Schweinfurt

Das Gespräch als Königsweg

Der Dialog miteinander, hier zwischen angehenden Landwirten und Hauswirtschafterinnen, und die wertschätzende Kommunikation standen im Mittelpunkt der Wertewoche des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Foto: Ursula Lux

Er ist schwierig, der Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern. Vieles, was Bauern tun, stößt bei den Verbrauchern heute auf Skepsis und ein grundsätzliches Misstrauen. Dabei wäre fast alles schnell aus der Welt zu räumen, wenn man nur miteinander reden würde und die Landwirte die Chance bekämen, ihr Tun zu erklären.

Für den Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), Herbert Lang, ist deshalb das Gespräch der "Königsweg", um füreinander Verständnis zu wecken. Und so stand die alljährliche Wertewoche der Landwirtschaftsschule in Schweinfurt heuer ganz im Zeichen der Kommunikation.

Lang hatte auch gleich ein drastisches Beispiel für nicht gelungene Kommunikation parat. Im Landkreis Haßberge seien in zwei landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung eines Morgens bei einem 13, beim größeren 26 Veterinäre vor der Tür gestanden und seien in die Betriebe gestürmt, um alles zu kontrollieren. Mit den Landwirten selbst habe keiner geredet. Dabei sei nicht die Kontrolle das Problem gewesen, sondern der Umgang miteinander, betonte Lang. Die Bauern hätten sich glücklicherweise gewehrt und sowohl mit Ministerpräsident Markus Söder, als auch dem Minister für Umwelt- und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber, geredet und die Situation geschildert. Mit Erfolg und der Zusage, dass künftig maximal drei Tierärzte eine Betriebskontrolle durchführen dürften. Das Werkzeug für Wertschätzung und Respekt sei der Dialog, betonte Lang.

Um die angehenden Landwirtschaftsmeister auf diese Dialoge vorzubereiten, hatte das AELF Peter Berndgen von "agro-kontakt", einer Agentur für Public Relations und Marketingkommunikation, eingeladen. Er erarbeitete einen Tag lang mit den Schülern die wichtigsten Kommunikationsregeln. Es stimme nicht, dass auf einen groben Klotz ein grober Keil gehöre, machte er klar, vielmehr solle man sachlich bleiben, Verständnis signalisieren, den Gesprächspartner aufwerten, zurückfragen und vor allem von sich selbst reden. Und wenn man merke, dass der Zorn hochkocht, dann sei es sinnvoller, ein Gespräch zu unterbrechen oder zu verschieben, als zusätzliches Porzellan zu zerschlagen. Ausgestattet mit solchen Regeln begaben sich die Schüler dann in den Verbraucherdialog mit den angehenden Hauswirtschafterinnen.

Unter Moderation von Klaudia Schwarz bekamen die Anwesenden Aufgaben für positive Statements ebenso wie für den kritischen Dialog. Dabei wurde schnell deutlich, dass sich vieles im offenen Gespräch miteinander schnell klären lässt. Ein Beispiel: Eine Gruppe beobachtet den Melkroboter und beschwert sich, dass die dicken Euter den Kühen doch weh tun müssen und vermisst die Kälber. Die angehende Hauswirtschafterin Carolin Schneider fragt die drei Landwirtschaftsschüler: "Wieso nehmt ihr den Kühen ihre Kälber weg? Ich möchte doch auch nicht, dass mir mein Kind weggenommen wird." Jetzt erfährt sie, dass Tiere die Bindung zu ihren Jungen, im Gegensatz zu Menschen, erst nach der Geburt aufbauen, also ihre Kälber auch nicht vermissen, wenn man sie ihnen gleich nach der Geburt entzieht. Außerdem gebe eine Milchkuh etwa 30 Liter Milch am Tag, so ein Kälbchen saufe aber maximal acht Liter. Wegen der Eutergesundheit müsse die Kuh aber leergemolken werden. Und wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb auch wirtschaftlich sein wolle, dann müsse er eben entsprechend viel Milch verkaufen. Vor allem weil die Verbraucher nicht bereits seien, viel mehr für ihre Milch zu zahlen. Außerdem sei es auch für die Kälbchen nicht ganz ungefährlich im Stall bei den ausgewachsenen Tieren.

Der Dialog ist spannend, für die Hauswirtschafterinnen sicher informativ und die Landwirtschaftsschüler lernen sich und ihre Arbeit nicht nur darzustellen, sondern in ein positives Licht zu rücken.

In diesem Gespräch verstanden die drei Landwirtschaftsschüler (von links) Michael Müller, Simon Tretter und Jonas Rapps sich durchaus argumentativ mit den Fragen und Zweifeln der beiden Hauswirtschaftsschülerinnen Nadine Stahl und Carolin Schneider auseinanderzusetzen. Foto: Ursula Lux

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