SCHWEINFURT

Comedy-Lounge: Viel Unterhaltung für wenig Geld

Import aus Köln: der studierte Biologe Keirut Wenzel. Foto: Andreas Schuller

Die Comedy Lounge hat seit ihren Anfängen im Würzburger Chambinzky vor 15 Jahren weite Kreise gezogen und viele Talente hervorgebracht. Bei der Comedy Lounge am Mittwochabend in der Disharmonie Schweinfurt hatte Comedian Andy Sauerwein den Part des Moderators gleich mit übernommen und präsentierte witzig spritzig seinen Kölner Kollegen Keirut Wenzel, den Schweizer Roger Stein und den gebürtigen Münchner und Wahlfranken Thomas Kupferschmidt, die allesamt ihr Comedian-Handwerk beherrschen.

Auffallend: das Publikum bestand zu mehr als der Hälfte aus Frauen – im Ganzen gesehen (und gehört) aus überaus lachfreudigen Comedy-Fans jeden Alters und Geschlechts. In der Pause war von den beiden Mitbegründern der Comedy Lounge, Florian Hoffmann (TBC, das Totale Bamberger Cabaret) und Thomas Kupferschmidt zu erfahren, das Schweinfurter Publikum habe eben „Bock drauf, sich zu amüsieren“ und deshalb seien die Darbietungen meist auch ausverkauft.

Das Konzept der Comedy Lounge biete den Comedians, Profis wie Newcomer, die Möglichkeit, Neues vor Publikum auszuprobieren. Dabei sei es jedem Künstler freigestellt, was dieser auf der Bühne präsentiere. Nachwuchs-Comedians werde eine öffentliche Plattform und dem Publikum „für kleines Geld“ viel Unterhaltung geboten.

Ein Konzept, das aufgeht

Und das Konzept scheint seit 15 Jahren aufzugehen. Comedians kommen und ecken an, nehmen alles und jeden auf die Schippe und satirisch aufs Korn – wenngleich die Comedians untereinander durchaus auch Kritik üben, besonders an TV-Kollegen mit Massenzulauf und deren zuweilen klischeehaften Lachnummern. Da höre der Spaß auf!

Der Mainfranke Andy Sauerwein hatte es nicht schwer, den Einstieg in den Abend zu finden, zumal er sich mit dem Publikum über den 2:1-Sieg der Würzburger Kickers im Relegations-Rückspiel am Dienstagabend gegen Duisburg freute und dem FC 05 Schweinfurt zum Klassenerhalt in der Regionalliga mit 4:0 gegen Fürth gratulierte, gefolgt von einer Spitze gegen Miss-Bildung Margot Honecker, Hobby-Schatztaucher im Mittelmeer oder dem jüngsten Dialog-Eklat zwischen der AfD und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Klavierkabarettist Roger Stein bezirzte nachfolgend auf „Deutsch 1.0“ seine große Liebe Coralie, die erweist ihm aber keine Gnade, schade! Ins Publikum gefragt, woran man merke dass die Zeit vergehe, folgte die Antwort: am Alter. Vor allem beim Klassentreffen, wenn man die „Wahnsinnsbraut“ von einst wieder trifft und feststellen muss, die habe nun ein typisches „Reihenhausgesicht“. Glück gehabt, dass Mann damals das Weite suchte.

Singer und Instrumentalist Roger Stein mixte sich dann mit der Loop-Station und Salzstreuern einen Grill-Song zurecht, der gewürzt war mit Literaturzitaten. Dafür gab es viel Applaus. Mit „salzigem“ Mikro leitete Moderator Andy Sauerwein dann zu Thomas Kupferwein über, der im „richtigen“ Leben als Lehrer beziehungsweise als Lehrkörper arbeitet, was schon mal in völlige „Lehrkraftzersetzung“ münden kann. Sein eloquenter Parforceritt durch aktuelle Themenlandschaften ließ nichts aus und überzeugte.

Das härteste ist Angela Merkel

Kupferwein warnte unter andrem vor den Weichmachern im Plastik, die Östrogen-Hormone darin würden alle Männer weich machen – Bart tragen sei daher nur ein Täuschungsmanöver. Das Härteste was Deutschland noch aufzubieten habe, sei Kanzlerin Merkel.

Danach betrat der Kölner Keirut Wenzel die Bühne. Der studierte Biologe kennt sich aus mit Viren und Bakterien, mit Fäkalien und Fitness-Apps. Wenzel witzelte und stänkerte gegen Pulsuhrträger und Smartphone-Nutzer auf der Toilette, die erst übers Display wischen und anschließend über ihren Hintern. Das Publikum zog voll mit, die Frauen vor allem konnten sich vor Lachen nicht halten. Nach der Pause improvisierte Andy Sauerwein originell auf Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ in unterschiedlichen Musikstilen. Danach noch einmal Keirut Wenzel, der zu regelmäßigem Sex rät, weil dies schlau mache und dabei den Hippocampus im Gehirn anrege.

Zum Schluss des Abends hin sang Roger Stein „Alfred, der schöne Mai geht bald vorbei“ – so wie die gut zweistündige Show bald danach ebenfalls endete. Im Juni soll es aber schon die nächste geben.

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