SCHWEINFURT

DGB fordert: „Stoppt die Profitgier“

Mit einem klaren Appell hat DGB-Kreisvorsitzender Frank Firsching den Empfang des Gewerkschaftsbundes zum Welttag für Menschenwürdige Arbeit ausgestattet. „Anstatt der Profitgier zu huldigen, benötigen wir eine Mentalität des Leben-und–Leben–Lassens.“, sagt Firsching im DGB-Zentrum.

Herrschende Teile der Menschheit hätten Ziel und Maß verloren, sagte Firsching. In den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Anstrengungen gehörten Menschlichkeit, Solidarität und ökologische Nachhaltigkeit unter Beachtung der individuellen Freiheit.

Ausbeutung von Textilarbeiterinnen

An Beispielen machte Firsching deutlich, dass die Profitgier einiger weniger das Leben von vielen bedrohe. Er nahm Bezug auf den Vorsitzenden der Textilarbeitergewerkschafterinnen von Bangladesch, Amirul Haque Amin, der im letzten Jahr Schweinfurt besuchte. Amin berichtete über die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen von 4,2 Millionen Textilarbeiterinnen in 5000 Textilfabriken seiner Heimat.

Eine Tragödie habe sich dort beim Einsturz des Fabrikgebäudes Raza Plaza ereignet, als mehr als 1100 Menschen in den Trümmern begraben wurden und starben.

Ähnlich inakzeptabel, so Firsching, seien die Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter, die in Katar die Infrastrukturbauten und Stadien für die Fußball-WM 2022 herstellten. Besonders perfide sei die Tatsache, dass die Baufirmen die Pässe der Wanderarbeiter konfiszieren, um sie in sklavenähnlichen Zuständen zu halten.

Firsching: Betriebsräte werden bekämpft

Ohne Bayern mit Bangladesch verglichen oder gleichgesetzt zu haben, kritisierte Firsching eine „böse Entwicklung“, genannt Union Busting. Darunter verstehe man das gezielte Bekämpfen von Betriebsräten und Gewerkschafterinnen durch den oder die Arbeitgeber. „Kolleginnen und Kollegen werden dabei meist mit erfundenen Vorwürfen diskreditiert, gemobbt und schließlich gekündigt.

„Sei es, um die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern, die Entstehung einer gewerkschaftlichen Gruppe im Betrieb zu behindern oder einen kritischen Geist loszu werden.“

Als Negativ-Beispiele aus der Region nannte Firsching unter anderem die Erfahrungen mit Götz-Brot, Flyeralarm Würzburg und XXL Neubert Schweinfurt.

Rechte der Arbeitnehmer schützen

Um die Rechte der Arbeitnehmerschaft auch hierzulande zu schützen forderte Firsching den Gesetzgeber auf, die Behinderung von Betriebswahlen und Betriebsratstätigkeit als Straftatbestand einzustufen.

Den anwesenden stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK, Jürgen Bode, zugewandt machte der DGB Vorsitzende klar, es gebe selbstverständlich viele anständige Unternehmen in der Region, die Mitbestimmung und Tarifbindung ernst nähmen.

Insoweit handle es sich keinesfalls um ein Pauschalurteil. Richtig sei vielmehr, dass sich die Anständigen gemeinsam gegen die Unlauteren wehren müssen.

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