SCHWEINFURT

Computer aufpoliert und aufgerüstet

Michael Bleicher.
Michael Bleicher. Foto: Gerd Landgraf

Von der Garage ging es in die Doppelgarage, dann in eine Halle und im Jahr 2005 wurde Michael Bleicher im Schweinfurter Industrie- und Gewerbepark Maintal sesshaft. Eingemietet hat sich der Geschäftsführer der Firma bb-net samt seiner 50 Mitarbeiter (Reinigungskräfte, Systemelektroniker, Softwareentwickler und Kaufleute) im Businesspark an der Amsterdamstraße 16-18. Das Geschäft mit den gebrauchten Computern, Laptops und Tablets floriert und wächst seit 2011 Jahr für Jahr um satte 20 Prozent.

Die zwei Seiten der Visitenkarte von Michael Bleicher stehen für das Geschäftsmodell. Die im konservativen Blau gehaltene Ansicht zeigt den IT-Aufbereiter, der ausrangierte Rechner kauft; die im freundlichen Orange gestaltete Seite das Produkt, das verkauft wird: generalüberholte Computer und Notebooks unter der Marke tecXL. Bestimmt wird der Geschäftsgang durch die blaue Linie, denn die Gebrauchten aufzutreiben ist schwerer als der Verkauf der sanierten Technik.

Technik wie neu

Lupenreiner kann man sich die Umsetzung der Recycling-Idee kaum vorstellen. Dass bei bb-net nur Recyclingpapier in den Drucker kommt, dass es zwar viele, aber kein Putzmittel ohne Umweltsiegel gibt, unterstreicht die Philosophie in einer Firma, bei deren Gründung 1996 der Vater für den noch nicht volljährigen Michael unterzeichnete. In den Anfangsjahren konzentrierte sich die Firma (seit 2001 GmbH) auf den Gebrauchtwarenhandel in der IT-Branche und auf den Verkauf von Sonderposten. 2005 war die Zahl der Mitarbeiter auf ein Dutzend angewachsen, 2011 folgte die „Initialzündung“ für das zweiseitige Geschäftsmodell.

Mit 20 Mitarbeitern kam der Geschäftsführer vor sechs Jahren im Businesspark unter und verwandelte Gebrauchtes in Technik „wie neu“, so Bleicher, der den Plan für die professionelle Aufbereitung schon „lang, lang, lang in der Schublade hatte.“

Hochwertige Geräte

Aller Anfang ist schwer, und die Kontakte zu Geschäftspartnern zu knüpfen, die Computer und ähnliches Gerät in großer Stückzahl aussortieren, sei wahrlich nicht leicht gewesen, blickt auch Matthias Ress zurück, der Mann für das Marketing.

Überzeugt habe letztendlich nur die Qualität – sowohl beim Umgang mit der eingekauften Hardware wie beim Start der Computer in den zweiten Lebenszyklus.

Die Voraussetzung für den erneuten Einsatz ist der Kauf von Hochwertigem aus den Businessproduktlinien der IT-Branche, die länger halten, die belastbarer als die Geräte in den Regalen der Verbrauchermärkte sind. Von Fluggesellschaften, Versicherungen und auch von Behörden erwirbt bb-net Geräte.

Rückmeldung an den Kunden

Die Sicherheit bei der Datenentsorgung wird groß geschrieben. Die (ungesehen) gekaufte Ware wird abgeholt, wobei Überraschungen nicht ausbleiben – wie ausgediente Kaffeemaschinen unter all den Kabeln, Bildschirmen, Tastaturen und Gehäusen. Ausgeräumt hat bb-net nicht nur ganze Bürostockwerke, sondern auch schon komplette Rechenzentren, deren Inhalt in verplombten Lastwagen nach Schweinfurt geliefert wurde. In der Amsterdamstraße bekommt – sobald von grobem Staub befreit – jedes Gerät einen Barcode, der genau verfolgen lässt, wann was mit den Rechnern in den kommenden Stunden passiert.

Nach spätestens 48 Stunden hat der Verkäufer einen Eingangsbericht. Eine lückenlose Dokumentation liegt dann vor. Die Inventarisierung vermerkt, was das Gerät bislang konnte, mit welchen Programmen es bestückt ist. Es folgt die Löschung aller Daten – in den gewünschten Sicherheitsstufen bis hin zur mechanischen Zerstörung der Festplatte. Die harte Ware kommt anschließend in das Hochregallager.

Saugen und wischen

Wird ein Posten in die Produktionshalle von tecXL abgerufen, wird dort das Gerät erst einmal gründliche gereinigt. Sauger, Putztücher und vieles mehr kommen zum Einsatz. Sind Schmutz, Staub oder Kaffeeflecken verschwunden, wird nach I. und II. Wahl (etwa mit Kratzern im Lack) sortiert. Anschließende Tests zeigen, was funktioniert, welche Teile (wie etwa ein verbrauchter Akku) zu wechseln sind. Je nach Produktionsplan werden die Geräte jetzt auch auf- oder nachgerüstet (z.B: Arbeitsspeicher oder Festplatte).

Es folgt die Installation des Betriebssystems (Windows 10), eines Virenschutzes und eine kostenfreien Office-Paket (Zusammenstellung gebräuchlicher Software für Arbeiten im Büro, das Schreiben von Briefen, die Tabellenkalkulation sowie das Erstellen von Präsentationen). Als eines von weltweit nur 80 Betrieben ist Bleichers Unternehmen „Microsoft Authorized Refurbisher“ und darf aufbereitete Computer mit lizenzrechtlich einwandfreier Software des Branchenriesen vorinstallieren. Von der Endkontrolle mit erneut mehreren technischen Tests gehen die Geräte zur Verpackungsstation und dann ab in das Hochregallager.

Deutlich unter Neupreis

Der Vertrieb setzt nun die Ware (mit zwölf Monaten Gewährleistung, Reparatur in 72 Stunden) an rund 500 Händler in und um Deutschland herum ab. In deren Regalen stehen für den privaten Endverbraucher und den Mittelstand die Notebooks, PCs oder Tablets für etwa ein Viertel des ehemaligen Neupreises.

Geräte, die sich bei einem der vielen Test als ungeeignet für den zweiten Lebenszyklus erweisen, kommen in das Ersatzteillager und werden irgendwann „ausgeschlachtet“. Neben der Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb ist bb-net das einzige Unternehmen in Schweinfurt, das für die Erstbehandlung, also die Zerlegung von IT-Produkten, zertifiziert ist. Die Einzelteile werden dann an die Rohstoffverwerter weitergereicht.

Fertig verpackt.
Fertig verpackt. Foto: Gerd Landgraf
wenn dieses Bild genommen wird, muss der Name Allianz geschwärzt werden.       -  Angeliefert.
Angeliefert. Foto: Gerd Landgraf
Die Daten werden gelöscht.
Die Daten werden gelöscht. Foto: Landgraf
Blick in das Ersatzteillager.
Blick in das Ersatzteillager. Foto: Landgraf
Beim Aufpolieren ist Handarbeit gefragt.
Beim Aufpolieren ist Handarbeit gefragt. Foto: Landgraf
Die Daten werden ausgelesen.
Die Daten werden ausgelesen. Foto: Landgraf
Blick in das Hochregallager.
Blick in das Hochregallager. Foto: Gerd Landgraf

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