GEROLZHOFEN

Das Butterwerk wird verschwinden

Hier wird möglicherweise bald der Abbruch-Bagger regieren: Es gibt konkrete Pläne, die Gebäude des ehemaligen Butterwerks abzubrechen. Foto: Klaus Vogt

Der westliche Eingang zur Altstadt wird sich demnächst gravierend ändern. Es gibt Pläne, alle Gebäude des ehemaligen Gerolzhöfer Butterwerks (heute Hiestand) komplett abzureißen und auf der frei werdenden Fläche einen großzügigen Discountmarkt zu bauen. Der Stadtrat begrüßte quer durch alle Fraktionen einstimmig einen entsprechenden Antrag auf Vorbescheid, der eruieren sollte, ob es Aussicht auf Genehmigung gibt.

Ein Investor aus Gerolzhofen plant, das Hiestand-Grundstück zu erwerben und freizuräumen. Auch das inzwischen verwaiste Grundstück an der Ecke Friedenstraße/Bahnhofstraße soll einbezogen werden. Dieses Areal wurde bis vor wenigen Wochen noch als Lagerplatz und Ausstellungsgelände vom Steinmetzbetrieb Tully Stein GmbH genutzt. Die Firma mit ihren Geschäftsführern Josef Puhlmann und Rainer Schneider ist im März aber in die Frankenwinheimer Straße ins ehemalige Zeller-Anwesen umgezogen. Das Zeller-Anwesen war frei geworden, nachdem der dort ansässige Kfz-Meisterbetrieb Peter Perner in die Immobilie von BMW Rhein gewechselt war. Diese Gebäude wiederum standen zur Verfügung, nachdem die Firma Rhein als Geschäftsnachfolger von BMW Wächter die Stadt verlassen hatte.

Die bisherige Planung für den neuen Supermarkt sieht vor, das Hauptgebäude mit einer Verkaufsfläche von maximal 1200 Quadratmetern an der westlichen Seite der Friedenstraße zwischen Bahnhofstraße und Bürgermeister-Weigand-Straße zu errichten. Vorne an der Bahnhofstraße wird das 52 Meter lange Gebäude etwas zurückgesetzt, um zur Straße hin Platz für Eingrünung zu schaffen. Zur Kolpingstraße hin entstehen die Nutz- und Lagerräume mit einer Fläche von weiteren 400 Quadratmetern. Dort soll auch die Anlieferung erfolgen. Im Süden des großen Areals entstehen 60 Pkw-Stellplätze. Wenn alle Verträge unter Dach und Fach sind, könnte schon im September mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Discounter zieht wohl um

Welcher Discounter in den Markt ziehen wird, steht offiziell noch nicht fest. Es deutet aber vieles darauf hin, so war im Stadtrat bei einigen Wortmeldungen zwischen den Zeilen herauszuhören, dass kein neuer Wettbewerber in die Stadt kommen wird, sondern dass derjenige Discounter, der jetzt noch in unmittelbarer Nachbarschaft im Erdgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses an der Bürgermeister-Weigand-Straße untergebracht ist und dringend mehr Platz braucht, in diesen Neubau einziehen wird.

Bürgermeister Thorsten Wozniak zeigte sich im Stadtrat stolz, dass es gelungen sei, den Neubau des Einkaufsmarktes im innerstädtischen Bereich zu platzieren. Er habe sich persönlich sehr dafür eingesetzt und bei „intensiven Terminen“ mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landratsamt Schweinfurt klar gemacht, dass das Bauvorhaben wichtig sei für die Innenentwicklung Gerolzhofens. Die Denkmalschutzbehörden hatten zunächst Bedenken, ob der moderne Zweckbau nicht zum Fremdkörper wird – insbesondere vorne an der Ecke Friedenstraße/Bahnhofstraße, wo er auf die prächtigen Villen aus der Jugendstilzeit trifft.

