BERGRHEINFELD

Bürgermeisterwahl: Meidl steht für dezentrale Energiewende und Elektroautos

SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Meidl.
SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Meidl. Foto: Anand Anders

Klinkenputzen ist eine der Hauptaufgaben in der Freizeit gewesen: Thomas Meidl (SPD) tingelt in Bergrheinfeld von Tür zu Tür, um sich in jedem Haushalt persönlich vorzustellen und seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Denn Meidl ist politischer Quereinsteiger. Am 12. März will er den scheidenden Bürgermeister Peter Neubert (Freie Wähler) beerben. Gegenkandidat ist Ulrich Werner (CSU).

 

„Von hier kann man bis nach Garstadt sehen.“ Meidl läuft den Asphaltweg entlang, der am Kreuzschlepper von der Rothmühlstraße abzweigt. Dort unweit seines Wohnhauses in der Kreuzstraße ist er gern, weil ihm die Aussicht auf Bergrheinfeld gefällt und weil der Weg im vertraut ist. Nicht allzu lange ist es her, dass er dort den Kinderwagen mit einer seiner Töchter geschoben hat.

Kritik an fehlendem Dialog

Der 38-Jährige hat einen schnellen Schritt und redet über Politik. Etwa über den Erörterungstermin über den Rückbau des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld, das von diesem Standort aussieht, als würde es erdrückend über Bergrheinfeld thronen. Die Kritik an dem Termin teilt er wie viele. andere Teilnehmer. Dass Einzeleinwender wie er über den Termin nicht persönlich informiert worden ist, stört Meidl sehr.

„Politik lebt vom Dialog. Wenn das nicht funktioniert, hat mein ein Problem“, sagt er später. Das könnte auch auf den Erörterungstermin gemünzt sein, doch Meidl meint die Politik generell. Die in der Kommune im Besonderen. Deswegen kann man die wichtigsten Elemente seines Wahlkampfprogramms auf den Begriff Transparenz reduzieren.

Bei großen Investitionen wie bei der laufenden Rathaussanierung müssten die Bürger umfassend informiert werden, sagt er.

Kostenloses Amtsblatt

Dazu hat Meidl konkrete Vorstellungen: Das Amtsblatt „Berger Nachrichten“, das derzeit 40 Euro im Jahr kostet, will er kostenlos an alle Haushalte verteilen. In Papierform für die herkömmlichen Nutzer, elektronisch für die junge Generation. Bürgerversammlungen soll es vor allem anlassbezogen geben. Und natürlich auch eine Bürgersprechstunde. „Wenn jemand mit dem gehen Probleme habe, komme ich gern nach Hause.“

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Bürgermeisterkandidat Thomas Meidl (SPD) stellt sich vor - Der Bürgermeisterkandidat für Bergrheinfeld Thomas Meidl (SPD) stellt sich vor.

Strukturiert spricht er über seine Pläne. Was wohl auch mit seinem Beruf zu tun hat. Er ist Führungskraft im Stützpunkt der BwFuhrpark-Service GmbH in Hammelburg, die die Fahrzeuge der Bundeswehr verwaltet. In diesen Tagen steht die Erweiterung seiner Zuständigkeit auf Südwestdeutschland an. Genau betrachtet, geht seine jetzige Kandidatur auch auf seinen Job zurück. Als Betriebsrat hat er sich für die Interessen seiner Kollegen eingesetzt. Das hat ihm Spaß gemacht, sagt Meidl. Als die SPD in fragte, ob er in die Wahl 2017 ziehen wolle, habe er ein Jahr lang überlegt und sich mit seiner Frau besprochen. Auch andere Gesprächspartner vermittelten ihm eine positive Rückmeldung.

„Ich muss mich nicht im Gemeinderat positionieren“

Thomas Meidl bezeichnet sich selbst als politischen Quereinsteiger. Im Ort ist Gesprächsthema, dass er regelmäßig die Gemeinderatssitzungen als Gast besucht. Der Blick von außen habe Vorteile, sagt Meidl: „Ich kann gewisse Dinge neutral betrachten, weil ich im Gremium nicht positionieren muss.“ Das mache eine Diskussion auf der Sachebene leichter.

Zurück zu den beherrschenden Politikthemen Bergrheinfelds: Die Zukunft Feuerwehrhaus wird intensiv diskutiert. Sanierung, Neubau, Umzug an eine andere Stelle? „Man muss alle Wege aufzeigen, dann abwägen und entscheiden“, formuliert Meidl sein favorisiertes Vorgehen. Zunächst müsse man feststellen, welchen Bedarf und welchen Zuschnitt die Wehr in den nächsten zehn bis 20 Jahren bekommt. Welche zusätzlichen Aufgaben zum Beispiel bekommen die Brandschützer, wenn die Konverter-Halle der Stromleitung SuedLink gebaut ist?

Stromtrasse so verträglich wie möglich

Damit ist er beim zweiten Aufreger-Thema der Gemeinde. Meidl argumentiert bei SuedLink differenziert. Für ihn steht die politische Entscheidung fest, dass „die Trasse hier angebunden wird“. Das müsse man politisch nach außen vertreten, „so hart das auch ist“. Es gehe darum, die Umsetzung so verträglich wie möglich für Menschen und Natur zu gestalten. Mit Skepsis sieht er die weiteren Stromleitungen, die geplant sind: „Es hieß doch, Bergrheinfeld solle entlastet werden.“ Danach sehe es nicht aus.

Unabhängig davon plädiert Meidl für eine dezentrale Energiewende und den Ausbau der Elektromobilität. Den Fuhrpark der Gemeinde will er ebenso umstellen wie Ladestationen in der Gemeinde bereitstellen. Letzteres ist innerhalb einer Amtsperiode schaffen, sagt er. Und einen immerwährenden Zustandskataster der Straßen will er einrichten, um herauszufinden, wo und wann Investitionsbedarf besteht. Inklusive barrierefreier Querungen und Radwegen. Nicht zu vergessen: Die Schule müsse energetisch saniert werden. Investitionen von acht bis zehn Millionen Euro sieht Meidl in den nächsten Jahren auf die Gemeinde zukommen.

„Man wächst mit seinen Aufgaben“

„Ich habe mich intensiv mit der Ortspolitik beschäftigt“, resümiert Thomas Meidl. Als Bürgermeister habe man einen großen Gestaltungsspielraum. Den will er mit seinen Ideen ausschöpfen. „Im Beruf habe ich gelernt: In jeder Position wächst man mit seinen Aufgaben.“

Zur Person

Thomas Meidl (38) lebt seit seiner Geburt in Bergrheinfeld. Er machte eine handwerkliche Berufsausbildung und bildete sich weiter, um ein Studium als Betriebswirt abzuschließen. Seit 13 Jahren ist er Teamleiter in der Hammelburger Filiale des bundeseigenen Unternehmens BwFuhrpark Service, das den Fahrzeugbestand der Bundeswehr verwaltet. Dort war er Betriebsrat und Mitglied im betrieblichen Wirtschaftsausschuss. Meidl engagiert sich im Bergrheinfelder Kindergarten und ist stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Er gehört dem SPD-Kreis- und Unterbezirksvorstand an. Für die SPD hatte er sich 2014 für ein Mandat im Gemeinderat beworben. Meidl ist verheiratet und hat zwei Töchter.

www.thomas-meidl.de

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