Schweinfurt

Coronavirus: Wie sich Schweinfurt darauf vorbereitet

Task-Force im Leopoldina-Krankenhaus, Krisenstab-Treffen im Landratsamt: Schweinfurt tut alles, um sich auf das Virus vorzubereiten. Wichtig sei vor allem Ruhe bewahren. 
Am Leopoldina-Krankenhaus wurde eine Task-Force eingerichtet, um vorbereitet zu sein, falls der Erreger der neuartigen Krankheit in der Region Schweinfurt ankommt. Aktuell gibt es noch keinen Fall, für die Aufnahme von Patienten mit einschlägigen Grippe-Symptomen gelten jetzt aber schon neue Verhaltensregeln vor der Aufnahme in das Krankenhaus.
Am Leopoldina-Krankenhaus wurde eine Task-Force eingerichtet, um vorbereitet zu sein, falls der Erreger der neuartigen Krankheit in der Region Schweinfurt ankommt. Aktuell gibt es noch keinen Fall, für die Aufnahme von Patienten mit einschlägigen Grippe-Symptomen gelten jetzt aber schon neue Verhaltensregeln vor der Aufnahme in das Krankenhaus. Foto: Veit-Maria Oertel

Der Corona-Virus breitet sich auf zwei höchst unterschiedliche Arten aus. Da wäre zunächst die häufig erklärte Tröpfcheninfektion, die nachweislich auch in Deutschland zur Erkrankung von täglich mehr Menschen führt. Viel rasanter als der Virus selbst breitet sich die Angst vor der Krankheit in den Köpfen aus. Atemschutzmasken sind in Apotheken und Drogerien ausverkauft, die Regale mit Desinfektionsmitteln sind leer, Messen und Großveranstaltungen werden abgesagt. Anzeichen für Hamsterkäufe mehren sich. Die Wirtschaft befürchtet massive Verluste, sollten Lieferketten, zum Beispiel nach China unterbrochen werden.

Schaeffler sagt Besuchertag vorsorglich ab 

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus hat sich beispielsweise die Schaeffler Gruppe entschlossen, den am Freitag geplanten Besuchertag im Ausbildungszentrum Schweinfurt zu verschieben, zum vorsorglichen Schutz aller Besucher sowie Mitarbeiter.

Die Fraktion "Die Linke" im Schweinfurter Stadtrat richtete eine Anfrage an Oberbürgermeister Sebastian Remelé, will wissen, wie es mit den Präventionsmaßnahmen anlässlich einer möglichen Corona-Pandemie aussieht. Dabei besonders interessant: "Mit welchen Maßnahmen bereitet sich das Leopoldina Krankenhaus auf die bevorstehenden Herausforderungen zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung durch eine mögliche Corona-Pandemie vor?".  

Nicht einfach in die Notaufnahme gehen, sondern sich bei Grippe-Symptomen von Personal abholen lassen. An diese Anweisung sollen sich die Patienten halten.
Nicht einfach in die Notaufnahme gehen, sondern sich bei Grippe-Symptomen von Personal abholen lassen. An diese Anweisung sollen sich die Patienten halten. Foto: Veit-Maria Oertel

Dort hat man sich bereits zusammengesetzt. "Alle Patienten, die Symptome einer Influenza, also Grippe, oder einer Corona-Infektion haben, sollen zunächst die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 anrufen und sich dort zum weiteren Vorgehen informieren", heißt es von dort. Und "vor allem gilt es Ruhe zu bewahren, in mehr als 80 Prozent der Fälle verläuft eine Infektion mit Corionaviren mild und relativ symptomfrei".

Was tun und wohin, wenn eine schwere Infektion vorliegt? 

Im Leopoldina-Krankenhaus wurde eine Task-Force eingerichtet, die täglich zusammenkommt, um die aktuelle Entwicklung zu beurteilen und – falls nötig – entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. Zur Task-Force gehören unter anderem Geschäftsführung, Chefärzte, Mitarbeiterinnen der  Hygieneabteilung und der Beauftragte für den Katastrophenschutz.

Auf die Behandlung von infektiösen Patienten sieht man sich am Leopoldina gut vorbereitet, die Verantwortlichen nehmen die Lage aber sehr ernst, um auch auf außergewöhnliche Szenarien, wie etwa eine große Zahl infizierter Patienten, vorbereitet zu sein, heißt es weiter. 

Schon im Verdachtsfall die Kontakte von Patienten minimieren

In Bereichen, in denen mögliche Patienten ins Krankenhaus kommen (Haupteingang und Zugang Zentrale Notaufnahme) sind Hinweisschilder aufgestellt, die Patienten mit Symptomen von Influenza oder Corona darauf hinweisen, sofort das medizinische Personal zu informieren. Erkrankte mit entsprechenden Symptomen, die über die Notaufnahme (ZNA) kommen, nutzen eine Klingel, um vor deren Betreten auf sich aufmerksam zu machen und werden vom Personal am Eingang abgeholt. "Wir versuchen mit diesen Maßnahmen bereits im Verdachtsfall die Kontakte der Patienten zu minimieren und Schutzmaßnahmen sofort ergreifen zu können. Diese Maßnahme hat am vergangenen Wochenende bereits gut gegriffen", teilt das Leopoldina dazu mit.

