GEROLZHOFEN

Das Beispiel der mutigen und beherzten Frauen vom 6. April 1945

Vorfreude auf „Frl. Schmitt“: Bürgermeister Thorsten Wozniak, die Vorsitzende des Historischen Vereins, Sabine Wolf, stellvertretende Landrätin Christine Bender, Regisseurin Silvia Kirchhof (Kleines Stadttheater) und der Würzburger Geschichtsprofessor Dr. Rainer Leng. Foto: Norbert Vollmann

„Die Stadt Gerolzhofen würde ohne den damaligen Einsatz beherzter Frauen und Kinder nicht so aussehen wie sie heute aussieht“ – Mit diesen Worten erinnerte Bürgermeister Thorsten Wozniak anlässlich des Empfangs der Stadt vor dem anschließenden Vortrag von Professor Dr. Rainer Leng über den Gerolzhöfer Frauenaufstand vom 6. April 1945 an die 70. Wiederkehr dieses besonderen Kapitels in der Stadtgeschichte.

Das Stadtoberhaupt unterstrich zugleich: „70 Jahre Kriegsende bedeuten auch 70 Jahre Frieden in Deutschland“.

Wozniaks besonderer Dank galt den zahlreich erschienenen noch lebenden Zeitzeugen, oder wie man heute sagen würde, Mitgliedern der Erlebnisgeneration, die den Aufstand der Frauen miterlebt hatten. Dies sowohl für ihr Kommen, als auch dafür, dass sie im Vorfeld der Freiluftaufführung des Theaterstücks „Fräulein Schmitt und der Aufstand der Frauen“ durch das Kleine Stadttheater im September auf dem Marktplatz für Interviews zum Thema Kriegsende und Frauenaufstand zur Verfügung standen.

Als der Zweite Weltkrieg endete, waren über 55 Millionen Menschen tot, Millionen Menschen waren auf der Flucht, Millionen hatten ihre Heimat verloren, viele Menschen ihre Liebsten und manch einer hatte seinen Glauben an die Menschheit verloren, so Wozniak.

Auch viele Gerolzhöfer hätten diesen Krieg miterlebt und in diesen schlimmen Jahren geliebte Menschen verloren, sei es an der Front, auf der Flucht oder bei einem Angriff.

Viele Menschen hätten das Kriegsende nach den beschwerlichen Kriegsjahren als Erlösung und Befreiung empfunden. Andererseits sei das Kriegsende aber auch eine Reise in die Ungewissheit gewesen.

Der Bürgermeister würdigte in diesem Zusammenhang nochmals die mutige Tat der 1000 Frauen, Kinder und Männer, die am 6. April 1945 unter Lebensgefahr die kampflose Übergabe der Stadt forderten. An der Spitze des „Frauenaufstandes“ stand bekanntlich die Volksschullehrerin Josephine Schmitt.

Obwohl man nicht wisse, welche Motivation alle Teilnehmerinnen des Aufstands hatten und wie sie noch Jahre zuvor über den Krieg und über das Naziregime gedacht hatten, zeige dieses spannende und mutige Kapitel, dass es nie zu spät sei, das Richtige zu tun. Thorsten Wozniak weiter: „Es ist nie zu spät, Zivilcourage zu zeigen und sich für die gute Sache einzubringen.“ Deshalb sei das, was die Frauen und Kinder an jenem 6. April 1945 vollbracht hätten, gar nicht hoch genug anzuerkennen. Das Stadtoberhaupt: „Im Namen der Stadt Gerolzhofen wie auch persönlich danke ich den mutigen Frauen und Kindern dafür.“

Und wenn man heute nach 70 Jahren feststellen dürfe, dass Europa zusammen gewachsen ist, dann seien auch Gerolzhöfer Bürgerinnen und Bürger aktiv an diesem Prozess beteiligt. Wozniak: „Menschen aus unserer Heimat sind in den Folgejahren nach Kriegsende das Beispiel der Frauen beim Aufstand 1945 gefolgt und haben sich mit den ehemaligen Feinden befreundet.“ Damit meinte der Bürgermeister die seit Jahrzehnten bestehenden Städtepartnerschaften mit Franzosen (Mamers), Ungarn (Elek) und Italienern (Scarlino).

So möge der 6. April 1945 als ein Tag der Zivilcourage auch daran erinnern, „dass wir alle immer wieder aufs Neue zu einer Zukunft in Frieden und Freiheit beitragen können, indem wir für Toleranz, gegenseitiges Verständnis und Völkerverständigung einstehen“, betonte Wozniak. Und weiter: „Durch diese gelebte Freundschaft entsteht Frieden in Europa. Bringen Sie sich ein“.

Die Leiterin des Kleinen Stadttheaters und Regisseurin des Theaterstücks „Frl. Schmitt und der Aufstand der Frauen“, Silvia Kirchhof, erinnerte an ihren ersten indirekten Kontakt mit Fräulein Schmitt. Auf ihrem vom Grovater erworbenen Klavier sollte sie nämlich mit fünf Jahren Klavier lernen. Der Versuch mit dem Klavierunterricht scheiterte zwar damals, tat aber, wie man heute weiß, der künstlerischen und musikalischen Entwicklung Silvia Kirchhofs keinen Abbruch.

Auch die Regisseurin bedankte sich noch einmal ausdrücklich bei den Zeitzeugen dafür, ihr „die Antworten auf ihre Fragen gegeben zu haben und die schwere Zeit nochmals in Gedanken aufleben zu lassen“. Sie bemühte hierzu ein Zitat des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel: „Wer einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen.“

Silvia Kirchhof: „Und jetzt stehen wir mitten in der Probenarbeit für ein wundervolles Theaterstück“. Ermöglicht würde es durch 70 Leute auf der Bühne und etliche Menschen hinter den Kulissen. Silvia Kirchhof: „So ein Projekt geht nur, wenn alle zusammenarbeiten“. Sie versprach zugleich ein „Drama mit grotesken Zügen“ aus der Feder des aus Gerolzhofen stammenden Autors Roman Rausch. Die Helden seien darin „die ganz normalen Frauen“.

Für die Einstimmung in die damalige Zeit hatte Silvia Kirchhof selbst, mit Liedern wie „Lili Marleen“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Wochenend und Sonnenschein“ gesorgt, stellenweise im Duett mit dem Sänger und Gitarristen Scotty Riggins, der den Empfang musikalisch eröffnet hatte.

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