SCHWEINFURT

DDC: Mit der Nerd-Show zum WM-Titel

DDC in Action: Alexander Pollner, Marcel Geißler, Gregory Strischewsky, Krzystof Malichi und Michael Lamprecht (von links) bei der WM.
DDC in Action: Alexander Pollner, Marcel Geißler, Gregory Strischewsky, Krzystof Malichi und Michael Lamprecht (von links) bei der WM. Foto: DDC

Daniel Barthelmes nimmt Anlauf, katapultiert sich über die Rücken zweier Mitstreiter hoch in die Luft, dreht einen anderthalbfachen Salto und rollt sich elegant auf dem Boden ab. Es ist eine beeindruckende, artistische Leistung. Beeindrucken – das ist auch das Ziel. Denn der Luftsprung des DDC-Gründers ist Teil der so genannten „Battle-Performance“, mit der die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC) im Finale der Breakdance-Weltmeisterschaften in Bochum den Konkurrenten Bigga Boo Crew aus Aserbaidschan auszustechen versuchte.

Battle – das heißt Schlacht. Tatsächlich stehen sich bei den Battles im Breakdance – das szeneintern eigentlich B-Boying heißt – zwei konkurrierende Tanzmannschaften wie Straßengangs gegenüber. Sie provozieren sich mit herabsetzenden Gesten (Top-Rocking), führen aggressive Bewegungen in die gegnerische Richtung aus (Up-Rocking), versuchen durch kraftmeierische Posen zu imponieren (Freezes). Tanzkunststücke am Boden (Footworks) und akrobatische Einlagen wie die von Daniel Barthelmes (Powermoves) komplettieren das „Waffenarsenal“ der B-Boyer. „Körperkontakt mit dem Gegner aber ist streng verboten“, sagt Marcel Geißler.

Nerds auf der Straße

Der 20-jährige Hip-Hopper ist der Manager der fünfköpfigen Schweinfurter Tanzgruppe, die 1999 gegründet wurde und es inzwischen zu einigem Ruhm gebracht hat. 2007 war schon mal ein großes DDC-Jahr; damals feierten sie – noch ohne Marcel Geißler – ihren ersten offiziellen Weltmeistertitel. 2010 versuchten sie es erneut, wurden bei allen nationalen und internationalen Meisterschaften aber „nur“ jeweils Zweite. Heuer dann der ganz große Wurf: das Triple. DDC siegte bei der Deutschen Meisterschaft im Mai in Bietigheim-Bissingen, gewann dann die EM im slowenischen Koper und am Wochenende nach einem fulminanten Showtanz (Motto: Nerds auf der Straße) in der Vorrunde und einem zwölfminütigen Final-Battle gegen die Bigga Boos auch die WM in Bochum.

Die Situation im Breakdance ist allerdings ein wenig vergleichbar mit der im Boxen. Der Weltmeistertitel der DDC ist zwar ein offizieller, aber genau genommen nur der der IDO. So heißt der Organisator des Turniers, die „International Dancing Organisation“. Es gibt viele konkurrierende Verbände und unzählige Wettkampfklassen. Bei der IDO waren Tänzer aus dem Mutterland des B-Boying – den USA – beispielsweise gar nicht vertreten. Renommierter ist die BOTY – die Battle of the year – an der die DDC auch schon mal teilgenommen hat, sich aber nicht für das internationale Finale qualifizieren konnte.

Marcel Geißler lässt indes keinen Zweifel daran, dass seine Truppe – derzeit verstärkt um zwei 19-jährige Nachwuchstänzer – im nächsten Jahr auch die BOTY wieder in Angriff nehmen wird. Und er ist optimistisch, dass man auch dort ganz vorne landen kann. „Wir unterscheiden uns grundlegend von den meisten Konkurrenten“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Zum einen bauten die Schweinfurter Hip-Hopper in ihre Shows viele tänzerische Gruppenelemente ein, während die Gegner meist die übliche B-Boying-Performance mit einem Solisten im Vordergrund und beobachtenden Stehtänzern dahinter wählten. Zum anderen entstünden die Choreografien der DDC durch langes, gemeinsames „Ringen“ um die perfekte Show. „Erst wenn alle zufrieden sind und es cool finden, studieren wir das ein“, sagt Marcel Geißler. „Und dann gefällt es meist auch der Jury.“

Das Finale am Wochenende war indes eine denkbar knappe Angelegenheit. Der russische und der deutsche Punktrichter werteten ein Unentschieden, der Juror aus Südafrika hatte die DDC vorne. „Ein perfekter Saisonabschluss“, so Marcel Geißler.

