Schweinfurt

Corona: Ein Ex-Schweinfurter schildert das Leben in Schweden

Schweden, Schweinfurt, Spanien: Kurt Weid über Ausgangsbeschränkungen, drakonische Strafen und das Setzen auf den Faktor Vernunft.
Kurt Weid stammt aus Schweinfurt, lebt seit Jahrzehnten in Schweden. Er erzählt, wie er die Corona-Krise in Schweden erlebt.  
Kurt Weid stammt aus Schweinfurt, lebt seit Jahrzehnten in Schweden. Er erzählt, wie er die Corona-Krise in Schweden erlebt.   Foto: Kurt Weid

Corona. Kurt Weid informiert sich regelmäßig, wie die Lage in seiner alten Heimat Schweinfurt ist.  "Ich lese im Tagblatt, was bei Euch so los ist. "Außerdem hört er auch gerne ein bisschen Heimat-Klänge und schaltet Radio Primaton ein, sagt er. Kurt Weid lebt seit 1965  in Schweden, jetzt in einem Vorort von  Stockholm. Der 73-Jährige verbringt aber wie viele Skandinavier viel Zeit in Spanien. Er verfolgt auch, was dort los ist. Ihm geht es jetzt wie den meisten Menschen:  Er staunt darüber, was Corona bewirkt hat. "Die Welt hat sich auf einen Schlag verändert", erzählt er am Telefon.  

"Uns geht es gut", sagt er. In Schweden gibt es keine  Ausgangsbeschränkungen.  Die Leute können Ausflüge machen, wandern, spazierengehen, fortfahren. "Man setzt auf die Zusammenarbeit, die Vernunft der Leute." Abstandhalten ist angesagt, vor allem für Ältere. Viele arbeiten von Zuhause aus.

Überall Einbußen für Gastronomie und Tourismus

Restaurants und Bars sind seit einiger Zeit in Schweden geschlossen. Weid, gelernter Koch und Gründer der schwedischen Koch-Nationalmannschaft, bekommt hautnah mit, wie schwer die Lage für Gastronomen und den Bereich Tourismus generell ist. Nicht nur in Schweden. "Klar machen die auch Essen zum Mitnehmen", erzählt er. Aber im Großraum Stockholm gebe es nun mal sehr viele Lokale. Und so viel Essen abholen könnten die Leute gar nicht, damit die Betriebe genug zum Leben haben. "Da nützt Dir Dein guter Ruf gar nichts."  

Schulen und Kindergärten hatten in Schweden bis zu den Osterferien noch auf. Weid rechnet mit keiner Schließung nach den Ferien. An den Gymnasien und an den Universitäten wird allerdings seit einiger Zeit online unterrichtet. Besuche in Altenheimen sind seit 14 Tagen verboten. Auch in Schweden treten verstärkt Infektionen und auch Todesfälle in Heimen durch Corona auf.     

Ausflüge machen, spazierengehen: Davon träumen Weids Freunde und Bekannte in Spanien, in der Nähe von Alicante. "Das ist schlimm da unten, schlimmer als bei Euch." Maximal eine halbe Stunde rausgehen, im Auto nur alleine unterwegs sein. "Und harte Strafen, wie bei Euch", wenn man gegen die Regeln verstößt. Weid erzählt auch von Schweden, die in Spanien festsitzen und nicht nach Hause kommen können.    

8400 Infizierte und 687 Tote

"Wir sind ein kleines Land", sagt Weid. Zehn Millionen Einwohner,  8400 infizierte, 687 Tote , berichtet er am Gründonnerstag. Corona schlage vor allem in den großen Städten zu. Nicht wenige Schweden seien zum Skifahren  in Österreich oder Südtirol gewesen, hätten sich dort infiziert.  Sie kommen eher aus den Ballungsgebieten.  

Kurt Weid freut sich, dass er und seine Frau weiter ihre Enkel sehen können. Mit Abstand zwar, im Garten, ohne Umarmungen. Aber allemal besser als eine Verwandte im Landkreis Schweinfurt, der ihre Enkel nicht persönlich zum Geburtstag gratulieren konnten, sondern vor dem Haus standen und winkten.    

In Schweden ist vieles lockerer, sagt Kurt Weid. Die Tage hat er mit seiner Frau einen Ausflug gemacht zu ihrem alten Wohnort. Sie wollten die  Familiengräber besuchen und pflegen. Auf dem Weg liegt das Schloss Stenhammars Slott, auf das sich König Carl Gustav und Königin Silvia zurückgezogen haben. "Da konnten wir einfach im  Park herumlaufen", freut sich Kurt Weid. 

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