REGION STEIGERWALD

Das Zauberwort heißt Weltnaturerbe

Diskussion um die Zukunft des Waldes: Im Schutzgebiet Waldhaus unterhielten sich von links Staatssekretär Gerhard Eck, MdL Otto Hünnerkopf, Christian Barth, Amtschef des Umweltministeriums, Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner, Martin Neumeyer, Amtschef im Staatsministerium Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, MdL Angelika Schorer aus Füssen, stellvertretender Betriebsleiter Ingo Steuer, und Reinhardt Neft, Vorstand der bayerischen Staatsforsten.
Diskussion um die Zukunft des Waldes: Im Schutzgebiet Waldhaus unterhielten sich von links Staatssekretär Gerhard Eck, MdL Otto Hünnerkopf, Christian Barth, Amtschef des Umweltministeriums, Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner, Martin Neumeyer, Amtschef im Staatsministerium Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, MdL Angelika Schorer aus Füssen, stellvertretender Betriebsleiter Ingo Steuer, und Reinhardt Neft, Vorstand der bayerischen Staatsforsten. Foto: Norbert Finster

Die Extremforderungen auf beiden Seiten werden keine Chance haben. Es wird in Zukunft im Steigerwald weder einen Nationalpark noch einen ausschließlichen Wirtschaftswald geben. Das ist die glasklare Ansicht von Christian Barth, Amtschef im bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, geäußert gegenüber dieser Zeitung am Rande einer Waldbegehung durch Mitglieder der CSU-Landtagsfraktion. MdL Otto Hünnerkopf hatte dazu für den Donnerstag eingeladen.

Das neue Zauberwort heißt Weltnaturerbe. Entscheidend dabei: Mit einer eventuellen Anerkennung des Steigerwalds durch die UNESCO als Weltnaturerbe kommt der Nationalpark nicht durch die Hintertür. Denn anders als es Bund Naturschutz und auch der ehemalige Bamberger Landrat Günther Denzler immer wieder proklamieren, ist laut Barth für ein Weltnaturerbe kein Großschutzgebiet nötig.

Barths Kollege Martin Neumeyer, Amtschef im bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, bestätigt das. Das im Forstbetrieb Ebrach praktizierte Trittsteinkonzept sei völlig ausreichend für die Bewerbung zu einem Weltnaturerbe. Damit wird es weiterhin das Ziel der bayerischen Staatsregierung sein, die vom ehemaligen Bamberger Landratsamt installierte Verordnung über das 775 Hektar große Schutzgebiet „Der hohe buchene Wald im Ebracher Forst“ rückgängig zu machen. Neumeyer: „Diese Verordnung atmet den Geist des Gegeneinander.“ Gegen diese Verordnung gebe es auch erhebliche fachliche und rechtliche Einwände.

Reinhardt Neft, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten mit Sitz in Regensburg, ergänzte, der Wald im Schutzgebiet sei mit einem Durchschnittsalter von 90 Jahren hochproduktiv. Es gebe hier keine einzige 300 Jahre alte Buche, wie in manchen Medien behauptet. Nach Inkrafttreten der Verordnung sei nun völlig unklar, wie das Gebiet überhaupt gemanagt werden soll.

Am Stichwort „Großschutzgebiet“ ließen sich aber auch unüberhörbare Gegenätzen zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium vernehmen: Während Neumayer für die Revidierung ist, meint Barth, Groß- und Kleinschutzgebiete dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Bei einer Rücknahme des Hohen Buchenen Walds sei mit einer Klage des Bund Naturschutz zu rechnen. Grundsätzlich gefällt es der Staatsregierung nicht, dass durch die Nationalpark-Diskussion tiefe Gräben zwischen den Menschen im Steigerwald und von außerhalb aufgeworfen worden sind. Deshalb möchte die Regierung eine Lösung finden, mit der alle leben können, so Barth.

Bei der Waldbegehung sagte Innenstaatssekretär Gerhard Eck, gleichzeitig Vorsitzender des Anti-Nationalparkvereins „Unser Steigerwald“, über den neu gegründeten Verein „Nationalpark Nordsteigerwald“, dass von den bisher 250 Mitgliedern gerade mal 50 bis 70 aus der Region stammen, der Rest bestehe aus „eingeflogene Ideologen“.

Einig war man sich in der Runde, dass der Aspekt Waldschutz sehr ernst genommen werden müsse. Dazu sei das Trittsteinkonzept ein hervorragender Ansatz, lobte Christian Barth an die Adresse von Ulrich Mergner, den Leiter des Forstbetriebs Ebrach.

Reinhardt Neft sagte, was bisher im Ebracher Staatswald geleistet wurde, übrigens schon vor Beginn der Nationalpark-Diskussion, sei keine Bagatelle für die Waldwirtschaft. Durch das flächendeckende Trittsteinkonzept sei das gesamte Management im Wald komplizierter geworden.

Nun ist immer wieder zu hören, dass einige Mitglieder der CSU-Landtagsfraktion, insbesondere aus Altbayern und Schwaben, einen gewissen Charme hinter einem fränkischen Nationalpark Steigerwald entdecken. Dem widersprach MdL Angelika Schorer aus Füssen auf Anfrage dieser Zeitung. Die CSU stehe einhellig gegen die Nationalpark-Idee. „Nord und Süd lassen sich hier nicht auseinanderdividieren.“

Kleinstrukturierte Holzwirtschaft: Rund 60 mittelständische Sägewerke – hier das in Geusfeld – gibt es noch im Steigerwald. Ein Nationalpark würde einigen wahrscheinlich die Existenz kosten.
Kleinstrukturierte Holzwirtschaft: Rund 60 mittelständische Sägewerke – hier das in Geusfeld – gibt es noch im Steigerwald. Ein Nationalpark würde einigen wahrscheinlich die Existenz kosten. Foto: Norbert Finster

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