra Auer, Monika Weinig, Sigrid Göb, Petra Zink, Martina Kirchner.

Musik: Udo

Technik: Klaus Müller, Felix Fleischer, Lukas Stößel

Maske: Monique Kuhlmann und Sarah Niedermeier von Friseur Habelsberger

Bühnenmanagement: Monika Weinig, Doris Röder

Küche: Irmgard Riedel, Maria Götzelmann

Gesamtleitung: Ulrike Radler, Rita Spiegel, Anita Vogt, Petra Zink

Die Tratschweiber im Kirchencafé: von links Beate Glotzmann, Amelie Auer und Ingrid Feil. Foto: Norbert Finster
Schon beim Einzug nahmen die Faschingskanonen des Frauenbunds Kontakt zum Publikum auf. Foto: Norbert Finster

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