Schweinfurt

Dauerbrenner Baugebiete: Schweinfurt sieht sich gut gerüstet

Wie viele Bauplätze gibt es in der Stadt? Wie werden die Konversionsgebiete erschlossen? Braucht es weitere Bauplätze? Antworten auf diese Fragen gab es im Bauausschuss.
Die Drohnenaufnahme zeigt im Vordergrund das Bauvorhaben „Living@Manor“, dahinter das zweite Bauvorhaben „Living@Askren“ im neuen Wohngebiet Bellevue. Foto: Volker Martin

Der Dauerbrenner Baugebiete in Schweinfurt spielt nicht nur im Wahlkampf eine Rolle, er beschäftigt die Stadträte seit Jahren. Auf der einen Seite die Verwaltung, die für eine maßvolle Weiterentwicklung nach Bedarf plädiert. Auf der anderen Seite FDP-Stadtrat Georg Wiederer und auch die SPD-Fraktion, die darauf drängen, mit den Planungen für ein Neubaugebiet an den Pfannäckern und der Mönchskutte so schnell wie möglich zu beginnen.

Georg Wiederer erklärte, ihm sei es "ein Herzensanliegen, mehr Schweinfurter nach Schweinfurt zu bringen", weswegen er schon im Juli vergangenen Jahres einen Antrag gestellt hatte, dass der Stadtrat genaue Informationen über die Planungen der Stadt zum Thema Wohnungsbebauung bekommt und sich mit dem Thema Pfannäcker und Mönchskutte beschäftigt. Einen ähnlichen Antrag der SPD zu den Haushaltsberatungen hatte die Verwaltung damals abgelehnt.

Wiederers Antrag wurde erst nach mehr als einem halben Jahr beantwortet, dies nun aber mit einer ausführlichen Auflistung, was passiert und was geplant ist. In Summe muss man sagen: Die Stadt hat die Chance, die sich durch die Entwicklung der drei Konversionsgebiete Ledward Kaserne, Askren Manor und Kessler Field/Yorktown mit insgesamt 70 Hektar Fläche nach dem Rückzug der US-Armee 2014 ergab, ergriffen.

In Bellevue wird kräftig gebaut, manche der ehemaligen Wohnhäuser für US-Armee-Angehörige werden abgerissen und neu gebaut, manche saniert. Es entstehen bis zu 650 Wohneinheiten. Foto: Oliver Schikora

In Summe stehen am Ende des Umbaus der Konversionsgebiete 984 Wohneinheiten – vom Einfamilienhaus über die Eigentumswohnung bis zur Sozialwohnung – zur Verfügung sowie 140 Wohneinheiten im Neubaugebiet Eselshöhe West II. Stadtbaumeister Markus Sauer und Baureferent Ralf Brettin stellten die Planungen vor. "Der Wohungsbau", so Sauer, "entwickelt sich mit dem Bedarf."

Baureferent fordert zukunftsweisende Planung für Wohnbebauung

Die Stadt ist nur 35,7 Quadratkilometer groß, die Gemeinde Schonungen zum Beispiel mit gut 8000 Einwohnern als flächenmäßig größte Kommune im Landkreis hat mehr als doppelt so viel Land zur Verfügung. Ralf Brettin plädierte mit Blick auf diese Gegebenheiten, die auch aus der Gebietsreform in den 1970er Jahren herrühren, bei der Schweinfurt keine Eingemeindungen bekam, "nicht einfach nur Flächen zur Verfügung zu stellen, sondern intelligent und zukunftsweisend zu planen".

Das Baugebiet Eselshöhe West II wurde in den vergangenen Jahren entwickelt und ist mittlerweile fast vollständig bebaut. Dort gibt es 140 neue Wohneinheiten. Foto: Gerd Landgraf

Auch Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) mahnt zu maßvollem Vorgehen, denn grundsätzlich hält er das bereits zur Verfügung stehende Wohnraumangebot und das geplante für vollkommen ausreichend. Remelé verweist auch auf die Bevölkerungsprognose bis in die späten 2030er Jahre. Diese sieht für Schweinfurt selbst stabile Einwohnerzahlen vor, im Landkreis sowie den umliegenden Landkreisen Bad Kissingen und Haßberge werde die Einwohnerzahl aber um bis zu fünf Prozent sinken. Das heißt für den OB: "Wir können nicht mit großem Zuzug rechnen."

