GEROLZHOFEN

Crutchy – die Hilfe für die Gehhilfe

Der Tüftler und die Erfindung: Walter Hobner aus Gerolzhofen hat zusammen mit seiner Nichte Maria Fuß aus Bad Neustadt eine verblüffende Antwort auf das Problem ständig durch die Gegend fallender Gehhilfen gefunden. Ein Halter mit einem Saugnapf löst das Problem. Foto: Norbert Finster

Jeder, der schon einmal Gehilfen benutzen musste, kennt das Problem. Wo man auch die Dinger abstellen will, sie haben keinen Halt. Sei es beim Bezahlen an der Kasse, im Haushalt oder in der Gaststätte, überall stellt sich die Frage, wohin mit den Krücken. Und wenn sie dann mal stehen, fallen sie meist schnell wieder um. Für Lädierte ist es dann oft schwer, die wieder aufzuheben.

Der Gerolzhöfer Tüftler Walter Hobner (71), ein pensionierter Lkw-Mechaniker, und seine Nichte Maria Fuß aus Bad Neustadt an der Saale (61) haben das am eigenen Leib erlebt. Beide wurden im August 2015 fast zeitgleich operiert und mussten an Krücken laufen. Es war schlichtweg die Not, die die beiden Rentner zu Erfindern werden ließ. Genervt vom ständigen Krücken-Bücken, bastelten sie eine Vorrichtung, mit der sie ihre Gehhilfen nahezu überall sicher abstellen konnten.

Die Technik ist einfach, aber verblüffend in ihrer Wirksamkeit. Eine Befestigungsklammer aus Kunststoff wird am Stützrohr der Krücke durch einen einfachen Handgriff montiert. Die Klammer ragt etwa zehn Zentimeter im 90-Grad-Winkel vom Stützrohr weg. An seinem Ende ist ein Saugnapf, auf dem der Benutzer seine Krücke fast auf jeder horizontalen Fläche bequem abstellen kann, zum Beispiel auf Tischen, Waschbecken oder Anrichten.

Die Erfindung hat auch schon einen Namen: Crutchy, abgeleitet vom Englischen „crutch“ (die Krücke). Die Klammer kann dauerhaft an der Gehhilfe bleiben und ist durch einfaches Verschieben auf jede Höhe am Stützrohr einstellbar. Sie ist außerdem mit einer Einkerbung an der Unterseite versehen, so dass sie an Geländern oder Einkaufswägen eingehängt werden kann. Durch einfaches Abnehmen kann die Hilfe für die Gehilfe gereinigt oder desinfiziert werden.

Als dann die beiden mit ihren Crutchys unterwegs waren, wurden sie dauernd angesprochen, wo es denn diese Hilfsmittel zu kaufen gebe. Begeistert von der Idee der beiden Ruheständler, informierte sich Angelika Fuß aus Oberthulba, die Tochter von Maria Fuß, über die Möglichkeit einer Patentierung. Da die selbstständige Projektmanagerin auch in den Bereichen Marketing und Vertrieb zu Hause ist, existierten bereits nach kurzer Zeit erste Ideen, wie man den Halter auch anderen Leidensgenossen zugänglich machen könnte.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Stefanie Lang (ebenfalls Oberthulba) führte Angelika Fuß erste Marktrecherchen durch. Sie ermittelten Material- und Produktionskosten, erstellten Umsatz- und Rentabilitätsvorschauen und beriefen dann den Familienrat ein. Schließlich entschieden alle gemeinsam, die Sache ernsthaft anzupacken und ein Unternehmen zu gründen. Im Moment produzieren die Entwickler ihre Erfindung noch selbst. Es gibt sie in den Farben Schwarz, Weiß, Gelb, Rot, Grün und Pink.

Seit dem 24. Februar genießt der Crutchy offiziell den Gebrauchsmusterschutz, das heißt niemand darf die Entwicklung nachahmen und vermarkten. Das Patent für den Crutchy ist bereits angemeldet.

Die Erfindung soll weiterentwickelt werden. Sie soll auch für Schrubber, Besen, Spazier- und Wanderstöcke einsetzbar sein. „Mittlerweile nutzt sogar schon der Schlagzeuger einer Band unsere Erfindung. Dem sind die Schlagzeugstecken ständig weggerollt“, schmunzelt Walter Hobner. Er läuft inzwischen übrigens wieder ganz ohne Gehhilfe.

Wer Crutchy auf Herz und Nieren testen möchte, kann das vom 22. bis 24. April bei den Bad Kissinger Gesundheitstagen tun. An Stand 26 in der Wandelhalle präsentiert Hobner die Erfindung erstmals auf einer Messe.

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