Eine Argumentationshilfe zum Schutz der Innenstadt fand der Bürgermeister aber auch in der parallel laufenden Planung eines anderen, auswärtigen Investors, der mit dem konkreten Gedanken spielte, auf einem freien Grundstück draußen an der Frankenwinheimer Straße einen Supermarkt zu bauen und dafür ebenfalls den Discounter aus der Bürgermeister-Weigand-Straße als Mieter umwarb. Wäre dieses Projekt im Außenbereich im Westen der Stadt umgesetzt worden, wäre das Sanierungsgebiet „Friedenstraße“ wohl noch weiter verwaist.

Lob für die Verwaltung

Arnulf Koch für die CSU sagte, es sei sehr zu begrüßen, dass für das Butterwerk-Areal jetzt „von ganz alleine eine Lösung kommt, ohne dass die Stadt hier etwas aufkaufen muss“.

Günter Iff bewertete das Bauvorhaben im Namen der Freien Wähler als „sehr positiv“ und lobte das Verhandlungsgeschick des Bürgermeisters. Die Auswirkungen auf die bestehende Handelsstruktur der Stadt würden sich in einem noch akzeptablen Rahmen halten, zumal es ja nur zu einem Umzug eines bestehenden Unternehmens kommen werde.

Für geo-net signalisierte auch Thomas Vizl seine Unterstützung, zumal das Bauprojekt nicht auf der grünen Wiese, sondern innerstädtisch errichtet werde. Wichtig sei es, dass die Fassade des Marktes kein Fremdkörper zu den bestehenden Villen in der Bahnhofstraße werde. Außerdem sehe er mögliche Probleme bei der Lkw-Anfuhr des Marktes über die Kolpingstraße. Dort sollten Rangiervorgänge mit rückwärts fahrenden Lastwagen doch möglichst vermieden werden.

Für die SPD begrüßte Lukas Bräuer die Planungen. Er regte an, das alte Muschelkalk-Relief neben dem ehemaligen Haupteingang des Butterwerks als Zeugnis der Gerolzhöfer Stadtgeschichte zu erhalten.

Auch Heinz Lorz stimmte in den Reigen der Befürworter ein und lobte, dass das Projekt so schnell umgesetzt werde. Wie Vizl regte er ein Überdenken der Anlieferung an.

Butterwerk Gerolzhofen

1906 ging gegenüber dem Bahnhof eine Molkereianlage zur Butter- und Käseherstellung von Adam Hufnagel in Betrieb. Nach deren Ende 1915 dienten die Gebäude ab 1918 der Fahrradfabrik Wiener & Co. zur Herstellung von Rädern der Marke „Winco“. Nach dem Konkurs von Wiener & Co. übernahm 1931 das „Butterwerk Gerolzhofen“ die Gebäude. Die Geschichte des Butterwerks, welches zeitweise über 50 Mitarbeiter beschäftigte, reichte bis zum 1. Juli 1983.

Fünf Jahre nach der Schließung des Butterwerks begann 1989 die Schweizer Großbäckerei Hiestand auf dem Gelände mit der Produktion von Teigrohlingen. Der Betrieb expandierte 1993 in die Albert-Einstein-Straße, wo künftig der einzige Standort in Gerolzhofen sein wird. ME

Auf dem Gelände, wo früher der Steinmetzbetrieb Tully seine Grabmäler präsentierte und Steine lagerte, soll ein Supermarkt entstehen. Für das 52 Meter lange neue Gebäude entlang der Friedenstraße (links) müssen auch die Gebäude des alten Butterwerks (im Hintergrund) weichen.

Schlagworte

  • Klaus Vogt
  • Albert Einstein
  • BMW
  • Bauprojekte
  • CSU
  • Discounter
  • Freie Wähler
  • Großbäckereien und Bäckereiketten
  • Großprojekte
  • SPD
  • Stadträte und Gemeinderäte
  • Thomas Vizl
  • Thorsten Wozniak
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!