Oberbürgermeister Remelé erwartet Entspannung auf dem Wohnungsmarkt

Durch die Baugebiete in Bellevue und Kessler Field/Yorktown biete die Stadt, so der OB, für bis zu 3000 Menschen Wohnraum. Die meisten Interessenten seien aus der Stadt sowie den Gemeinden rund um Schweinfurt. Diese wiederum würden wieder Wohnraum frei machen, weswegen er zum einen davon ausgeht, "dass sich die Lage am Wohnungsmarkt weiter entspannt", und, dass eine schnelle Erschließung von Mönchskutte und Pfannäcker nicht nötig ist.

Im Herbst vergangenen Jahres gab es den ersten Spatenstich für die Wohnbebauung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWG am Eingang von Bellevue. Foto: Stefan Pfister

Die Auflistung der Verwaltung war detailliert. Im Baugebiet Eselshöhe West II, das fast vollständig bebaut ist, gibt es rund 140 Wohneinheiten. In Yorktown Village sind es 84, im angrenzenden, elf Hektar großen Kessler Field sollen es einmal bis zu 250 Wohneinheiten werden. Kräftig gebuddelt und gebaggert, gebohrt und gehämmert wird in Sachen Wohnungsbau in Bellevue, wo 650 Wohneinheiten entstehen.

Die Bauverwaltung plädiert dafür, die bereits 2017 vom Stadtrat beschlossene Priorisierung der Maßnahmen nicht zu ändern, also sich zuerst auf die Konversionsgebiet zu konzentrieren und danach über Pfannäcker und Mönchskutte nachzudenken. Nur für die Pfannäcker gibt es eine Vorplanung für Wohnbebauung, dort gehört rund ein Drittel der Fläche der Stadt oder der Hospitalstiftung. 

Luftbild von Yorktown Village aus dem Jahr 2016. Damals wurden die Häuser aufgrund großer Nachfrage verlost. Foto: Vladimir Budin

Die Position der Verwaltung ist nicht neu, wurde in den vergangenen Monaten vor allem bei den Haushaltsberatungen so dargestellt. Für Kritik sorgte sie dennoch. Johannes Petersen (SPD) sieht den Einstieg in Planungen für Mönchskutte und Pfannäcker als wichtig an, da es zum Beispiel beim Gebiet Eselshöhe West II von Bebauungsplan bis erstem Hausbau 15 Jahre dauerte. "Wir halten es mit Blick auf Morgen und Übermorgen für wichtig für den Erhalt der Industriearbeitsplätze mit der Entwicklung zu beginnen", so Petersen.

Kritik an ständigem Wachstum durch neue Baugebiete

Das sieht Ulrike Schneider (Schweinfurter Liste/Freie Wähler) ganz anders. Sie kritisierte den Ansatz, zu glauben, als Kommune immer weiter wachsen zu müssen. Schweinfurt betreibe in Sachen Baugebiete die gleiche "Kirchturmpolitik" wie die Kommunen im Umland. Innenentwicklung statt immer neue Baugebiete sei das Gebot der Stunde. Unterstützung fand sie bei Reginhard von Hirschhausen (Bündnis 90/Die Grünen): "Wir müssen uns selbst begrenzen", so von Hirschhausen. Wohnraum, mit Ausnahme im sozialen Wohnungsbau, sei für die nächsten zwei Jahrzehnte genügend vorhanden. Ackerflächen zu erhalten sei mindestens ebenso wichtig.

Ein Blick über die so genannten Pfannäcker, die als mögliches neues Baugebiet in zehn bis 15 Jahren in Frage kommen. Foto: Gerd Landgraf

Während Rüdiger Köhler (CSU) die Pläne der Verwaltung als "guten Kompromiss" für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt bezeichnete, war Georg Wiederer am Ende der Debatte ärgerlich, weil er sich missverstanden und seinen Antrag als nicht bearbeitet sah. "Es ist fatal, dass die Stadt die Ausweisung neuer Baugebiete mit so geringem Engagement betreibt", so Wiederer, der den OB zu mehr Mut aufforderte: "Sie sind die Zukunft der Stadt betreffend vorsichtig, vielleicht ängstlich. Ich bin da optimistischer."

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