Gerolzhofen

Corona-Krise: Mutmach-Konzert neben Pflegeheim verboten

Fünf Künstler wollten im Privatgarten direkt neben einem Pflegestift ein Mutmach-Konzert für die Bewohner des Heims geben. Doch das Landratsamt zog die Genehmigung zurück.
Hier in diesem Privatgarten hätte das Konzert für die Bewohner des benachbarten Pflegestifts in Gerolzhofen stattfinden sollen. Foto: Thorsten Feig

Die Idee war lobenswert: Mehrere Musiker wollten in Gerolzhofen in einem Privatgarten direkt neben dem Pflegestift an der Andreas-Hippler-Straße ein kleines Konzert geben. Ziel war es, den Menschen im Pflegeheim, die wegen der Coronavirus-Krise nun schon seit zwei Wochen keinen Besuch empfangen dürfen und deshalb weitgehend isoliert leben müssen, wenigstens eine kleine Freude zu bereiten. Das Landratsamt Schweinfurt zog aber kurzfristig seine bereits erteilte Genehmigung zurück.

Die Künstlerin Amelie Auer, die im Anwesen direkt neben dem Pflegestift wohnt, hatte die Idee, ein Konzert im eigenen Garten stattfinden zu lassen, so dass die Bewohner des Pflegeheimes im sicheren und unbedenklichen Abstand von mehr als 15 Metern an ihren Fenstern dem Konzert lauschen und zusehen können. Die Musiker Silvia Kirchhof und Achim Hofmann vom Duo Café Sehnsucht, sowie Carolin Auer und Torsten Feig sagten sofort zu. Geplant waren ältere Schlager im Stile der "Comedian Harmonists".

Die Organisatoren informierten die Polizeiinspektion Gerolzhofen. Und man habe sich sehr gefreut, als für das Konzert auch eine Sondergenehmigung des Landratsamts Schweinfurt, selbstverständlich unter Einhalten aller Sicherheits- und Hygienemaßnahmen, vorlag, erzählt Torsten Feig. Die Leiterin des Pflegestifts, Silke Pfister, zeigte sich angetan über das ungewöhnliche Angebot und sorgte in ihrem Haus für genügend Personal, damit möglichst viele Bewohner dem Konzert an den Fenstern beiwohnen konnten. Und Heike Schneider, Pressesprecherin des Trägers der Einrichtung (Dienste für Menschen gGmbH in Esslingen), lud die örtliche Presse per Mail zur Berichterstattung ein.

Absage drei Stunden vor Beginn

Umso größer war dann die Enttäuschung, als am Dienstag, drei Stunden vor dem geplanten Konzertbeginn, doch noch eine Absage vom Landratsamt kam. "Natürlich ist es wichtig und richtig, in diesen Zeiten den Anweisungen zum Wohle aller Folge zu leisten. Denn es geht um unser aller Gesundheit", sagt Thorsten Feig. "Aber Gesundheit bedeutet auch, einander Freude zu bereiten. Und wer braucht dies gerade mehr als die Menschen, die nun wirklich isoliert leben müssen?"

Bei dem Konzert hätten die Musiker unter freiem Himmel mit dem Abstand von mindestens eineinhalb Meter zueinander gespielt, berichtet Feig von den Planungen. Für jeden Musiker und Sänger habe ein eigenes Mikrofon zur Verfügung gestanden und die Bereiche, in denen jeder Musiker hätte stehen sollen, waren sogar markiert. Die Absage des Konzert sei wohl weniger aus Angst vor einer Ansteckung im gesundheitlichem Sinne erfolgt, sondern eher unter sozialem Druck, vermutet Feig.

Was, wenn es Nachahmer gibt? Was, wenn plötzlich weitere Gruppen eine solche Ausnahme fordern? Hätte diese Ausnahme Tür und Tor für jegliche Art von Versammlungen gegeben? "Würden wir in Büros arbeiten, so wäre der Auftritt kein Problem gewesen, denn selbst in Großraumbüros kommen die Menschen noch tagtäglich zusammen", kritisiert Thorsten Feig. Doch die Arbeit der Künstler werde ihnen versagt. "Warum? Weil sie für das weitere Funktionieren der Gesellschaft nicht relevant sind?"

"Viel Mitmenschlichkeit"

Auf Anfrage der Redaktion nimmt nun auch das Landratsamt Schweinfurt zum abgesagten Konzert Stellung. Pressesprecherin Uta Baumann schreibt: "Am Montag erreichte uns über die Polizei Gerolzhofen die Information, dass ein Konzert bereits tags darauf, am Dienstag, stattfinden sollte. Es ist richtig, dass zunächst, unter Einhaltung von diversen Auflagen, seitens des Landratsamts Schweinfurt die Zustimmung erfolgte." Der Grundgedanke der Musiker und der Bürgerin, die dafür wohl ihren Garten zur Verfügung stellen wollte, sei "unbestritten ein sehr schöner und zeugt von viel Mitmenschlichkeit". Allerdings bitte das Landratsamt auch um Verständnis, dass man aufgrund der Situation, wie sie derzeit nun mal ist, stets die Lage neu bewerten müsse. "So kann es, wie in diesem Fall, auch einmal sein, dass auch wir bereits getroffene Entscheidungen immer wieder überprüfen und der geänderten Lage anpassen müssen."

Wäre Menschenansammlung gewesen

Die Bayerische Staatsregierung habe nicht umsonst auch noch einmal in ihrer Pressekonferenz am Dienstag betont, wie wichtig es ist, alle nicht zwingend notwendigen sozialen Kontakte zu meiden, um eine Verlangsamung der Epidemie zu erreichen, teilt Uta Baumann mit. So gelten derzeit beispielsweise auch sehr strenge Regelungen bei Trauungen und Beerdigungen. "Auch wenn die Musikerinnen und Musiker und dann vielleicht auch noch Medienvertreter, die verständlicherweise ein Interesse an der Aktion hatten, den Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten hätten, so wäre es letztlich doch eine nicht zwingend notwendige Ansammlung mehrerer Menschen gewesen."

Daher habe sich das Landratsamt dazu entschieden, die Auflagen noch einmal dahingehend zu verschärfen, dass nur ein Musiker spielen darf. Die Initiatorin des Konzerts habe dafür Verständnis gezeigt, schreibt Baumann. "Dafür und für die insgesamt sehr besonnene Art der Menschen gerade in diesen Tagen sind auch wir als Landratsamt Schweinfurt sehr dankbar und appellieren inständig an die Bevölkerung, sich auch weiterhin an die geltenden Ausgangsbeschränkungen zu halten."

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