SCHWEINFURT/COTTBUS

Cottbus ist "Gewitterhauptstadt" - Schweinfurt auf Platz 3

Blitzeinschläge in Deutschland
Donnerwetter: Blitze zucken am Himmel über Windrädern in Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Deutschlands „Gewitterhauptstadt“ zu sein, ist eine eher zufällige und flüchtige Ehre. Eine gefährliche dazu. 2014 schlugen nirgendwo mehr Blitze pro Quadratkilometer ein als in der brandenburgischen Stadt – 8,4 waren es rechnerisch. Doch schon in diesem Jahr wird Cottbus in dem regelmäßig vom Konzern Siemens erstellten Ranking wohl keine auffällige Rolle mehr spielen. „Das ist der Wetterlage geschuldet“, sagt der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Andreas Friedrich, am Mittwoch.

Auch dass Aurich in Ostfriesland seine Position als Schlusslicht der Blitzeinschläge gemeinsam mit dem niederbayerischen Passau verteidigen kann, ist nicht sehr wahrscheinlich. Im vergangenen Jahr zählte der Blitzinformationsdienst der Firma Siemens in Karlsruhe fast 623 000 Einschläge. Die Werte schwanken von Jahr zu Jahr stark.

Im Vorjahr war Coburg Blitz-Hauptstadt: Der Blitz-Informationsdienst von Siemens hatte 2013 in der Vestestadt 299 Blitze registriert. Das entsprach 6,39 Blitzen pro Quadratkilometer. Den Titel ist Coburg nach einem Jahr mit nur noch 0,38 Blitzen pro Quadratkilometer schon wieder los. Stattdessen springt eine andere fränkische Stadt auf einen der vorderen Plätze der blitzreichsten Orte. In Schweinfurt gab es 2014 insgesamt 5,46 Blitzeinschläge auf jedem Quadratkilometer. Hinter Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße bedeutet dies Platz drei. In Fürth waren es 4,50 Blitzeinschläge – Rang zwölf.

Keine statistische Spielerei

Was wie eine statistische Spielerei daherkommt, hat einen ernsten Hintergrund. Die von Siemens errechneten Daten zeigen jeden Blitz, der die Erde, ein Gebäude, einen Mast oder einen Baum berührt hat, sehr schnell auf einer Karte an. Das nutzen Unternehmen, um Schäden einschätzen und beheben zu können, zum Beispiel Energieversorger oder Versicherer. Auch der DWD nutzt aktuelle Daten von Blitzeinschlägen für die Unwettervorhersage – allerdings die eines anderen Anbieters.

Die Versicherungen in Deutschland mussten 2014 nach vorläufigen Zahlen rund 340 Millionen Euro ausgeben, um Schäden durch Blitzeinschlag zu regulieren, deutlich mehr als im Vorjahr, aber nicht mehr als zum Beispiel im Jahr 2006. Die Zahl der Schäden stieg nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV) von 2013 auf 2014 um rund 90 000 auf 410 000 Fälle.

Zeichen des Himmels

Ob es in Cottbus mehr als sonst geblitzt hat und die Feuerwehr deswegen häufiger ausrücken musste, sei der Stadtverwaltung gar nicht bekannt, sagt Sprecher Jan Gloßmann. Ein Zeichen des Himmels war aber unüberhörbar: Im Rekordjahr schlug es direkt in eine Feuerwache ein. Mischt der Klimawandel mit? Jedenfalls nicht sichtbar. Die jährlichen Zahlen schwanken stark. 2007 gab es deutlich über eine Million Einschläge in Deutschland, 2013 nicht einmal 550 000. „Das hat nichts mit dem Klimawandel zu tun“, sagt Friedrich. Gewitter werden künftig nicht unbedingt häufiger. Im Sommer soll es den Modellen zufolge sogar trockener werden und längere Hitzeperioden geben. Aber: „Wenn es Gewitter gibt, können sie heftiger ausfallen.“ Der Grund ist, dass eine wärmere Atmosphäre mehr Energie speichert. Mit Informationen von FT

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