SÖMMERSDORF

Das alte Jerusalem entsteht neu

Im Maßstab 1:20 hat der Berliner Bühnenbildner Andre Putzmann (Mitte) sein Modell für die neuen Kulissen der Sömmersdorfer Passionsspiele angefertigt. Die orientalische Stadt Jerusalem war Vorgabe des Regieduos Marion Beyer (links) und Hermann J. Vief. Foto: Silvia Eidel

Ein prächtiger Tempel erhebt sich in der Mitte der Bühne, mit Kuppel und mit Gold bestücktem Tor. Eingebaut ist das steinerne Gebäude in die opulente Kulisse eines alten, orientalischen Jerusalem, mit unzähligen Gebäuden, engen Gassen und Treppen. Das Modell des Berliner Bühnenbildners Andre Putzmann für die diesjährigen Fränkischen Passionsspiele beschreibt eindrucksvoll die Atmosphäre im Heiligen Land vor 2000 Jahren, zur Zeit Jesu.

Vielfältig und detailreich gibt das gut zwei Meter breite Modell des neuen Bühnenbildes eine realistische, historische Stadtsituation für die tatsächlich 40 Meter breite und zehn Meter tiefe Freilichtbühne wider. Große Quadersteine zeichnen die Stadtmauer nach, kleinere die Häuserwände, Türme, Tore. Ein Baldachin auf Säulen überdacht einen Brunnen, Vordächer, Holzfenster und Palmen garnieren das Bild.

Die Steine hören, den Wüstenwind spüren

„Der Zuschauer soll das Gefühl haben, in ein fernes Land zu reisen, er soll die Steine hören, den Wüstenwind spüren“, formuliert Regisseurin Marion Beyer das Ziel. Die eindringliche Passionsmusik wird dies unterstützen, ist sie sicher.

Gemeinsam mit ihrem Regie-Partner Hermann J. Vief erläuterte sie über Bilder und stundenlange Gespräche dem freiberuflichen Bühnenbildner aus Berlin ihre Vorstellung. Denn bei den letzten Passionsspielen 2013 war die erneuerte Bühne ziemlich nüchtern und geprägt von den Betonbauten erschienen. Was vor allem dem damaligen Zeitmangel geschuldet war, wie Robert König, Vorsitzender des Vereins Fränkische Passionsspiele, erklärt.

Zu den Vorgaben der Regie nutzte Andre Putzmann seine künstlerische Freiheit. Schließlich ist der studierte Maler und professionelle Theatermann auf vielen freien Bühnen, in Berlin, aber auch im Rest Deutschlands, zugange. Aber er gibt zu, „dass Sömmersdorf schon eine Herausforderung ist, zumal eine Innen- und eine Außenbühne zu gestalten ist“.

20 Meter breit, sieben Meter tief: das neue Bühnenhaus

Das bedeutet neben neuen Zugängen und weiteren Auftrittsmöglichkeiten auch Elemente wie Licht und Ton bei der Gestaltung zu berücksichtigen. So wird etwa das 20 Meter breite und sieben Meter tiefe Bühnenhaus verschiedenen Spielzwecken im Theaterstück dienen: als jüdischer Tempel, in dem der Hohe Rat tagt, als Palast des Königs Herodes oder sogar für eine neue Ölbergszene. Eine LED-Wand wird dazu an der hinteren Innenbühnenwand einen Ölbaumgarten abbilden, verrät Putzmann. Aber auch flackerndes Licht in den Fenstern oder indirekte Beleuchtung von Gebäuden wird im neuen Bühnenbild eingesetzt.

Um auch die römischen Besatzer und deren Statthalter Pontius Pilatus in Szene zu setzen, nutzt Putzmann die Zweiseitigkeit von Kulissen: Eine hölzerne Haustür wird geöffnet und gibt prunkvolle, rotbemalte Räume frei, steinerne Säulen werden umgedreht und mutieren zu marmornen Pfeilern des Palastes.

Für die Realisierung der Bauten ist in Sömmersdorf das ehrenamtliche Team um Michael Garbe und Kurt Stark zuständig. „Klar, das Modell erschlägt einen zunächst“, gibt der gelernte Parkettleger Garbe zu. „Aber wenn man die einzelnen Teile betrachtet, ist das schon machbar.“

Materialvorschläge für die Macher

Von Putzmann erhalten die Macher die bemaßten Pläne und auch Materialvorschläge. Eingesetzt werden Holz, Leisten und Sperrholz für die Bauten und Verblendungen, PVC-Rohre für die Säulen, Styropor oder Pappmaché für zu modellierende Kulissen wie Felsen oder Steine. Die Kunst dabei: Die Bauten müssen leicht sein, müssen aber auch Wind und Regen standhalten.

Eine zweigeteilte große Holztreppe für den Hohen Rat hat das Duo bereits gefertigt, berichtet Kurt Stark. Damit sie für die laufenden Theaterproben schon genutzt werden kann. Für den Bundespolizisten bedeutet der Bühnenbau „Hobby, Spaß und Erfolgserlebnis“, bekennt er. Auch wenn der Jahresurlaub dafür nötig ist.

Bei der Bemalung der Bauten hilft Gabi Ziegler mit. Unzählige Details warten auf die Umsetzung: von der maroden Haustür bis zum verblassten, goldenen Paravent.

Bis Mitte April sollte die Kulisse für die Proben stehen. Spätestens bis zum ZDF-Fernsehgottesdienst am 27. Mai aber muss die Passionsspielbühne für die deutschlandweite Übertragung die Zeit Jesu widerspiegeln.

Karten für die Passionsspiele

Karten gibt es in der Geschäftsstelle des Vereins, Telefon (09726) 2626, im Rathaus Euerbach, in allen Main Post-Geschäftsstellen, über MainTicket, bei der Touristinfo 360 Grad in Schweinfurt oder im Onlineshop unter www.passionsspiele-soemmersdorf.de

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