GEROLZHOFEN

Das Grauen des Scheiterhaufens

Aufwändige Dreharbeiten für die Video-Einspieler während des Wandeltheaters
Die Schluss-Szene der mehrstündigen Dreharbeiten: Die Hexe stirbt den Feuertod. Die Kamera filmte dabei durch die Flammen der Feuerschale hindurch. Foto: Klaus Vogt

Den Zuschauern lief ein kalter Schauer den Rücken herunter, als die „Hexe“ ihre höllischen Schmerzen in den Flammen des Scheiterhaufens herausschrie. So grausam und menschenverachtend muss es vor 400 Jahren auch in Gerolzhofen zugegangen sein.

Im Vorfeld der diesjährigen Theateraufführungen von „Du musst dran glauben“ fanden in der vergangenen Woche aufwändige Filmaufnahmen statt, bei denen die Hinrichtung einer als Hexe verschrieenen Frau in mehreren Szenen und Kameraeinstellungen nachgestellt wurde. Als perfekte Kulisse diente der Innenhof des prächtig renovierten Renaissance-Anwesens von Stephanie Petermair und Matthias Braun in der Häfnergasse. Das von Jürgen Kohl (Revista-Verlag Schweinfurt) gedrehte Video wird später bei den Theateraufführungen auf einem großen LED-Bildschirm am Eulenturm als Einspieler zu sehen sein.

Die Rolle der Hexe übernahm die Leiterin des Kleinen Stadttheaters, Silvia Kirchhof. Aber man musste schon zweimal hinschauen, um sie überhaupt zu erkennen. Die beiden Profi-Maskenbildnerinnen Anneliese Hartmann und Sunhild Birthelmer hatten ganze Arbeit geleistet und Silvia Kirchhof in ein geschundenes und geschorenes körperliches Wrack verwandelt, an den Gliedmaßen übersät mit Striemen, Blutergüssen und Platzwunden.

Bernd Beck aus Hambach, der beim Wandeltheater in der Stadtpfarrkirche einen streng-katholischen Pfarrer spielen wird, schlüpfte für die Dreharbeiten bravourös in die Rolle des grobschlächtigen, sadistischen Folterknechts. Profi-Schauspieler Martin Mennert, später als Fürstbischof Julius Echter zu sehen, gab Kirchhof hilfreiche Ratschläge für die schwierige Darstellung des seelisch gebrochenen Hinrichtungsopfers.

Mitglieder der Feuerwehr Gerolzhofen hatten ein wachsames Auge darauf, damit durch die brennenden Fackeln und die Feuerschale kein Unheil an der historischen Bebauung entstand.

Das Wandeltheater ist ein Spielkonzept, das es bislang noch nicht in Gerolzhofen gegeben hat. Man muss sich das Ganze wie ein Karussell vorstellen: Letztlich ist es egal, bei welcher Spielstätte man einsteigt, jede Gruppe kommt im Laufe des Abends sowieso zu jedem der vier Spielorte Amtsvogtei, Erlöserkirche, Stadtpfarrkirche und Spitalkirche. Die Stücke bei den Spielorten sind inhaltlich autark und bauen nicht aufeinander auf. Zwischen den Spielorten werden die Besucher von Schauspielern geführt und auf das Thema des nächsten Spielorts schon vorbereitet.

Erst wenn das Karussell eine ganze Runde gedreht hat, treffen sich alle Theaterbesucher zur gemeinsamen fünften Szene im Spitalgarten, wo Julius Echter und Martin Luther aufeinandertreffen. Jede Aufführung wird rund dreieinhalb Stunden dauern. Wenn man mit Freunden oder Bekannten gemeinsam laufen möchte, empfiehlt es sich, Eintrittskarten für den gleichen Startpunkt zu kaufen, sonst sieht man sich erst wieder am Schluss.

Das Interesse der Theaterbesucher ist sehr groß – und die Erwartungen hoch, nicht zuletzt nach den sehr gelungenen Freiluftaufführungen von „Fräulein Schmitt“. Wie Beate Glotzmann, die Leiterin der Gerolzhöfer Touristinformation, auf Anfrage mitteilt, sind schon jetzt rund 1500 Eintrittskarten verkauft.

Die Uraufführung für das Wandeltheater „Du musst dran glauben“ist am 24. Mai 2017. Es folgen weitere zwölf Vorstellungen im Zeitraum vom 25. bis 28. Mai und vom 1. bis 5. Juni 2017, eine davon barrierefrei in der Stadthalle. Der Kartenvorverkauf läuft bei der Touristinformation im Alten Rathaus, bei Teutsch am Turm, bei allen anderen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet im Ticketportal www.adticket.de

 
Das Ende naht: Die Hexe wird am Baumstamm festgezurrt. Foto: Klaus Vogt
Der Folterknecht führt die psychisch gebrochene Hexe zum Scheiterhaufen. Foto: Klaus Vogt
Die Maskenbildnerinnen sorgten für die realistisch anmutenden „Folterspuren“. Foto: Klaus Vogt
Dank Perücke und Schminke kaum zu erkennen: Silvia Kirchhof spielte die Hexe. Foto: Klaus Vogt

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