GRAFENRHEINFELD

Das Beruhigende am Bankzinsenluder

Urbanes Kabarett: Urban Priol setzte in der Grafenrheinfelder Kulturhalle linke Prioritäten.
Urbanes Kabarett: Urban Priol setzte in der Grafenrheinfelder Kulturhalle linke Prioritäten. Foto: Uwe Eichler

„Was halten Sie von Angela Merkel?“ Eine Frage, die für Urban Priol überraschend, aber nicht ganz unvorbereitet kam, auf dem Weg durch Nordfrankreich. Weil er am Steuer mit dem Handy telefoniert hatte wurde er von Flics herausgewunken. Teuer sollte es werden für den Obernburger Kabarettisten mit markantem Aschäbärscher Släng. Wie Europa halt so ist, unter Angela Merkel. Bis zur entscheidenden Frage. Offenbar hatte der Kanzlerinnenexperte des ZDF eine Antwort parat, die unseren Nachbarn gefiel. Das Geld, das durfte er behalten und lieber essen gehen. „Wie im Film!“ nennt sich passenderweise sein aktuelles Programm, die Rafelder Kulturhalle ist randvoll.

Zuschauer der „Anstalt“ wissen, was einer der führenden deutschen Fernseh-Kabarett-Chefköche von Angie hält. Priol nimmt seine alternativlose Antipathie schon mit Selbstironie. „Sie ist doch eine Frau“, sei ihm mal zur Verteidigung des Regierungsoberhaupts gesagt worden. Ja klar, und Wowi, der sei dann halt ein Mann, von wegen Flughafen-Desaster?

Eine gewisse Parteilichkeit ist bei Priol gar nicht zu überhören. Alles, was die Chefin zur Chefsache erklärt, das werde nix, von der Bildungspolitik über die Energiewende bis zu den Eurobonds und Griechenland. Das sei ja das Beruhigende an Angela Merkel, ulkt Priol: das Berechenbare. Jedes Dementi eine halbe Ankündigung. „Bankzinsenluder“, das komme heraus, wenn man in der Buchstabensuppe das Wort „Bundeskanzlerin“ vertausche.

Ihre „marktkonforme Demokratie“, so was war für Priol mal ein Unwort des Jahres. Pseudo-Debatten, sie lenkten nur ab von sozialen Grausamkeiten und echten Skandalen, sagt er. Brüderle etwa, der „Braveheart“ der FDP. An der Bar ist der Freiheitliche kläglich versumpft. Nur, wo waren sie, Schwarzer und die Sexismus-Debatte, als VW oder die Hamburg-Mannheimer ihre Jungs in den Puff schickten?

Der bekennende Globalisierungskritiker Priol, mit Grobschliff, aber beherzt stellt er sich dem Phänomen, das die herrschende Kaste überspielt: Dass „Postdemokratie“ eben keine echte Demokratie mehr ist. Wer herrscht dann? Monti etwa, von „Goldmann Sachs“ eingesetzter „Kontinentalverwalter Süd“ in Italien. Das heißt, jetzt kehrt ja wieder „Bonsai-Mussolini“ Berlusconi zurück.

Und in Deutschland gäbe es mittlerweile mehr Analphabeten als Aktienbesitzer - warum bekämen die keine Sondersendung vor der Tagesschau? Oder die Alkoholiker? Kein Aufschrei: „Die Deutschen verdienen weniger als vor zwanzig Jahren, sind aber so glücklich wie vor zehn Jahren.“

Drei Stunden Schelte, gegen korrumpierte Lobbyisten, dreiste Glücksprediger und einfältige Wähler, sie sind trotzdem etwas zu lang. Die Parodien, von „Jockel Gauck“ bis „Phips Rösler“, dafür fast perfekt. Ansonsten versteht man, warum dem „Django unchained“ aus Obernburg die Haare zu Berge stehen.

Der Mann steht halt unter Strom: Schade, dass man's nicht anzapfen kann, dieses robuste Biokraftwerk.

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