Bei Patienten mit eindeutigen Symptomen wird im Krankenhaus ein Abstrich zum Nachweis einer möglichen Infektion genommen. Patienten mit starken Symptomen werden stationär aufgenommen und in gesonderten Bereichen isoliert. Wer keine oder milde Symptome hat, wird dem Gesundheitsamt gemeldet, das die Organisation übernimmt und den Patienten gegebenenfalls zu Hause unter Quarantäne stellt. Für Patienten mit leichten Symptomen ist die Notaufnahme eines Krankenhauses grundsätzlich nicht der richtige Anlaufpunkt. So werden dort ausreichend Kapazitäten erhalten, sollte sich die Zahl von schwer infizierten Patienten deutlich erhöhen. 

Aktuell noch keine Corona-Fälle in Schweinfurt 

Im Leopoldina stehen direkt in der Zentralen Notaufnahme zwei Isolationszimmer zur Verfügung. Die werden genutzt, um Patienten direkt nach ihrem Eintreffen bis zu ihrer Verlegung auf eine Station zu isolieren. "Darüber hinaus ist eine Bettenstation zur Isolation von Patienten vorgesehen. Patienten mit sehr schweren Symptomen können auf der Intensivstation isoliert werden und sollen zeitnah in regionale Behandlungszentren für Infektionspatienten verlegt werden", so Veit-Maria Oertel, Presseprecher am Leopoldina. Grundsätzlich gilt bisher noch: "Im Leopoldina-Krankenhaus werden aktuell keine mit dem Coronavirus infizierten Patienten behandelt".  

Im Landratsamt Schweinfurt traf man sich am Mittwochvormittag zur "Einrichtung eines gemeinsamen Krisenstabes von Stadt und Landkreis Schweinfurt". Eine Zusammenkunft mit dem Ziel der Vorbereitung und des Informationsaustausches für den Fall, dass das Virus in der Region ankommt. Bisher, auch das wird von Seiten des  Landratsamtes betont, sind keine bestätigten Covid-2 Erkrankungen aufgetreten. 

Infektionsfahrten gehören zum Alltagsgeschäft

Gut gewappnet sieht man sich beim Roten Kreuz für den Fall der Fälle. Infektionsfahrten werden dort jeden Tag gemacht, so BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Lindörfer. Egal ob Influenza oder eine andere ansteckende Krankheit, die Vorgehensweise beim Transport ist die gleiche. Das große Fragezeichen bei Corona sei die Dauer der Inkubationszeit und in welcher Zahl die Fälle letztlich auftreten werden. Bisher seien alle Patienten mit Grippe-Symptomen aber negativ getestet worden – also vorerst kein Fall von Corona in der Region.

Auch dieses Schild sieht man immer häufiger in Schweinfurter Apotheken und Drogeriemärkten. Mundschutz aller Art ist im Moment nirgends zu bekommen. Auch die Regale mit Desinfektionsmitteln sind leer.
Auch dieses Schild sieht man immer häufiger in Schweinfurter Apotheken und Drogeriemärkten. Mundschutz aller Art ist im Moment nirgends zu bekommen. Auch die Regale mit Desinfektionsmitteln sind leer. Foto: Frank Molter

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einer "sehr heiklen Situation", einem Virus, das aufgrund seiner Eigenschaften und seiner hohen Ansteckungsrate "Pandemie-Potenzial" hat. Schon das Wort "Pandemie" vermag Ängste auszulösen. Wer Altgriechisch versteht, weiß, wie sich dieses Wort zusammensetzt. "Pan" steht für "alles", "demos" für Volk. Im Gegensatz zur lokal begrenzten Epidemie ist bei der Pandemie also "alles Volk" betroffen. "Etwa 70 Prozent der Bevölkerung werden erkranken", sagt ein führender Virologe.     

Erste Erfahrungen mit dem Virus – und das macht Hoffnung – deuten darauf hin, dass die Erkrankung außer Husten, Schnupfen, Heiserkeit bei den meisten Menschen nicht viel anrichtet. Also immer schön die Hände waschen und gelassen durch den Alltag gehen. Übertriebene Angst, gar Panik, sind im Moment wohl die schlechtesten Ratgeber.       

Mundschutz gibt es auch in Schweinfurt keinen mehr in Apotheken und Drogerien. Die Experten sind sich allerdings auch relativ einig, dass so ein Hygieneartikel kein besonderer Schutz vor Ansteckung ist. 
Mundschutz gibt es auch in Schweinfurt keinen mehr in Apotheken und Drogerien. Die Experten sind sich allerdings auch relativ einig, dass so ein Hygieneartikel kein besonderer Schutz vor Ansteckung ist.  Foto: Agung Kuncahya B.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Helmut Glauch
  • Die Linke
  • Epidemien
  • Gesundheitsbehörden
  • INA-Holding Schaeffler KG
  • Infektionskrankheiten
  • Katastrophenschutz
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt
  • Notaufnahme
  • Pandemien
  • Patienten
  • Rotes Kreuz
  • Schnupfen
  • Sebastian Remelé
  • Thomas Lindörfer
  • Virologen
  • Weltgesundheitsorganisation
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
5 5
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!