Sportlich ist das Jahr 2012 damit rund für Marcel Geißler, Jannis Rupprecht, Alexander Pollner, Daniel Barthelmes und Gregory Strischewsky sowie deren Nachwuchstänzer Michael Lamprecht und Krzystof Malichi. Doch ein kultureller Höhepunkt steht den Jungs noch bevor. Im November stehen sie zweimal auf der Bühne des ausverkauften Schweinfurter Theaters und performen ihre selbst choreografierte Tanzshow „Weg der Elemente“. Die Ticketnachfrage war weit größer als das Angebot, derzeit versucht Marcel Geißler, Zusatzvorstellungen an anderen Häusern zu organisieren. Und im nächsten Jahr soll eine weitere Show auf die Beine gestellt werden, mit der man vielleicht auf Tournee gehen möchte.

Das verschlafene, graue, demografisch überalterte Schweinfurt als Nabel der internationalen Hip-Hop-Welt: Wie ist das möglich? „Wo noch nix ist“, sagt Marcel Geißler lakonisch, „lässt sich gut was aufbauen.“ Die DDC habe hier viele Gönner und Förderer gefunden, habe es auf ihrem Weg nach oben vielleicht sogar einfacher gehabt, als die Konkurrenz in den Großstädten.

Und: Die Tänzer, die mindestens dreimal pro Woche mehrere Stunden trainieren, fühlen sich hier „pudelwohl“ (Geißler). Am Sonntagabend waren sie lange in den SAT-1-Nachrichten zu sehen. „Das tut der Region hier auch mal gut“, glaubt ein selbstbewusster Marcel Geißler.

Rückblick

  1. Wölfe starten an der Nordsee in die Saison
  2. Crossover beim Nachsommer: Breakdance verwagnert
  3. mainDing: Neues Stadtmagazin für Schweinfurt
  4. „Fest der Besten“: DDC tritt bei Silbereisen auf
  5. Breakin' Mozart zu Gast im Gasteig
  6. DDC tanzt mit Florian Silbereisen
  7. Körper-Kaleidoskope: Die DDC mit Breakin' Mozart im Theater
  8. Breakdance in Lederhosen
  9. Breakin' Mozart: Die DDC kehrt ins Theater zurück
  10. Eine Woche bis zur Arschbomben-WM
  11. Startschuss für „Schweinfurt blobt“
  12. Zwei Großereignisse der DDC für Wasserratten
  13. Deutschlands beste Breakdancer in Schweinfurt
  14. Wochenendfahrt zur DDC in Berlin
  15. DDC: Breakdance, Blob und Arschbomben
  16. DDC im Varieté
  17. Die Welt nach Franken holen
  18. DDC im Wintergarten Varieté
  19. DDC: Jahresabschluss beim FC Bayern
  20. DDC bei "Got to Dance": „Wir wollen, dass unsere Show perfekt ist“
  21. DDC sind im Finale!
  22. "Got to Dance": Die Nerds wollen ins Finale
  23. DDC aus Schweinfurt bei Pro7-Tanzshow
  24. Breakin' Mozart: DDC aus Schweinfurt begeistert
  25. DDC gewinnt den Golden Collibri
  26. Breakdance-Weltmeister rocken die Baskets
  27. Schweinfurter DDC tanzt Mozart-Projekt von Christoph Hagel
  28. Vom Glück derBewegung
  29. Der etwas andere Unterricht mit DDC-Breakdancern
  30. 2500 Euro für Zelttheaterwoche und Breakdancer
  31. Vom Glück der Bewegung: Breakdance und Theater mit DDC
  32. DDC: Mit der Nerd-Show zum WM-Titel
  33. Wieder Weltmeister: Schweinfurter Breakdance-Crew siegt in Bochum
  34. DDC will WM-Titel holen
  35. DDC: Getanzte Geschichte aus Farben und Licht
  36. "Dancefloor Destruction Crew" ist Europameister im Breakdance
  37. Breakdance im Theater
  38. Show macht Lust auf „StreetDance 2“
  39. Mit heißen Sohlen auf dem Weg der Elemente
  40. Erstes Tänzer-Casting der DDC Company in Schweinfurt
  41. Theater-Projekt der DDC in Schweinfurt
  42. Dancefloor Destruction Crew
  43. Tänzer für Theater-Projekt gesucht
  44. Breakdancer ausgeschieden
  45. Turngeschichten mitten aus dem Leben
  46. Supertalente des Breakdance
  47. Tanzschlacht im Ruhrpott
  48. Mit „Headspins“ in die Revanche
  49. Schweinfurter sind die neuen Weltmeister des Hip-Hop

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Break Dance
  • DDC Dancefloor Destruction Crew
  • Hip-Hop Fans
  • Weltmeisterschaften
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!