Schweinfurt

Damit Integration noch besser gelingt

Das Rucksack-Programm und das Projekt "Heroes" sind Beispiele, wie die Stadt sich um Migranten kümmert. Warum die Programme erfolgreich sind und weitergeführt werden.
Die deutsche Sprache zu lernen ist wichtiger Bestandteil gelungener Integration für Migranten. Zwei Projekte in Schweinfurt widmen sich besonders dem Thema Integration, das "Rucksack-Programm" und das Projekt "Heroes", beide erfolgreich. Foto: Arno Burgi

Schweinfurt ist ein bunter Mix mit Einwohnern aus weit über 100 Nationen. Ende 2018 waren es 55 111. Zum Vergleich: 2017 waren in Schweinfurt noch 54 566 Menschen mit ihrem Hauptwohnsitz gemeldet; 2014 waren es 52 667. Das stetige Wachstum der Stadt, im übrigen im krassen Gegensatz zu den demographischen Prognosen des Schulentwicklungsplanes, auf dessen Basis man 2016 die Rathenau-Schulen schließen wollte, bringt eine Fülle an neuen Aufgaben für die Stadtverwaltung, vor allem die Integration der ausländischen Mitbürger.

Gut 45 Prozent der Schweinfurter, so schätzt die Verwaltung, hat einen Migrationshintergrund, offizielle Zahlen dazu gibt es aber nicht. Der Anteil der Ausländer, also der Menschen, die keinen deutschen Pass haben, betrug Ende 2018 19,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Bildungsbereich hat bei der integrativen Arbeit der städtischen Stabsstelle "gerne daheim in Schweinfurt" schon immer hohe Priorität. Es gibt seit zwei Jahren eine Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte und verschiedene Projekte wie das "Rucksack-Programm" und "Heroes", die nun vom Jugendhilfeausschuss verlängert wurden.

Sprache als Integrationsmotor

"Das Erlernen der deutschen Sprache ist noch immer einer der wichtigsten Integrationsmotoren", sagt "gerne daheim"-Leiter Matthias Kreß. Er betont aber, dass wissenschaftlich erwiesen sei, dass man zuerst seine Muttersprache gut sprechen und schreiben können muss, bevor man Deutsch lernen könne. Das "Rucksack-Programm" verbinde seit Jahren erfolgreich die Sprachförderung von Kindern und die Elternbildung. Das Projekt wurde an zehn Einrichtungen mit 14 Gruppen in Kooperation mit dem Haus Marienthal angeboten, dabei sind vier Grundschulen, fünf Kindergärten und ein Hort.

113 Teilnehmer wurden betreut, aus der Türkei, Russland, Kasachstan oder Syrien. Unter anderem wird die Mehrsprachigkeit gefördert, auch die Erziehungskompetenz der Eltern sowie eine Sensibilisierung der Eltern für die Entwicklung und Leistung ihrer Kinder. Schon seit drei Jahren gibt es eine Ausweitung auf den arabischsprachigen Sprachraum. In der Bilanz ist auch zu lesen, dass das Programm insofern erfolgreich war, als tatsächlich die Deutschkenntnisse viel besser geworden sind und sich die Eltern entweder im Elternbeirat engagierten, aber auch regelmäßig zu den Elternabenden gingen, um zu erfahren, wie die Fortschritte des eigenen Kindes sind. Die beantragen 105 000 Euro für die Weiterführung des Projekts genehmigte der Ausschuss einstimmig.

"Heroes" vermittelt Werte für nachhaltige Integration

20 000 Euro bekommt das Projekt "Heroes" von der Stadt. Das gibt es seit 2013, wird gemeinsam von Stadt und Landkreis in Kooperation mit der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration durchgeführt. Angesprochen werden junge Männer zwischen 17 und 25 Jahren mit Migrationshintergrund aus so genannten Ehrenkulturen.

Ein Jahr lang sind die Teilnehmer wöchentlich in Workshops, in denen es um Themen wie Identität, Selbstbestimmung, Geschlechterrollen, Ehre oder Rassismus geht. "Das Ziel ist, dass man sich von patriachalen Strukturen löst und eigene Denk- und Verhaltensweisen erarbeitet", so Jugendamtsleiterin Maria Albert-Wirsching. In einem zweiten Schritt gibt es Workshops mit Mädchen und Jungen zusammen in Schulen, Ausbildungsstätten oder Jugendeinrichtungen. Die Erfahrung zeigt, dass sich Jugendliche meist nur von Jugendlichen etwas sagen lassen, diese "Peer-Education" genannte Methode macht man sich hier zu Nutze.

Bisher wurde das Programm, das es auch in München, Nürnberg und Augsburg gibt, vom bayerischen Innenministerium alleine gefördert, nun ist aber auch eine Beteiligung der Stadt (20 000 Euro) und des Landkreises (10 000 Euro) gefordert, bei Gesamtkosten von 172 000 Euro.

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